Rein in die Kartoffeln beim Eppinger Kartoffelmarkt

Eppingen  Beim Eppinger Kartoffelmarkt stand wieder zwei Tage lang die braune Knolle im Mittelpunkt. Es ist eine Mischung aus Kulinarik und Vermarktung, die die Besucher auf dem Marktplatz erwartet.

Von Stefanie Pfäffle
Rein in die Kartoffeln beim Eppinger Kartoffelmarkt

Die Kartoffel steht als Zutat im Mittelpunkt beim Kartoffelmarkt. Bei den Erzeugern kann man sie gleich direkt mit nach Hause nehmen.

Foto: Stefanie Pfäffle

Wenn es an die Beilage zur Hauptmahlzeit geht, durchzieht Deutschland eine klare Linie. Im Norden mag man Kartoffeln, im Süden eher Spätzle oder auch Knödel. Doch eine Stadt im Kraichgau feiert die tolle Knolle gänzlich unbeschwert und das einmal im Jahr. Am Wochenende stand Eppingen wieder ganz im Zeichen der Erdäpfel. Stadtmarketingverein und Wirte luden zum zweitägigen Kartoffelmarkt.

Weniger Händler und Direktvermarkter sind dabei

Es ist eine Mischung aus Kulinarik und Vermarktung, die die zahlreichen Besucher auf dem Marktplatz erwartet. Das war schon immer so, doch die Zahl der Teilnehmer ist im Laufe der Jahre rapide zurückgegangen. Kochten bei der ersten Auflage 1999 noch fünf Gastronomen, sind es heute nur noch drei: Talschenke, Villa Waldeck und Café Müller. Auch die Zahl der Direktvermarkter ist von vielen auf zwei - Schlimm und Fischer - geschrumpft, plus die Firma Wild.

"Das macht die Organisation immer schwieriger und sehr häufig funktioniert es gar nicht mehr, ohne dass die gesamte Familie und der Freundeskreis mitarbeiten", verrät Markus Lahme, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, bevor er mit OB Klaus Holaschke am frühen Samstagabend das Freibier zapft. Da heißt es oft improvisieren in beengten Verhältnissen. Doch wenigstens der Wettergott meint es gut. "Wir geben Vollgas", verspricht Uwe Müller von der Talschenke.

Viele Sorten und Gerichte stehen im Angebot

Die Tische und Bänke auf dem Marktplatz sind gut besetzt und die Besucher haben die Qual der Wahl. Es gibt 37 verschiedene Möglichkeiten, Kartoffeln zu sich zu nehmen. Das reicht vom Kartoffelpüree-Nest für die geschmorte Ochsenbacke über Kartoffelsuppe bis hin zu Kartoffel-Waffeln mit roter Grütze. "Abgesehen vom Zwiebel- und Kartoffelkuchen gibt es unsere Sachen nur beim Kartoffelmarkt", erklärt Franziska Müller vom gleichnamigen Café. Die Rezepte für Kartoffelmürbeteigfiguren oder Kartoffel-Apfel-Konfitüre haben sich über die Jahre entwickelt. Besonders beliebt sind die Marillen- und Zwetschgenknödel, die jetzt neu neben der Vanillesoße auch mit hausgemachtem Eis serviert werden.

Sie heißen Marabel, Annabelle, Lucilla oder Rohrbacher Hörnchen: Die Selbstvermarkter haben eine ganze Reihe an unterschiedlichen Sorten im Angebot, und zwar von einem Kilo bis 12,5 Kilogramm-Säcken. "Die kaufen vor allem Ältere, weil die Jungen eher keinen Keller haben, um sie zu lagern", stellt Jasmin Baur vom Kartoffelhof Fischer fest. Ideal zum Lagern ist ein alter Gewölbekeller, aber die Hauptsache ist, das der Ort kühl, dunkel und trocken ist. Ein Kühlschrank ist auch okay, nur Frost dürfen die Knollen nicht abbekommen: "Dann werden sie ungenießbar."

Gute Erfahrungen mit Annabelle

Ein 64-Jähriger deckt sich mit Rohrbacher Hörnchen ein. Die gibt es nur beim Kartoffelmarkt, denn an der Hütte laufen sie nicht. Der Kunde aber schätzt die schmalen Knollen, überhaupt solche Märkte. "Schade, dass es weniger Verkäufer geworden sind", bedauert der Kunde. Der 64-Jährige fährt extra zum Einkaufen auf den Kartoffelmarkt, nimmt noch zwei Gläser seltenen Weißtannenhonig, eine Melone und Kartoffelbrot mit. Jutta und Steffen Speer überlegen noch, welche Sorte der Knollen es nun sein soll. "Hier sieht man Sorten, die es im Supermarkt nicht gibt", stellen die Brettener fest. Trotzdem wird es wohl die Annabelle werden: "Mit der haben wir gute Erfahrungen gemacht."

So entstand die Erdäpfel-Enklave

Im Jahr 1900 wurde in Eppingen das Lagerhaus mit 108 Mitgliedern gegründet, der Vorgänger des Kraichgau Raiffeisenzentrums. 1928 wurde die erste Kartoffelsortier- und Verladeanlage aufgebaut, die den Grundstein für die vor allem im Kraichgau bekannte "Eppinger Speisekartoffel" legte. Die Anbauzahlen wuchsen enorm. Waren es 1953 noch 1559 Tonnen, so hatte sich diese Zahl ein Jahr später schon mehr als verdoppelt. In den 1970er wurde für die Städter die Tütenkartoffel eingeführt, also kleine Abpackmengen, weil schon damals die Zahl der Lagerkeller zurückging. 1999 organisierten Stadtmarketing- und Wirteverein erstmals die vierwöchigen Kartoffelwochen, deren Höhepunkt der Kartoffelmarkt war und ist.

 


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