So realistisch ist ein zweiter Ittlinger Bahnhof

Nahverkehr  Ittlingen ist vor allem Richtung Norden gewachsen, der Bahnhof liegt im Süden des Dorfes. Die Gemeinde wünscht sich einen zweiten S-Bahn-Halt. Doch da haben viele ein Wörtchen mitzureden.

Von Alexander Hettich

So realistisch ist ein zweiter Ittlinger Bahnhof

"Nächster Halt Ittlingen Nord." Dass dieser Spruch einmal aus den Lautsprechern einer S-Bahn dringt, ist Ittlinger Wunschmusik. Das beliebte Neubaugebiet Dieterstal liegt im Nordwesten der Gemeinde. Wer hier wohnt, hat mitunter einen Fußmarsch von rund 20 Minuten bis zur Haltestelle der S-Bahn nach Eppingen, Sinsheim oder Heidelberg zu bestreiten. Als Standort für einen weiteren Halt hat die Gemeinde ein Gelände gegenüber der Tennisplätze im Blick.

Bahn verweist an Verkehrsministerium

Jüngst hat Bürgermeister Kai Kohlenberger im Gespräch mit unserer Redaktion bekräftigt, dass die Gemeinde bestrebt ist, die Bahn näher zu den Bürgern zu bringen. "Wie realistisch das ist, kann ich nicht sagen", betonte Kohlenberger. "Wir werden auf jeden Fall das Gespräch mit der Bahn suchen." Betreiberin der S-Bahn-Strecke ist die DB Regio. Bei der Deutschen Bahn in Stuttgart heißt es auf Anfrage, man empfehle der Gemeinde, sich ans Stuttgarter Verkehrsministerium zu wenden.

"Wenn sich die Beteiligten für den Bau einer neuen Station ausgesprochen haben und die Finanzierung geklärt ist", so ein Sprecher des Unternehmens, "müsste das Verkehrsministerium auch den Fahrplan auf der Strecke entsprechend anpassen und den zusätzlichen Halt einplanen." Planung und Bau der Station können die DB übernehmen - wenn geklärt ist, wer bezahlt, wohlgemerkt. Das Ministerium sieht den Ball im Feld der Kommune. "Zunächst muss die Gemeinde entscheiden, ob sie das will", erläutert Ministeriumssprecher Edgar Neumann auf Anfrage unserer Zeitung.

Fahrgastzahlen dürften entscheidend sein

So realistisch ist ein zweiter Ittlinger Bahnhof

Vorher solle man mit dem Betreiber klären, ob ein solcher Halt überhaupt ins Betriebskonzept passe und wie viele Passagiere zu erwarten seien. "Da gibt es viele Beteiligte." Bei der Frage, ob Zuschüsse des Landes fließen, sei natürlich entscheidend, wie sinnvoll eine solche Zusteigemöglichkeit ist.

"Man kann natürlich nicht alle paar Meter einen Halt einrichten", so Neumann. Ein vergleichbarer Fall sei ihm nicht bekannt, nur einer im ungleich größeren Maßstab. Aalen auf der Ostalb bekommt neben dem Hauptbahnhof den Bahnhalt Aalen-West, unterstützt vom Land. Das habe manche Orte entlang der Remsbahn Stuttgart-Aalen veranlasst, ebenfalls Zwischenhalte zu fordern. Irgendwann aber sei der Fahrplan nicht mehr zu gewährleisten, gibt der Ministeriumssprecher zu bedenken.

Klar ist: Mit Fahrgastzahlen zu argumentieren, dürfte für Ittlingen schwierig werden. Regelmäßig fordern die Gemeinden im Elsenztal, für die S-Bahn den Halbstunden-Takt einzuführen, statt wie derzeit einmal pro Stunde einen Zug fahren zu lassen. Dafür wäre es aber nötig, ein Ausweichgleis zu bauen. Eine solche Investition geben die Fahrgastzahlen auf dem Streckenabschnitt offenbar nicht her.

 

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