SPD kritisiert Wasser-Deal mit Landwirt

Eppingen  Die Stadt Eppingen verkauft Wasser aus einem Brunnen an einen Landwirt, der damit seine Gemüsefelder bewässert. Die SPD im Gemeinderat kritisiert den Deal als "blauäugig" und unangebracht.

SPD kritisiert Wasser-Deal mit Landwirt

Ein Kartoffelacker in Nordrhein-Westfalen wird mit einer Beregnungsanlage bewässert: Ein Landwirt in Eppingen kauft zum selben Zweck Wasser von der Stadt.

Foto: dpa

Die Stadt hat einen Brunnen, der reichlich Wasser gibt. Ein Landwirt benötigt es, um seine Felder zu bewässern. Was liegt näher, als sich auf einen Vertrag zu einigen? So sah das die Mehrheit im Eppinger Gemeinderat. Die SPD kritisierte den Deal als "blauäugig" und unangebracht in Zeiten der Klimadebatte.

SPD: Passt nicht in Zeiten der Klimadebatte

Für Hartmut Kächele ist es "einer der politischsten Beschlüsse", den das Eppinger Gremium dieses Jahr zu treffen hatte. Er fiel nicht im Sinne des SPD-Sprechers und seiner sechs Fraktionskollegen aus, die allesamt dagegen stimmten, der Mehrheit aber unterlagen. Allenthalben werde über die Klimaerwärmung diskutiert, in vielen Regionen sei Wasser knapp. "Da passt dieser Beschluss nicht", findet Kächele.

Mit der Mehrheitsentscheidung vom vergangenen Dienstag trifft die Stadt eine Vereinbarung über eine Laufzeit von zehn Jahren mit einem örtlichen Landwirt. Dieser darf aus dem Tiefbrunnen Bräunling im gleichnamigen Gewann bis zu 80 000 Kubikmeter pro Jahr entnehmen und bezahlt dafür einen Preis, der "unter dem Trinkwasserpreis liegt", wie es heißt. Die Menge entspricht in etwa dem, was 400 Vier-Personen-Haushalte benötigen. Bewässert werden damit Zwiebeln, Kartoffeln und Möhren. Der Bauer hatte selbst erfolglos auf seinem Grund nach Wasser gebohrt.

Wasserversorger hat keine Bedenken

Der Zweckverband Oberes Elsenztal als Eppinger Trinkwasserversorger hatte keine Bedenken gegen den Deal. Niemand werde "das Wasser abgegraben", betonte der Verbandsgeschäftsführer Jürgen Fischer in der Sitzung. Wasser befinde sich in einem Kreislauf und gehe nicht verloren. Außerdem bestehe in Eppingen keine Knappheit. "Die Pegel in den Brunnen haben sich nicht wesentlich abgesenkt."

Außerdem enthält die Vereinbarung einen Passus, demzufolge die Trinkwasserversorgung immer Priorität hat. Das heißt: Wird Wasser als Lebensmittel knapp, wird dem Bauern der Hahn zugedreht. "Vorrang hat die öffentliche Wasserversorgung", unterstrich Oberbürgermeister Klaus Holaschke. SPD-Sprecher Kächele hat große Zweifel, ob das im Ernstfall nachzuweisen und durchzusetzen ist. "Ich finde, wir sind da zu blauäugig."

Stellen andere Bauern ähnliche Forderungen?

Reinhard Keller von der CDU, selbst Landwirt, befürwortete die Vereinbarung. Es ist seiner Ansicht nach auch nicht zu befürchten, dass nun zahlreiche Landwirte mit ähnlichen Forderungen bei der Stadt vorsprechen - genau das kann nach Ansicht der SPD nun folgen.

Peter Wieser von den Grünen räumte ein, das Thema sei "nicht einfach". Man habe Vorbehalte gehabt, sich aber von der Meinung der Experten überzeugen lassen. Befürworter des Deals führten auch an, es sei sinnvoller, den Anbau in der Region zu fördern, anstatt Gemüse von weither zu importieren.

 


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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