Stolpersteine erinnern an Eppinger Nazi-Opfer

Eppingen  Mehr als 1200 deutsche Kommunen pflegen diese Form des Gedenkens. Jetzt sollen auch in Eppingen Stolpersteine die Schicksale jener Menschen in Erinnerung rufen, die vom NS-Regime deportiert, ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

Email
Stolpersteine erinnern an Eppinger Nazi-Opfer

Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in vielen Kommunen, hier vergangenes Jahr in der Heilbronner Wollhausstraße.

Foto: Archiv/Berger

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an Opfer der Nazis, indem er die Tafeln im Trottoir vor deren letztem selbst gewähltem Wohnort einlässt. In Heilbronn, Neckarsulm, Bad Rappenau und vielen anderen Kommunen gibt es Stolpersteine. Nun soll Eppingen an der Reihe sein. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats hat sich am Dienstagabend einstimmig dafür ausgesprochen.

Anfrage aus Israel gab den Anstoß

Den Anstoß gab Gidon Suesskind, der in der Nähe von Tel Aviv lebt. "Er hat vor eineinhalb Jahre zu uns Kontakt aufgenommen", berichtet Elisabeth Hilbert, Vorsitzende des Vereins Jüdisches Leben Kraichgau. Es folgte ein reger Mailwechsel.

Suesskind ist der Enkel von Betty Levi, geborene Frank, einer Eppingerin, die später mit ihrem Mann Samuel Levi im hessischen Bebra lebte. Während Gidons Eltern 1936 vor den Nazis nach Israel fliehen, bleiben die Großeltern in Deutschland. Samuel stirbt später an einer Krankheit, Betty im Konzentrationslager. "Gidon war sehr hartnäckig", erinnert sich Elisabeth Hilbert. Er fragte, ob die Möglichkeit besteht, seiner Großmutter mit einem Stolperstein zu gedenken.

Der Verein Jüdisches Leben nahm das Ansinnen auf, schrieb an OB und Gemeinderat, fand Mitstreiter. Stadtarchivarin Petra Binder will die Lebensgeschichten jüdischer NS-Opfer aus Eppingen recherchieren. Die Heimatfreunde haben Unterstützung zugesagt, die Selma-Rosenfeld-Realschule soll eingebunden werden.

Auftakt ist voraussichtlich im Gartenschaujahr

In Eppingen sind zunächst 20 bis 30 solcher Messingtafeln geplant. Die ersten werden wohl 2021 verlegt, dem Jahr, in dem Eppingen die Gartenschau ausrichtet. Eine Tafel für Betty Levi, Gidon Suesskinds Großmutter, wird nicht dabei sein. Ihrer wird mittlerweile mit einem Stolperstein an ihrem letzten Wohnort Bebra gedacht.

Die vier letzten Eppinger Juden waren Julius und Liesel Sternweiler sowie Simon und Bertha Siegel, die 1940 in südfranzösische Lager verschleppt wurden und dort starben. An sie zu erinnern, "liegt uns besonders am Herzen", betont Elisabeth Hilbert. Ihre letzten Wohnorte lagen in der Fleischgasse und in der Adelshofer Straße. Dort sollen schon bald Stolpersteine dazu auffordern, innezuhalten.

Die Stadt soll durch den Bauhof die Vorarbeiten übernehmen. Die Kosten für die Steine, es sind 120 Euro pro Stück, übernehmen Paten. "Es ist also ein persönliches Projekt", sagt Elisabeth Hilbert. "Von Mensch zu Mensch."

 


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

Kommentar hinzufügen