Schnelles Internet für die Randlagen

Bad Rappenau  Einige Teile von Bad Rappenau sind vom schnellen Internet angehängt. Filme streamen? Mit Kunden zeitnah kommunizieren? Das geht in Wollenberg zum Beispiel nicht. Verwaltung und Gemeinderat wollen nun Mittel für den Netz-Ausbau beantragen.

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Schnelles Internet für die Randlagen

Wollenberg liegt idyllisch, ist durch seine Randlage aber vom schnellen Internet abgehängt.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Wollenberg ist, vielleicht mit Ausnahme des Wagenbacher Hofs, der zu Obergimpern gehört, der idyllischste Teil Bad Rappenaus. Das Dorf liegt zwischen zwei Landkreisgrenzen und ist vom schnellen Internet abgehängt. Das zu ändern sind Verwaltung und Gemeinderat angetreten.

Sie haben die Firma tktVivax mit der Ausarbeitung eines Masterplans beauftragt. In der jüngsten Sitzung am Donnerstag nun haben sie beschlossen, den Breitbandausbau anzugehen und Fördergelder beim Bund und beim Land zu beantragen.

Die Berater haben der Stadt ein 5,3 Millionen Euro schweres Paket geschnürt. Bis zu 90 Prozent davon kann sich die Stadt wieder holen. Dass dies der richtige Weg in die Zukunft ist, davon sind Oberbürgermeister Sebastian Frei und die Gemeinderäte überzeugt.

90 Prozent zahlt der Staat

Natürlich ist Wollenberg nicht der einzige weiße Fleck, den Rainer Wannenmacher und sein Team auf Rappenauer Gemarkung entdeckt haben. Das Zementwerk in Obergimpern, der Geflügelhof, Ober- und Unterbiegelhof, Lerchenberg, kleine Weiler und Aussiedlerhöfe sind ebenfalls schlecht ans weltweite Netz angebunden.

Dort, wo die großen Telekommunikationsfirmen nicht sowieso ausbauen, springen Bund und Land mit Fördermitteln ein. Bei der Stadt verbleibt ein Eigenanteil von zehn Prozent. Die Anträge müssen bis spätestens 31. Dezember 2019 gestellt werden.

Der Staat fördert so den Glasfaserausbau in unterversorgten Gebieten. Dort, wo gute Übertragungsraten vorliegen, erhalten die Gemeinden kein Geld. "Die weißen Flecken beseitigen", gab Oberbürgermeister Sebastian Frei als Ziel aus.

Rainer Wannenmacher stellte den Zeitplan vor: Rund 36 Wochen dauert es, bis die Mittel genehmigt sind. Mit Ausnahme der genannten Flecken verfüge Bad Rappenau grundsätzlich über gute Versorgungsraten, heißt sein Fazit.

Mit Unitymedia und der Telekom verfüge die Stadt über "zwei hochkarätige Netzbetreiber, die sie gut versorgen". Wannenmacher empfahl darüber hinaus, Fördermittel aus einem Programm für Schulen, Krankenhäuser und Gewerbe zu beantragen.

Netzausbau ist eine Mammutaufgabe

"Ohne diese Programme kann man eine solche Mammutaufgabe nicht stemmen", betonte der Berater gegenüber dem Gemeinderat. Bei dem geplanten Ausbau geht es um ein sogenanntes FTTB-Netz, also um Glasfaserkabel, die direkt in die Häuser verlegt werden: Dieses Netz, so Wannenmacher, könne man relativ schnell aufbauen, vorausgesetzt, man findet einen Betreiber, der es baut.

Insgesamt 214 Adresspunkte sollen davon profitieren. Fraktionssprecherin Anne Köhler (CDU) sprach sich klar dafür aus, den Netzausbau "schnellstmöglich anzugehen". "Drei Millionen Euro", sagte Bernd Bauer von der GAL, "sind kein Pappenstiel."

Er sieht solche Maßnahmen als Förderung des Lebens im ländlichen Raum an: "Wir gehen mit dem Ausbau der Infrastruktur mit." Die ÖDP hält ein schnelles Internet für eine zeitgemäße "Daseinsvorsorge". Bernd Hofman von den Freien Wählern betonte, dass die Stadt angesichts der hohen Förderquote kein Risiko eingehe: "Das ist eine nachhaltige Investition."


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