Sinsheimer wollen eigenes Kfz-Kennzeichen

Sinsheim  Für die Befürworter wäre es eine mobile Visitenkarte. Doch die Kreispolitiker sperren sich gegen die Initiative. Dennoch gibt eine Gruppe von Sinsheimern ihren Kampf nicht auf: Sie will die Wiedereinführung des alten Kraftfahrzeug-Kennzeichens SNH erreichen.

Von Peter Boxheimer

SNH-Fans geben nicht auf

Sie lassen sich einiges einfallen, um für SNH zu werben: Jens-Jochen Roth (links) und Rafael Landwehr. Foto: Peter Boxheimer

 

"Das Thema ist aktueller denn je − auch über die Kreisgrenze hinaus", sagt Jens-Jochen Roth. Der Verkehrsbetriebswirt und ein rundes Dutzend weiterer Mitstreiter bilden die Initiative "Pro SNH". Eine Online-Petition für die Reaktivierung der alten Nummernschilder des früheren Landkreises Sinsheim läuft. Aktuell liegen bereits 643 Unterschriften vor.

"Mit antiquiertem Denken hat das überhaupt nichts zu tun", betont Roth. Er sieht in den drei Buchstaben eine Vermarktungschance − gerade auch im Vorfeld der baden-württembergischen Heimattage, die 2020 in Sinsheim stattfinden. Für den 57-Jährigen steht zudem fest: "Es muss der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten."

In Öhringen kommt das ÖHR gut an

Roth verweist auf die vom Gesetzgeber erlaubte Kennzeichen-Liberalisierung. Seitdem sind Autofahrer aus Buchen wieder mit BCH auf den Straßen anzutreffen, und viele Öhringer haben sich für ÖHR entschieden. Doch der Rhein-Neckar-Kreis, zu dem Sinsheim seit 1973 gehört, will hier nicht mitmachen.

Für Landrat Stefan Dallinger ist der Wunsch aus dem Kraichgau "sehr stark nostalgisch-emotional geprägt". Seine Pressesprecherin Silke Hartmann erläutert die Haltung der Behörde in Heidelberg, dass es im Landkreis nur HD als Unterscheidungskennzeichen geben soll: "Es hat mit Identität zu tun." Durch eine Besprechung mit den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag ist Dallingers Position zementiert worden. Er wird beim Verkehrsministerium keine Wiedereinführung der SNH-Schilder beantragen.

"Ich bin da richtig unvoreingenommen", bezieht Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht in dieser Frage eine neutrale Position. Man müsse realistisch sein: Solange der Landrat nicht wolle, lasse sich der SNH-Wunsch nicht erfüllen. Zudem lebe Sinsheim massiv vom Landkreis. "Da sollte man nicht unbedingt einen Konfrontationskurs aufbauen", findet der OB.

Foto mit Dummy-Wunschkennzeichen 

Albrecht hat nicht den Eindruck, dass die Kennzeichen-Diskussion ein beherrschendes Thema ist. Im Gegenzug verweist die Initiative auf ihre Aktivitäten: aktuelle Stunde im Gemeinderat, Infostand in der Fußgängerzone, Bürgerdialog bei der CDU, Auftritte in Funk und Fernsehen. An mehr als 700 Fahrzeugen hängt inzwischen als Werbung für die Heimattage der Aufkleber SNH HT 2020. "Vom landwirtschaftlichen Fahrzeug bis zum 40-Tonner-Lastwagen", ist Jens-Jochen Roth über die Bandbreite stolz. In Kürze kommt die fünfte Auflage. Auch Schlüsselanhänger gibt es.

Auf der Internetseite snh2020.de bietet der Student Rafael Landwehr Interessenten die Möglichkeit, sich mit ihrem Auto und einem Dummy-Wunschkennzeichen an markanten Punkten ablichten zu lassen − etwa vor der Rhein-Neckar-Arena oder dem Stift. "Erfreulicherweise haben sich viele junge Leute gemeldet, die gerne mitmachen wollten", schildert der 26-Jährige. Garantiert seien dies keine Nostalgiker.

Dass aber gerade die jüngere Generation auf SNH als Wunschschild abfährt, hat eine Umfrage des Heilbronner Hochschulprofessors Ralf Borchert gezeigt. Danach sprachen sich 81,8 Prozent der 16- bis 30-jährigen Sinsheimer für die Möglichkeit aus, zum alten Kennzeichen zurückzukehren.

"Wir lassen da nicht locker", sehen sich Jens-Jochen Roth und seine Mitstreiter bestärkt. Sie streiten weiter für das rollende Heimatwappen, mit dem ihres Erachtens auch die neue Erlebnisregion Sinsheim werben könnte. Für die Ablehnung durch den Kreis gebe es "keinen belastbaren Grund."

RNK ist nicht möglich

Seit der Kreisreform 1973 fahren Autos aus dem Rhein-Neckar-Kreis mit HD-Kennzeichen herum, die auch für die Stadt Heidelberg stehen. "Natürlich wäre es toll, wenn wir RNK hätten", räumt Pressesprecherin Silke Hartmann vom Landratsamt ein. Das gehe aber nicht. Die Festlegung neuer zusätzlicher Unterscheidungskennzeichen ist laut Fahrzeug-Zulassungsverordnung seit 2012 grundsätzlich ausgeschlossen. Ein Wiederaufleben der SNH-Tafeln wäre möglich, wenn der Kreis dies will. Sie könnten auch von den Landkreisen Heilbronn und Karlsruhe vergeben werden.