Sinsheim setzt auf mehr Luxus für Wohnmobil-Besucher

Sinsheim/Region  Befestige Fläche, Stromanschluss und eine Station, um Abwasser zu entsorgen und frisches zu zapfen. Wenn dann noch die Lage passt, lacht das Wohnmobilisten-Herz. Der Stadt Sinsheim reicht das aber nicht.

Von Simon Gajer
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Sinsheim Wohnmobil
Die Toiletten sind für Touristen kostenlos. Duschen kostet 30 Cent pro Minute. Foto: Gajer

Sinsheim bietet seinen mobilen Gästen noch etwas mehr, auch wenn die es manchmal gar nicht wollen. Barrierefreie Einzelduschen und Toiletten gehören seit kurzem zum Stellplatzpaket der Stadt. Der Reisende aus Frankenthal winkt ab.

Das brauche er nicht, betont der Ausflügler, der seinen Namen nicht im Netz lesen will. Ihm genügen die sanitären Anlagen, die er im Fahrzeug hat. Alles andere koste unterm Strich mehr, und man sei ja schließlich nicht auf einem Campingplatz.

Duschen kostet 30 Cent pro Minute

Die Toilette können Touristen kostenlos nutzen, beim Duschen sind pro Minute 30 Cent fällig. Eine Dreingabe, die die Dame aus Großbritannien gern bezahlt, zumal es ihre erste Reise im Wohnmobil ist.

Mit ihrem Mann ist sie in Italien gestartet. Über die Schweiz und Deutschland geht es weiter in Richtung Heimat. Den Standort Sinsheim lobt sie: Die Anlagen seien sehr sauber. „Wundervoll.“

Viele Wohnmobilisten erkundigen sich nach sanitären Anlagen

Das Freibad liegt gleich daneben. Das hat in Sinsheim den Ausschlag für die zusätzliche Infrastruktur gegeben. Das Gebäude, in dem die sanitären Anlagen für die Wohnmobilisten liegen, wird auch vom Freibad genutzt. „Es wird immer mal nach Sanitäranlagen fragt“, weiß Andreas Uhler, Geschäftsführer der verantwortlichen Stadtwerke Sinsheim. Er weiß natürlich auch von jenen, die öffentliche Einrichtungen nicht nutzen wollen.

Allerdings seien beispielsweise auch Reisende mit behinderten Familienangehörigen unterwegs. „Sie empfinden es als angenehm, dass es ein großes Bad gibt.“ Die ersten Wochen geben den Stadtwerken Recht. „Wir bekommen positive Rückmeldungen.“

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Die exakte Investitionssumme will Uhler nicht verraten, aber eine halbe Million Euro netto dürfe man schon annehmen. Ein Zuschussgeschäft soll es für die Stadt, die mit Badewelt, der Rhein-Neckar-Arena und dem Auto- und Technikmuseum punktet, nicht sein. Die schwarze Null sei das erklärte Ziel.

In Bad Rappenau steht den Touristen das Rappsodie zur Verfügung

In Bad Rappenau können Wohnmobilisten die Toiletten und Duschen nutzen, die sich im Rappsodie mit Hallen- und Freibad sowie Sauna befinden. Über sanitäre Anlagen direkt am Stellplatz hat der Bad Rappenauer Gemeinderat zwar diskutiert, doch zur Realisierung kam es nicht.

Zurzeit investiert die Stadt in eine Vergrößerung der Anlage, weil die Nachfrage groß ist. Außerdem hoffen alle, Besucher der Bundesgartenschau in Heilbronn dazu zu bringen, in Bad Rappenau zu übernachten. „Stressfrei von Grün zu Grün“, wirbt Dieter Wohlschlegel, Geschäftsführer des städtischen Touristikbetriebs.

Sanitäre Bereiche direkt beim Wohnmobil wird es weiterhin nicht geben. Wohlschlegel will erst abwarten, ob es unweit der Wohnmobilisten zur Realisierung eines Campingplatzes kommt. Dann könnten dort die Toiletten und Duschen genutzt werden.

Stadt Heilbronn will zweiten Stellplatz auf den Weg bringen

In Heilbronn gibt es beim Platz am Wertwiesenpark nur eine Grundversorgung. „Wir haben dort zurzeit keinen Service, der darüber hinausgeht“, sagt Stadtsprecher Christian Britzke. Wegen der Buga soll Wohnmobilisten eine zweite Fläche zur Verfügung gestellt werden. Die Abstimmungen laufen, auch was die Infrastruktur angeht.

Der Wohnmobiltourismus ist im Heilbronner Land wichtig, und die Touristikgemeinschaft beobachtet genau, wie sich die Ansprüche der Gäste entwickeln. Luxus zählt immer mehr. Von einer Studie berichtet TG-Mitarbeiterin Ellen Sommerfeld: Demnach nehme die Anzahl der sogenannten Megaliner mit einer Länge von zwölf bis 15 Meter und einem Gewicht von über zehn Tonnen deutlich zu. „Der Trend geht in Richtung Glamping.“ Das Wortspiel setzt sich aus Glamour und Camping zusammen.

 


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