Rathausteams finden in Corona-Krise kreative Lösungen

Kraichgau  Die Rathäuser sind geschlossen, Bürgermeister und Amtsleiter dennoch am Arbeitsplatz präsent. Um mit den Bürgen weiterhin in Kontakt zu bleiben und wichtige Anliegen bearbeiten zu können, betreten die Kommunalverwaltungen ungewöhnliche Pfade.

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Der Rappenauer OB Sebastian Frei und die Amtsleiter Wolfgang Franke und Roland Deutschmann gehen bei wichtigen Besprechungen auf Abstand.

Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Auch wenn die Rathäuser für den Publikumsverkehr geschlossen sind, die Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen abgesagt wurden und große Teile des öffentlichen Leben still stehen: Die Bürgermeister müssen ansprechbar sein.

Der Bad Rappenauer Oberbürgermeister Sebastian Frei kommt weiterhin jeden Morgen an seinen Arbeitsplatz. "Wir versuchen dem Ganzen gerecht zu werden", sagt das Stadtoberhaupt. Statt Außentermine wahrzunehmen, kümmern er und seine Mitarbeiter sich vor allem um die Kommunikation nach außen. Täglich werden neue Verordnungen erlassen. "Wir versuchen, zeitnah zu handeln", sagt er.

Rathausteams werden räumlich getrennt

Zahlreiche Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Teams, die vor Ort sind, werden räumlich möglichst getrennt. "Unsere Priorität ist, dass das Rathaus funktioniert. Das erwarten die Bürger von uns", erklärt der OB.

In Siegelsbach ist die Situation ähnlich. Auch wenn die Verwaltung dort kleiner ist als in der Nachbarstadt, "das öffentliche Leben muss am Laufen gehalten werden", sagt Bürgermeister Tobias Haucap.

Die Gemeinde habe schon früh reagiert und das Rathaus geschlossen. Jetzt laufe alles über Telefon und Mail, was gut funktioniere. Entscheidungen werden in vielen Kommunen derzeit nicht in öffentlichen Sitzungen, sondern im Umlaufverfahren getroffen - oder der Bürgermeister entscheidet selbst. Das ist aber nur in Notfällen möglich. "Wir sind weiterhin handlungsfähig." Die Mitarbeiter dürfen in Siegelsbach Überstunden abbauen.

In Eppingen gibt es eine Klappe mit besonderer Funktion

Das Rathaus in Eppingen ist wegen der Corona-Krise geschlossen, die Mitarbeiter inklusive des Oberbürgermeisters Klaus Holaschke sind aber im Dienst. "Die Mitarbeiter sind telefonisch und per Mail erreichbar", heißt es aus dem Rathaus. Man könne sogar Dokumente vorbeibringen und entgegennehmen. Dazu gibt es am Rathaus eine Dokumentenklappe.

Bürgermeister talkt per Whattsapp, am Donnerstag ist Premiere

Corona-Krise lässt Kommunalverwaltungen zu kreativen Lösungen greifen
Besucher kommen nicht mehr ins Eppinger Rathaus. Foto: Elfi Hofmann

In Kirchardt startet Bürgermeister Gerd Kreiter eine Premiere: Am Donnerstag bietet er von 15.30 bis 17.30 Uhr die erste Bürgersprechstunde per Whatsapp an. "Das war zwar schon vor der Corona-Krise geplant, passt jetzt aber gut in die Lage", so der Bürgermeister der Kraichgau-Kommune.

Der Bürgermeister von Ittlingen, Kai Kohlenberger, ist für seine Bürger auf elektronischem Wege gut erreichbar, und zwar schon immer. "Laptop, Dockingstation und Handy zählen zu meinen Handwerkszeugen", verrät das 34 Jahre alte Gemeindeoberhaupt.

Ausnahmesituation bindet die Kräfte

Die Mitarbeiter des Gemminger Rathauses hatten Mitte der Woche alle Hände voll mit der Organisation der Ausnahmesituation zu tun. Am Montag habe man alles vorbereitet, sagt Bürgermeister Timo Wolf. Am Dienstag war das Rathaus dann schon zu. Wer doch rein will, muss anrufen. Geschlossen wurden auch alle öffentlichen Gebäude, die von der Volkshochschule oder den Vereinen genutzt werden.

Singstunden sind abgesagt: "Bei den Vereinen sind wir auf großes Verständnis gestoßen", sagt Timo Wolf. Einzelhandel, Gastronomie oder Firmen hätten vor allem eines gebraucht: klare Ansagen. Not macht erfinderisch. So erhalten Jubilare in Gemmingen statt eines Besuchs des Bürgermeisters derzeit einen Gutschein für Blumen.

Gutscheine statt persönlicher Glückwünsche

Klar: Für Timo Wolf wird es wegen der ganzen Absagen abends jetzt ein wenig ruhiger und er hat mehr Zeit für die Familie. Allerdings ist das die Ruhe vor dem Sturm: Im Herbst, meint er, zieht es dann um so mehr wieder an.

Die Rathäuser sind verpflichtet, den kommunalen Betrieb aufrecht zu erhalten. Informationen, wie sie mit der Corona-Krise umgehen, finden sich auf deren Webseiten.

 

Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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