Schauspieler liefern Meisterleistung ab

Gemmingen  "Der Hexenprozess anno 1563" heißt das Stück, das eine düstere Episode der Gemminger Ortsgeschichte aufgreift und vom Theaterverein sowie Projektschauspielern jetzt in einer umjubelten Premiere gezeigt wurde.

Von Nicole Theuer

 UPDATE: "Aufgrund der anhaltenden Regenfälle musste die sonntägliche Theateraufführung abgesagt werden. Laut Mitteilung des Vorsitzenden des Fördervereins, Werner Grässle, wird die Aufführung am Sonntag, 15. September nachgeholt. Einlass in den Schlosspark ist um 13 Uhr."  

Die Uraufführung ist grandios, 36 Schauspieler und knapp 300 Besucher trotzen dem Regen und werden reichlich belohnt, alle weiteren Vorstellungen sind ausverkauft, das Publikum ist begeistert. Das sind die knappen Fakten zum bisherigen Höhepunkt des Gemminger Jubiläumsjahres. "Der Hexenprozess anno 1563" heißt das Stück, das eine düstere Episode der Gemminger Ortsgeschichte aufgreift und vom Theaterverein jetzt in einer umjubelten Aufführung in Szene gesetzt wurde.

Originalprotokolle in Karlsruhe studiert

Hexenprozess: Schauspieler liefern Meisterleistung ab

Eine großartige Leistung boten die Laiendarsteller in Gemmingen mit dem historischen Drama "Der Hexenprozess anno 1563".

Foto: Ekkehart Nupnau

Der christliche Theaterautor Ewald Landgraf und der einheimische Hobbyhistoriker Wolfgang Ehret haben das Drama zu Papier gebracht. Ehret hatte für eine Heimatchronik die Originalgerichtsprotokolle aus dem 16. Jahrhundert des damaligen Schulmeisters und Gerichtsschreibers Daniel Setzlin im Generallandesarchiv in Karlsruhe durchgearbeitet und daraus einen historischen Aufsatz gemacht. "Der Gedanke, diese unangenehme Seite der Ortsgeschichte aufzuarbeiten, beschäftigte die Mitglieder des Theatervereins Gemmingen/Stebbach schon lange", erzählte Ehret, der die Besucher in das Stück einführte. Auch der Autor Ewald Landgraf war gekommen, um die Uraufführung zu erleben.

Werner Grässle, Vorsitzender des Fördervereins Ortsjubiläum, und Klaus Weidelich, der ebenfalls dem Förderverein angehört, trugen die Idee in den Theaterverein hinein, in dem sie beide engagiert sind. Dessen Mitglieder, so Ehret, "taten sich zunächst schwer mit der Materie, hatten sie sich doch bisher der komödiantischen Muse verschrieben und sollten nun eine Tragödie spielen". Gemeinsam mit Projektschauspielern wagten die Theaterleute den Schritt ins Neuland, "denn ohne den Theaterverein wäre das Projekt nicht zu stemmen gewesen."

Der "Hexenhammer" und die fatalen Folgen

Zeitreise ins Jahr 1563: Verschwörungstheoretiker haben nach Missernten und Wetterkatastrophen Hochkonjunktur, "und an diesem Schlamassel musste ja irgendwer schuld sein". In Europa wütet die Inquisition. Schon 1486 veröffentlichte der Dominikanermönch Heinrich Kramer in Speyer den so genannten "Hexenhammer", eine Schrift, die Hexerei als Ursache allen Übels ausmacht und damit deren Verfolgung rechtfertigt. Auch Anna Schwäblin, genannt Jung Anna (gespielt von Brigitte Koch), wird der "Hexenhammer" zum Verhängnis.

Hexenprozess: Schauspieler liefern Meisterleistung ab

Anna Schwäblin (Brigitte Koch) wird von Scharfrichter Meister Veltin (Dirk Rieder) gefoltert und vom Schütz (Wolfgang Scheib) bewacht.

Foto: Franz Theuer

Die Gemmingerin liegt im Streit mit ihrer Cousine Margaretha Staiger (Tamara Riedel) - und plötzlich sieht Anna sich dem Verdacht ausgesetzt, eine Hexe zu sein. Es kommt zum Prozess vor dem Dorfschultheißen Andreas Rüb (Klaus Weidelich), in dem Margaretha und Anna jeweils Leumundszeugen aufbieten. Rüb kommen zwar Zweifel, doch letztendlich schiebt er die Verantwortung dem Hals- und Hofgericht unter dem Ortsherrn Dietrich von Gemmingen (Oliver Hoops) zu. Dessen Amtmann Erasmus (Labinot Abazi), der die Verhöre führt, lässt Anna so lange foltern, bis sie schließlich gesteht. Auf dem Scheiterhaufen wird sie verbrannt - die Schlussszene wirkt dank beeindruckender technischer Effekte beklemmend real.

Reaktionen fallen begeistert aus

Mehr als zwei Stunden haben die Schauspieler bis dahin das Publikum, das teilweise bei strömendem Regen im Schlosspark ausharrte, in ihren Bann gezogen. Langer Applaus belohnt einen phänomenalen Theaterabend.

Einig waren sich die Zuschauer, dass es ein großes Plus gewesen sei, dass die Aufführung an den Originalschauplätzen stattfand. Und eines ist sicher: Diese Theatervorstellung wird wie der Hexenprozess selbst in die Gemminger Geschichte eingehen. Genau das hatte sich Klaus Weidelich auch im Vorfeld gewünscht. "Es soll ein Jubiläum von Gemmingern für Gemminger sein - und es wird nur gelungen sein, wenn man in vielen Jahren noch sagen kann: Da war ich dabei."

 
 

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