Video mit rassistischem Inhalt aus Sinsheim sorgt für Aufregung

Region  Ein Video mit rassistischem Inhalt aus einem Unternehmen im Gewerbegebiet Sinsheim-Süd sorgt in Social-Media-Kanälen für Aufregung. Der Geschäftsführer distanziert sich.

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In dem rassistischen Video zu sehen ist ein ehemaliger Flüchtling, der in der Stahlmanufaktur Hammer arbeitet und von einem Kollegen als "Buschmann" bezeichnet wird. Er wolle mit ihm zwei Paddel kaufen gehen, damit er von Italien nach Afrika paddeln könne, heißt es darin.

Geschäftsführer Thomas Hammer (59) aus Angelbachtal distanziert sich mit deutlichen Worten von Video und Inhalt. "Das geht gar nicht", sagt Hammer am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. "Das war hirnlos und das möchte ich auch nicht entschuldigen."

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Rassistisches Video aus Sinsheim sorgt für Aufregung
Geschäftsführer Thomas Hammer (59) aus Angelbachtal distanziert sich mit deutlichen Worten von Video und Inhalt. Foto: Adrian Hoffmann

Mitarbeiter wurde abgemahnt

Der betreffende Mitarbeiter sei abgemahnt worden. Inwiefern drastischere Schritte folgen könnten, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Thomas Hammer weiß eigenen Angaben zufolge erst seit einer Woche von dem Video und habe, wie er schildert, gleich darauf reagiert, als er Kenntnis davon erlangt hatte.

Der Mann, der im inzwischen weit verbreiteten Video gedemütigt wird, arbeite seit mehr als einem Jahr im Betrieb, so Hammer. Er mache eine Ausbildung zum Metallbau-Konstruktionstechniker. Der ehemalige Flüchtling habe heute eine Aufenthaltserlaubnis von zwei Jahren und fühle sich bei ihnen wohl. Man habe ihm auch bei der Suche nach einer Wohnung geholfen. Die Kollegen hätten eigentlich ein gutes Verhältnis zueinander. Hammer sagt, er möchte beide schützen. Der Urheber des Videos sei in Urlaub und "am Boden zerstört".

Die Situation sei aus einem Scherz heraus entstanden 

Ihm sei geschildert worden, die Situation sei aus einer Art Scherz heraus entstanden. Der Auszubildende soll über sich selbst im Spaß gesagt haben, er müsse sich wohl neue Sportschuhe kaufen, um nach Afrika zurücklaufen zu können. Thomas Hammer sagt aber auch, dass der junge Mann die verletzenden Worte des Kollegen - so wie sie getroffen wurden - aufgrund seiner Deutschkenntnisse inhaltlich nicht habe verstehen

Rassistisches Video aus Sinsheim sorgt für Aufregung
Der betreffende Mitarbeiter sei abgemahnt worden. Inwiefern drastischere Schritte folgen könnten, könne der Geschäftsführer Thomas Hammer zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Foto: Adrian Hoffmann

können.

"Menschenverachtend und zutiefst rassistisch"

Die Empörung über das Video ist groß. Die Firma bekommt zahlreiche Anrufe und negative Internet-Bewertungen. Aus Sicht von Berryl Amedegnato, Studentin aus Mannheim, sind die Aussagen "menschenverachtend und zutiefst rassistisch". Sie reproduzierten koloniale Bilder. Der Betrieb spiele den Fall herunter. Afrodeutsche wie sie erlebten in einer mehrheitlich weiß dominierten Gesellschaft immer wieder Übergriffe, sei es in institutionellem Rahmen oder Alltag.

Auch auf der Webseite seines Unternehmens distanziert sich Thomas Hammer inzwischen vom Inhalt des Videos. "Wir verurteilen das Erstellen sowie die Verbreitung der im Video gezeigten Inhalte. Das Video gibt in keiner Weise die Unternehmenskultur wieder, die in unserem Unternehmen seit Unternehmensgründung gelebt wird."


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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