Rappenauer diskutieren über bemalte Hauswand

Bad Rappenau  Darf man sich eine überlebensgroße Christusfigur auf die Hauswand malen? In Bad Rappenau wird die bunte Wandgestaltung kontrovers diskutiert, zumal die Farbgebung Fragen aufwirft.

Von Nicole Theuer
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Die Fassadengestaltung eines Hauses in der Salinenstraße sorgt für Gesprächsstoff. Der blaue Hintergrund wirke an trüben Tagen düster und trist.

Foto: Franz Theuer

Die Wandgestaltung eines Anwesens in der Salinenstraße wird in der Kurstadt konträr diskutiert. Liz Vo, die das Gebäude mit ihrer Familie bewohnt, hat von der Actionkünstlerin Julie Böhm eine überlebensgroße Christusfigur auf die dem Kurhügel zugewandte Giebelseite malen lassen.

"Prinzipiell darf jeder mit seinem Eigentum machen, was er möchte", sagt Oberbürgermeister Sebastian Frei im Gespräch mit der Kraichgau-Stimme. Das falle unter die Bau- und Gestaltungsfreiheit. Die hat allerdings Grenzen. Anstößig zum Beispiel dürfe eine Fassade nicht gestaltet sein. "Letztendlich muss man abwägen, was man der Allgemeinheit zumuten kann."

Der Bebauungsplan legt nur fest: keine dunklen Farben

Die Vorgaben, die Julie Böhm, eine international anerkannte konzeptionelle Malerin, von ihrer Auftraggeberin bekam, waren deutlich. "Die Idee war, Jesus steht zwischen Tag und Nacht mit einladender Geste", sagt Böhm. "Das Hauptmotiv sollte Jesus sein, ein See mit Seerosen, die Spiegelung des Mondes und ein roter Ahornbaum sollten das Werk komplettieren."

Auch hinsichtlich der Farbgestaltung gab es Vorgaben: Böhm sollte freundliche Farben mit wenig Grau verwenden. Denn bei der Farbe, so Frei, hat die Gestaltungsfreiheit der Hausbesitzer Grenzen. "Im Bebauungsplan ist der Farbton für die Fassadengestaltung festgelegt, es dürfen keine dunklen Farben sein."

Für die Malerin war es eine Herausforderung

Und genau in dieser Frage scheiden sich die Geister. Denn an trüben Tagen wirkt der kobaltblaue Hintergrund düster und trist. Erst wenn die Sonne die bemalte Wand erreicht, wirkt das Gemälde, für das Julie Böhm gerade einmal drei Arbeitstage zur Verfügung hatte, hell und freundlich. "Es gab gleich mehrere Herausforderungen", erinnert sich die Malerin. Da war zum einen der Zeitdruck und zum anderen die Tatsache, dass man nicht an alle Stellen an die Wand herankommt.

Ein dritter Punkt war, dass die Malerin immer unmittelbar vor dem Gemälde auf dem Gerüst steht und es nicht so einfach aus der Ferne betrachten kann. Erschwerend sei hinzugekommen, dass die bestellten Farben zu spät geliefert wurden. Trotzdem konnte die Künstlerin die Vorgaben umsetzen. Herausgekommen ist ein Bild, in dessen Mitte ein überlebensgroßer Christus, in zarten Farben gemalt, scheinbar über einem See mit Seerosen schwebt. Das Besondere: An den Handinnenflächen hat die Jesus-Figur keine Wunden.

Die Stadt hat kein Problem mit der Wandmalerei

Die ausgefallene Gestaltung der Wand sorgte in der Kurstadt für Gesprächsstoff. Laut OB Frei gab es zwei Beschwerden, aber deutlich mehr positive Zuschriften. Deren Verfasser hätten es gut gefunden, dass die Stadt diese Art der Wandgestaltung nicht unterbindet.

Dazu sieht Frei derzeit keine Veranlassung. Weder werde man bestehende Bebauungspläne ändern, noch würden beispielsweise in den Bebauungsplan für das Gebiet "Kandel" Gestaltungsvorgaben aufgenommen. Die Hausbesitzerin stand für ein Gespräch mit der Kraichgau-Stimme leider nicht zur Verfügung.

 


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