Sinsheimer Klima-Arena erlebt Besucheransturm

Sinsheim  Mehrere Tausend Besucher haben den Tag der offenen Tür genutzt, um am Samstag erstmals einen Blick in die Sinsheimer Klima-Arena zu werfen. Am Montag beginnt der Regelbetrieb in der Schau, die für 90.000 Besucher im Jahr ausgelegt ist.

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Alles dreht sich um den Planeten: In der Sinsheimer Klima-Arena zeigt die multimediale Weltkugel, wie Prognosen zufolge Temperaturen und Meeresspiegel ansteigen.

Fotos: Alexander Hettich

Die kleine Sophie schaut betrübt drein. "Die arme Erde", sagt die Sechsjährige. Eben hat sie sich mit einer Art Telefonhörer einen kurzen Clip über mögliche Folgen des Klimawandels angehört. "Das ist schon sehr informativ gemacht", lobt Sophies Mutter Sigrid Grill, "den Kindern wird es nie langweilig."

Ein paar Meter weiter rotiert meterhoch eine Kugel, um die sich hier alles dreht: Planet Erde, umringt von Besuchern, die eifrig auf Bildschirme eintippen.

Multimediale Exponate für den Aha-Effekt

Auf der Weltkugel erscheinen Waldbrände, die auf allen Kontinenten wüten. Prognosen für Erwärmung und einen Anstieg des Meeresspiegels werden abgebildet. "Alles viel zu digital", schimpft eine Frau, die vom Multimedia-Ansatz sichtlich überfordert ist. Klaus Schüßler erklärt geduldig die Funktionen. "Bei den Besuchern gibt es dann schnell einen Aha-Effekt", ist der ehrenamtliche Helfer vom Sinn der Schau überzeugt.

Hinter der Klima-Arena, die vergangenen Montag im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel für geladene Gäste eröffnet wurde, steht die Klimastiftung für Bürger. Diese wiederum wurde gegründet von der Dietmar-Hopp-Stiftung des SAP-Gründers und Mäzens.

Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger

Klima-Arena erlebt Besucheransturm

Am Montag kam die Kanzlerin zur Eröffnung, am Samstag war die Ausstellung erstmals für breites Publikum erlebbar.

Die Ausstellung vollführt einen Spagat. Sie soll Kinder und Erwachsene ansprechen, aufklären, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen, und wachrütteln, ohne in Hysterie zu verfallen. "Wir wollen informieren und Diskussionen anstoßen", betont Stiftungsvorstand Alfred Ehrhard. Ob der Klimawandel nun vor allem hausgemacht oder natürlich bedingt sei, ist für ihn gar nicht entscheidend. "Selbst wenn der Mensch nur zu 20 Prozent verantwortlich ist, muss man gegen diese 20 Prozent etwas tun."

Dass die Klimadebatte die Menschen umtreibt wie kaum ein anderes Thema, zeigt auch der Andrang zum Tag der offenen Tür. Kaum zweieinhalb Stunden nach dem Start haben schon 2200 Besucher bei freiem Eintritt die Pforten passiert und sich in die Schlange vor dem Kubus eingereiht, der wie ein überdimensionaler Eisklotz aussieht.

Darin läuft ein Film, der aufzeigt, wie die Welt 2100 aussieht - wenn die Menschheit weitermacht wie bisher. Vom Amazonas-Regenwald, so die Prognose der Wissenschaftler, wird dann nicht mehr viel übrig sein.

Kooperation mit Schulen hat hohen Stellenwert

"Die Klimadebatte", ist Stiftungsvorstand Ehrhard sicher, "ist nicht nur ein Hype, der wieder versiegt." Die langfristige Bildungsarbeit ist den Initiatoren wichtig, deshalb hat die Zusammenarbeit mit Schulen großen Stellenwert.

Lehrer Georg Kirchgeßner ist mit einer Delegation des Eppinger Hartmanni-Gymnasiums zu Gast. Sie stellen das Hans-im Glück-Projekt vor, bei dem jeder Schüler überlegte, was er zum Schutz der Erde tun kann. Zur Schule radeln, statt sich kutschieren zu lassen. Weniger Müll produzieren: In der Ausstellung waren die Besucher aufgerufen, Ideen zu notieren. Lehrer Kirchgeßner ist begeistert von der Schau. "Als Lehrer muss man das aber gut vorbereiten, sonst ist der Informationsfluss überwältigend."

Zur Information gehört das 1,3 Hektar große Außengelände. Dort wird gezeigt, wie heimische Ackerfrüchte sich künftig entwickeln werden. Auf den Wegen stehen Gruppen und diskutieren. Ist es fünf nach Zwölf? Ist die Klimadebatte schon "100 Meter übers Ziel hinausgeschossen", wie ein Besucher kritisiert. Ihre Funktion als Diskussionsplattform scheint die Klima-Arena bereits zu erfüllen.

 

Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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