Umstrittene Frauen-Figur soll aufs Dach des Bikini-Museums

Interview  Mit einer Skulptur soll das Bikini-Museum im Bad Rappenauer Gewerbegebiet Buchäcker nach seiner Fertigstellung beworben werden. Der Initiator des Museums, Alexander Ruscheinsky, betont: Die Skulptur stehe dafür, dass sich Frauen jahrzehntelang durchboxen mussten.

Von Simon Gajer
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Die Künstlerin Doris Geraldi stellt in Ipanema ihre Skulptur vor.

Foto: privat

Mit einer Skulptur soll das Bikini-Museum im Bad Rappenauer Gewerbegebiet Buchäcker nach seiner Fertigstellung beworben werden. Aufs Dach kommt eine neun Meter hohe Darstellung einer Frau, die Badekleidung der 50er Jahre trägt und Boxhandschuhe anhat. Daran gibt es Kritik: Sie sei sexistisch.

Zu diesem Vorwurf äußert sich Alexander Ruscheinsky, der hinter dem Museum, dem dortigen Hotel und dem Autohof steht.

 

Die Frau reckt die Hände mit Boxhandschuhen in die Höhe und trägt einen Bikini. Kritiker stören sich an dieser Figur, bezeichnen sie sogar als sexistisch. Wie reagieren Sie darauf?

Alexander Ruscheinsky: Ich kenne den Vorwurf überhaupt nicht. Unsere Figur soll aber ein Symbol für die Frau sein.

 

Inwiefern?

Ruscheinsky: Wir eröffnen ein Museum, das sich der Geschichte der Bademode widmet. Über 100 Jahre lang durften selbst in Europa Frauen nicht das tragen, was sie wollten, sondern was die Gesellschaft von ihnen verlangte. Diesen Kampf hat es in allen Erdteilen gegeben. Arabische Frauen gehen heute verhüllt zum Baden, das war in Deutschland im 19. Jahrhundert nicht anders. Die Frauen mussten mit langen Ärmeln und Beinkleidern bis zu den Knöcheln ans Wasser. Mit dem Stoff, der viele Kilogramm wog, konnten sie gar nicht schwimmen. In ganz kleinen Schritten mussten sich die Frauen ihre Rechte erkämpfen, einzelne haben hier Erfolge eingefahren. Die Parallelität der gesellschaftlichen Stellung der Frau und das Recht auf Selbstbestimmung der Kleidung wird ein zentrales Thema im Museum sein. Wir werden dazu auch ein Buch veröffentlichen, an dem wir arbeiten.

 

Einzelne Frauen trugen ihren Teil dazu bei. An wen denken Sie?

Ruscheinsky: Die Australierin Annette Kellermann war Schwimmerin. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sie sich einen Badeanzug herstellen lassen, der knapper geschnitten war. Mit heutigen Bikinis war der aber nicht zu vergleichen. Damit hat sie viele Wettbewerbe gewonnen. Als sie in New York damit schwamm, wurde sie von der Polizei verhaftet und eingesperrt. Der Wendepunkt kam erst, als Ursula Andress im James-Bond-Film "Dr. No" mit dem weißen Bikini dem Wasser entstieg. Ab dann durften Frauen Bikinis in der Öffentlichkeit tragen. Unsere Figur symbolisiert den Kampf der Frau um dieses Recht auf den eigenen Körper. Unsere Figur trägt einen Bikini der 50er Jahre, der damaligen gesellschaftlichen Vorgaben entsprechend den Bauchnabel verhüllte.

 

Umstritten: Frauen-Figur soll aufs Dach des Bad Rappenauer Bikini-Museums

Die Skulptur ist im Gemeinderat zu sehen: Damit die Figur aufs Museumsdach darf, ändert der Gemeinderat einen Bebauungsplan.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Und die Figur trägt Boxhandschuhe.

Ruscheinsky: Die stehen dafür, dass Frauen sich jahrzehntelang durchboxen mussten, um wie heutzutage nicht mehr verhüllt beim Baden sitzen zu müssen. Die Figur hat übrigens Doris Geraldi geschaffen.

 

Die Skulptur kommt aufs Dach, unweit davon liegt die Autobahn A 6. Glauben Sie, dass man diese Symbolik wahrnimmt, wenn man mit Tempo 100 am Museum vorbeifährt?

Ruscheinsky: Alles, was man macht, soll Aufmerksamkeit erregen. Blicken Sie nach Sinsheim: Am Museum befindet sich eine Concorde auf dem Dach. Im Vergleich dazu ist unsere Figur klein. Vermutlich kann man sie aber ohnehin nicht von der Autobahn sehen, weil dort ein Lärmschutzwall errichtet wird.

 

Seit dem Spatenstich im Juli wächst die Hotelerweiterung mit dem integrierten Museum schnell in die Höhe. Wie liegen Sie im Zeitplan?

Ruscheinsky: Sehr gut. Der Rohbau sollte im Februar fertig sein, danach sieht es aus.

 

Umstritten: Frauen-Figur soll aufs Dach des Bad Rappenauer Bikini-Museums

Alexander Ruscheinsky (links) und OB Sebastian Frei.

Foto: Archiv/Gajer

Wann eröffnen Hotel und Museum?

Ruscheinsky: Das Museum ist viel filigraner und hat viele Details, die wir zurzeit umsetzen. Wir rechnen damit, dass das Museum im Dezember eröffnet. Und das Hotel ein paar Wochen früher.

 

Sie stecken in der Arbeit. Auf welches Detail freuen Sie sich besonders?

Ruscheinsky: Die Erfindung des Bikini durch Louis Réard soll multimedial aufgearbeitet werden. Wir wollen eine zehn- bis 15-minütige Videoshow über zwei Etagen produzieren.

 

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