So bringt Bad Rappenau Helfer und Hilfesuchende zusammen

Bad Rappenau  Wichtiger noch, als Abstand zu halten, ist im Moment eines: Solidarität. Nachbarn kaufen füreinander ein oder gehen mit dem Hund Gassi. Um diese Aktivitäten zu steuern, hat sich die Stadt Bad Rappenau entschlossen, Angebote und Nachfragen zu sammeln.

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Die Stadtverwaltung Bad Rappenau bringt Helfer und Hilfesuchende zusammen

Birgit Böhm und drei weitere Kollegen organisieren im Bad Rappenauer Rathaus die Aktion. Gemeinsam wollen sie Helfer und Hilfesuchende zusammenbringen. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

"Wir vermitteln die Menschen einander", sagt Birgit Böhm. Eigentlich ist Böhm Ansprechpartnerin für alle kulturellen Belange, organisiert Ausstellungen und andere Veranstaltungen. Doch im Moment ist nichts so, wie gewohnt. Gemeinsam mit drei anderen Kollegen aus der Stadtverwaltung nimmt Böhm Anrufe entgegen und schreibt auf, in welchen Bereichen die Personen tätig werden könnten. Über 100 Helfer haben sich bislang gemeldet. Das Angebot reicht von Einkäufen über Gassi gehen bis hin zur häuslichen Pflege. "Man findet auf jeden Fall für jeden etwas", ist sich Birgit Böhm sicher.

Situation ernst nehmen

Einige Hilfesuchende haben sich bereits gemeldet. Alle wünschen sich jemanden, der für sie einkaufen geht. Und das ist nicht nur für die Mitarbeiterin des Bad Rappenauer Hauptamtes wichtig, denn besonders ältere Menschen sind angehalten, nicht in Supermärkte zu gehen, weil bei Menschenansammlungen die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus relativ hoch ist. "Ich habe letzte Woche einen Mann getroffen, der trotzdem einkaufen wollte", so Böhm. Es sei unheimlich wichtig, die Situation ernst zu nehmen und auf die Menschen zu vertrauen, die jetzt ihre Hilfe anbieten wollen und Zeit haben.

Kontakt

Sowohl hilfesuchende und hilfsbereite Personen können sich per E-Mail unter zusammenhalt@badrappenau.de melden. Außerdem sind folgende Telefonnummern für Anfragen freigeschaltet: 07264 922-155, 07264 922-161 und 07264 922-124. Wer sich meldet, soll angeben, welche Hilfe benötigt oder welche Art von Hilfe geleistet werden kann. Die Stadt Bad Rappenau wird sich danach um die Vermittlung kümmern. Der Helfende erhält die Kontaktdaten des Hilfsbedürftigen, um Einzelheiten der Hilfe direkt zu besprechen. Beim Einkaufsservice werden nur die Einkäufe nach der Besorgung bezahlt. Empfohlen sind Einkäufe unter 50 Euro.

10.000 Flyer verteilt

Um die Bad Rappenauer über die Aktion zu informieren, haben am vergangenen Freitag zahlreiche Freiwillige 10.000 Flyer in der Kernstadt und den Teilorten verteilt. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung vergingen nur zwei Tage. "Wir haben am Mittwoch darüber gesprochen, das Thema am Donnerstag konkretisiert und Freitag die Flyer gedruckt", erzählt Birgit Böhm. Sie sei stolz auf die vielen Freiwilligen, die die Informationszettel in relativ kurzer Zeit ausgetragen haben. Allein im Kernort seien neun Personen von Haus zu Haus und durch die Wohngebiete gelaufen. Böhm sieht die Aktion als großes Zeichen der Solidarität in der Kurstadt.

 

 

Flüchtlinge bieten ebenfalls Hilfe an

Besonders freut sie auch eine Mitteilung von Flüchtlingen, die in einem Brief ihre Unterstützung angeboten haben. "Deutschland hat uns geholfen, jetzt wollen wir den Menschen helfen", heißt es darin. "Das ist ganz toll und sollte auf keinen Fall unerwähnt bleiben", sagt Böhm.

Klare Regeln für den Einkauf

Wenn die Helfer einkaufen gehen, gibt es klare Regeln. Die Waren werden in einer Tasche geliefert, die im jeweiligen Geschäft mitgenommen wird. Dann werden die Einkäufe vor der Tür abgestellt. "Das Geld sollte am besten schon vorher draußen deponiert werden", erklärt Böhm. Persönlicher Kontakt sollte dabei vermieden werden. Auch die anderen Angebote wie Gassi gehen oder Rasen mähen seien ohne direkte Begegnungen erledigt werden. Darum geht es schließlich bei der Aktion: Zu Hause bleiben und die angebotene Hilfe in Anspruch nehmen. "Wir sind für die Menschen da", sagt Böhm.

Im Moment ist die Nachfrage noch überschaubar. "Ich denke, es sind noch viele gut mit Waren eingedeckt", ist sich Birgit Böhm sicher. Allerdings gehen Vorräte irgendwann zuneige. Und dann können die Menschen die angebotene Hilfe in Anspruch nehmen. Die Verantwortlichen sind bereit.

 

 


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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