Tracht und Tanz gehören für die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend dazu

Bad Rappenau  Zum 26. Mal hat die Jugend der Siebenbürger Sachsen zu ihrem Volkstanzwettbewerb eingeladen. Zum zweiten Mal findet die Veranstaltung in Bad Rappenau statt. Gut 700 Menschen feiern eine traditionsreiche Tanzveranstaltung.

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Traditionsbewusstsein und Spaß

Die Heilbronner SJD-Gruppe lässt es sich nach dem Tanzen bei schwäbischen Maultaschen und Kartoffelsalat schmecken.

 

Der Jubel ist schon von Weitem zu hören. Drinnen, in der Mühltalhalle, mischt sich zu den Anfeuerungsrufen der Rhythmus der Musik, dem die Hände der Zuschauer folgen.

14 Gruppen mit gut 300 Tänzerinnen und Tänzern messen sich in Bad Rappenau beim 26. Volkstanzwettbewerb der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD).

Der Contest ist eine Institution, "eine feste Größe im Jahr", sagt Bundesjugendleiter Andreas Roth aus Augsburg. "Die jungen Leute zusammen zu trommeln, ist nicht schwer. Ich glaube, die würden auch kommen, wenn wir nicht einladen würden."

Sportlicher Ehrgeiz gehört dazu

Traditionsbewusstsein und Spaß

Schwungvoll sind die Kreistänze wie der der Gruppe aus Ingolstadt. Reich geschmückt sind die Trachten der Frauen.

 

Traditionsbewusstsein, Spaß und die Pflege der Gemeinschaft ist es, was die jungen Menschen dazu bringt, Trachten anzuziehen, die größtenteils über 100 Jahre alt sind. Sportlicher Ehrgeiz kommt noch dazu. "Ich habe selbst auch schon mal den ersten Platz gewinnen dürfen", sagt Andreas Roth über seine Zeit als junger Tänzer: "Das ist schon Wahnsinn."

Einen Pokal gewinnt, wer am besten tanzt, aber auch die Tracht korrekt trägt. Dafür gibt es eine extra Jurorin. "Ein Preisgeld gibt es nicht", erklärt Andreas Roth: "Das können wir uns gar nicht leisten."

Alles, was die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend auf die Beine stellt, basiert auf ehrenamtlichem Engagement. Jede Gruppe absolviert einen Pflicht- und einen Kürtanz. Wer noch nicht an der Reihe ist, steht an der Seite und schaut den anderen zu. Die Aufregung hält sich in Grenzen, sagen die Mitglieder der Heilbronner Tanzgruppe. 20 von ihnen sind in Bad Rappenau am Start. Von einem Heimspiel ist die Rede.

Es ist der Spaß am Tanzen, der zusammenschweißt, aber nicht nur: "Wir kennen uns alle schon von kleinauf", sagt Lea Schuster. Die Tanzgruppe ist wie ein großer Freundeskreis, in dem man über alles reden kann, indem man sich einfach gut versteht. Und egal, wer später aufs Treppchen darf: Die Heilbronner feiern beim Tanzball am Abend ausgelassen mit.

Nähe zum Kulturzentrum Schloss Horneck

Traditionsbewusstsein und Spaß

14 Gruppen mit zusammen gut 300 Tänzerinnen und Tänzern nahmen an dem 26. Volkstanzwettbewerb der Siebenbprgisch-Sächsischen Jugend (SJD) in Bad Rappenau teil.

Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer

 

2011 sei man schon einmal in Bad Rappenau gewesen, erzählt Andreas Roth: Der Veranstaltungsort hat sich bewährt. Der Kreisverband Heilbronn sei sehr stark, die Nähe zu Schloss Horneck in Gundelsheim spiele bei der Wahl des Austragungsortes eine Rolle, so Roth weiter.

Vor der Tür ist der große Parkplatz voll mit Autos und Bussen aus ganz Deutschland. Auffallend viele aber kommen aus Bayern und Baden-Württemberg. Roth bestätigt den Eindruck, dass der deutsche Süden am stärksten repräsentiert ist. In ihren Reihe sei sogar ein echtes Münchener Kindl. Der habe einfach Freude am Tanzen und am Tragen der Tracht. "Das Tanzen ist Ausdruck unserer Identität", erklärt Roth: "Damit zeigen wir schon ein bisschen den Kern unserer Tätigkeit."

Die meisten, die hier dabei sind, gehören nicht mehr der sogenannten Erlebnisgeneration an. Das Leid der Siebenbürger Sachsen kennen sie nur aus Erzählungen. Trotzdem schweißt das, was die Vorfahren erlebt haben, zusammen: "Die Tanzgruppen und auch die Veranstaltungen der SJD", sagt die Heilbronner Kreisjugendvorsitzende Ines Wenzel, "entwickelten sich gerade in den letzten Jahren als positive Abwechslung und Ergänzung zu den virtuellen Internet-Communities zu reellen Plattformen der Identitätsfindung."

Auch Andreas Roth sieht die Tanzgruppen als "soziales Gefüge, das über Whats App weit hinaus geht". Die Tradition, aus der heraus die Siebenbürger Sachsen kämen, sei für viele ein Anker. Die Zahl der Teilnehmer am Volkstanzwettbewerb ist das Ergebnis einer erfolgreichen Jugendarbeit.