Speckfresser, Bauern und Don Camillo

Eppingen  Gruppen ließen beim Umzug durch den Ort die Vergangenheit Richens wieder aufleben.

Von Nicole Theuer
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Speckfresser, Bauern und Don Camillo

36 Gruppen hatten sich in den Umzug eingereiht. Als Künstlerinnen entpuppten sich die Aerobic-Damen des TB Richen, die, stilecht ausstaffiert, einen Charleston auf die Straße zauberten.

Fotos: Franz Theuer

Ein farbenprächtiges Spektakel bot sich den Schaulustigen, die die Straße säumten, als 36 Gruppen mit mehr als 500 Teilnehmern im langen Zug durch Richen zogen. Drei Tage lang wurde in dem ältesten Stadtteil der Großen Kreisstadt Eppingen der 1250. Geburtstag Richens gefeiert. Am Sonntag stand der Festumzug im Mittelpunkt. Und der musste ganz ohne lebende Tiere auskommen, die ursprünglich Teil des Umzugs hätten sein sollen.

Bekanntlich hat die Stadt Eppingen im vergangenen November ein allgemeines Verbot für das Mitführen von Tieren bei Veranstaltungen erlassen und damit auch die Pläne des Richener Festkomitees durchkreuzt. In Anlehnung an Richens Beinamen "Bauerndorf" sollten wenigstens Kühe und Pferde mitgeführt werden.

Tiere aus Kunststoff

Im Vorfeld des Umzugs hatte Ortsvorsteher Giselbert Seitz das Verbot immer wieder kritisiert, letztlich blieb es dabei. Stattdessen machten sich nun wetter- und lärmresistente Kameraden aus Kunststoff oder Pappmaschee auf den Weg durch Richen.

Angeführt von den Schülern der Burgbergschule, die vom Vorsitzenden der Heimatfreunde Michael Meny flankiert wurden, machte sich der lange Zug auf den Weg. Kaum unterwegs, wurde er auch schon getrennt, die Bahnschranken hatte sich abgesenkt und den Gruppen einen Zwangshalt auferlegt.

Speckfresser, Bauern und Don Camillo

Die Vereine und Institutionen ließen die Richener Vergangenheit wieder aufleben. So erinnerten die Kinder der Kindertageseinrichtung daran, dass Richen ursprünglich ein Bauerndorf war.

In historischen Gewändern

Den Grundschülern folgte die Stadtkapelle Eppingen. In Uniformen in den badischen Farben gewandet, intonierten die Musiker Lied um Lied. Sie waren nicht der einzige Hingucker, Zahlreiche Gruppen wie der Ortschaftsrat aus Kleingartach oder die Landsknechte aus Adelshofen hatten sich in historische Leinengewänder gekleidet. Auch Oberbürgermeister Klaus Holaschke und Bürgermeister Peter Thalmann hatten Anzug und Hemd gegen historische Kleidung getauscht.

Die Vereine und Institutionen ließen die Richener Vergangenheit wieder auferstehen und erinnerten daran, dass es in dem Bauerndorf früher zahlreiche verschiedene Handwerksberufe gab. Der Richener Bauernverband hatte die alten Holzrechen aus der Scheune geholt, die Cordhose vom Staub befreit und machte deutlich, wie die Menschen früher die Felder bestellt haben.

Dorf der Speckfresser

Aber Richen ist auch bekannt als Dorf der Speckfresser. Die Richema Speckfresser warteten mit einem imposanten Wagen auf, auf dem eine wohlgenährte Kuh prangte, und verteilten die Köstlichkeit, flankiert von den Richener Speckmärbsle, die stilecht Speckmärbsle unter das Volk brachten.

Auch die übrigen Eppinger Teilorte hatten Abordnungen geschickt, und das Gemminger Festkomitee revanchierte sich für den Richener Besuch in Gemmingen vor einer Woche. Klaus Weidelich, seines Zeichens Landwirt und Darsteller seiner Kultfigur "Amalie", die die Bunten Abende des Theatervereins bereichert, war in ein Kostüm à la Don Camillo geschlüpft und grüßte aus dem Fahrerhaus, auf dem Anhänger das historisch gewanderte Festkomitee, das inmitten der nachgebauten Kirche saß und deutlich machte: "Wir lassen die Kirche nicht in Gemmingen." Für diesen aufwändig gebauten Wagen gab es seitens der Besucher viel Beifall.

Charleston auf der Straße

Die Aerobic-Damen des TB Richen tanzten einen Charleston auf die Straße. Mit mehr als zwei Pferdestärken unterwegs waren die beiden letzten Gruppen.

Am Ende hatten sich die Schlepperfreunde Himmelreich unter der Führung von Rudi Klär und eine Gruppe Oldtimerfreunde in den Zug eingereiht.


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