Tanzend durch Russland

Eppingen  Jugendliche der Gruppe Culture Crossover haben Russland besucht, sich auf die fremde Kultur eingelassen und Freunde gefunden.

Von Tanja Ochs
Tanzend durch Russland

Fast wäre der Traum geplatzt: Kurz vor der Abreise nach Russland standen zwei Mitglieder der Eppinger Tanzgruppe Culture Crossover plötzlich ohne Pässe da. Der Umschlag mit den Visa kam geöffnet im Kraichgau an, zwei Dokumente fehlten. Ersatz musste her, damit am 27. April alle ins Flugzeug steigen konnten.

"Es war knapp", erzählt Jessika Pjetri. Doch was dann passierte, können sie und ihre Freunde kaum in Worte fassen: "Es war der Wahnsinn."

In Pereslawl-Salesski, einer Stadt rund 160 Kilometer von Moskau entfernt, waren die Kraichgauer im wahrsten Sinne des Wortes zu Gast. "Wir wurden überall herzlich empfangen", erzählt Romy Müller aus Zaberfeld. Ohne Vorurteile begegneten sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, die Begeisterung sei auf beiden Seiten groß gewesen. Mit Interviews, Begegnungen, Videodreh, Fotoshooting und immer wieder Tanz war das Programm randvoll. Die Gruppe aus dem Kraichgau genoss das Abenteuer in vollen Zügen, saugte die fremde Kultur auf und erlebte fünf unvergessliche Tage. "Wir wollten gar nicht zurück", sagt Jessika Pjetri.

Friedliches Miteinander

Die Gastgeber hätten immer wieder betont, wie wichtig es sei, die Botschaft des friedlichen Miteinanders weiterzutragen. "Viele haben uns gesagt, dass sie nichts gegen Deutsche haben", erzählt Katharina Martin, die den Ausflug initiiert hat. Anlass war die Feier anlässlich des 30-jährigen Bestehens der örtlichen Tanzschule, bei der die Gruppe aus dem Eppinger Jugendzentrum auftrat.

"Wir hatten Bammel, weil unser Stil komplett anders ist als der russische", gesteht Jessika Pjetri. Doch ihr Tanz, der von Hip Hop bis Rock "n" Roll verschiedene Elemente kombinierte und voller Symbolik steckte, war ein voller Erfolg. Finanziert wurde die Reise zu großen Teilen von der Deutsch-Russischen-Gesellschaft Kraichgau. "Wenn man will, ist vieles möglich", sagt die Vorsitzende Dorothea Volkert. Sie habe das Projekt gerne mit zweckungebundenen Spendengeldern unterstützt, nachdem kaum jemand den Jugendlichen helfen wollte. Die Reise sei wichtig gewesen, ein Zeichen des Friedens, nach dem sich nicht nur Menschen in Russland sehnen, sagt Dorothea Volkert.

Es ging nie um Politik

Während der fünf Tage in Russland trafen die Tänzer Kinder und Jugendliche, gaben Kurse und schlossen Freundschaften. Nie sei es um Politik gegangen, immer nur um die Menschen und ihr Leben. "Der Tanz war unsere Gemeinsamkeit", sagt Romy Müller. Von Feindseligkeit keine Spur. Mit russischen Jugendlichen stellten die Kraichgauer einen Flashmob auf die Beine, tanzten Hand in Hand mit Mädchen in Tracht unter freiem Himmel. "Das hat sofort funktioniert", meint Dennis da Costa Oliveira. Der Ittlinger schwärmt von "coolen Momenten" und emotionalen Erlebnissen. Unter anderem besuchten die Jugendlichen eine Einrichtung für Behinderte. Zu sehen, wie engagiert die Pädagogen dort unter schwierigen Bedingungen arbeiten, habe sie nachhaltig beeindruckt, sagt Romy Müller. Da hinterfrage man das eigene Verhalten: "Wir leben verschwenderisch in Deutschland."

Die Jugendlichen haben erfahren, wie viel Offenheit es auf der Welt gibt. "Es war sehr familiär", sagt die Zaberfelderin. "Zum Abschied haben wir alle geweint", gesteht Jessika Pjetri. Russen und Deutsche. Die Kraichgauer planen deshalb schon die nächste Reise nach Pereslawl-Salesski.

Mehr Eindrücke, Fotos, Videos unter facebook.com/culture.crossover.de

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