Rappenauer Altenheim-Pfleger steckt Bewohner und Kollegin an

Bad Rappenau  Der mit dem Coronavirus infizierte Altenheim-Pfleger aus Bad Rappenau hat einen Bewohner und eine Kollegin angesteckt. Am Montagabend wurde das Pflegeheim zur Quarantänezone erklärt. Auch in der Stadt Heilbronn gibt es zwei bestätigte Corona-Fälle.

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Die "Alpenland"-Einrichtung in Bad Rappenau. Foto: Hoffmann

Ein 85-jähriger Bewohner des Bad Rappenauer Pflegeheims „Alpenland“ wurde nach Behördenangaben bereits am Freitag stationär aufgenommen. Er sei eine Kontaktperson des 32-jährigen Infizierten gewesen, dessen Fall das Sozialministerium bereits am Freitag bekannt gegeben hatte.

Eine 54-jährige Arbeitskollegin des Pflegers sei ebenfalls infiziert, heißt es weiter. Auch sie befinde sich seit Freitag in stationärer Isolation – sie wiederum hat wohl auch ihre Tochter angesteckt. Auch hier vermeldet das Ministerium: stationäre Isolation.

Pflegeheim ist ab sofort Quarantänezone

Am Montagabend erklärte die Stadtverwaltung das Pflegeheim zur Quarantänezone. Welche konkreten Folgen diese Anordnung für Altenpfleger und Senioren hat, veröffentlichte die Verwaltung schriftlich: „Die mit dem heutigen Tag getroffene Entscheidung bedeutet, dass Bewohner das Heim nicht verlassen dürfen, Besucher dürfen die Bewohner nicht aufsuchen.“ Für die Mitarbeiter des Heimes gelte eine erweiterte Quarantäneanordnung. Sie dürfen ihre Wohnung ausschließlich zu dem Zweck verlassen, ihrer Tätigkeit im Altenpflegeheim nachzugehen. „Sie dürfen also nur alleine mit dem eigene Auto auf direktem Weg anreisen und sind verpflichtet, während ihrer Tätigkeit geeignete Schutzkleidung zu tragen.“

Die Quarantäne werde zunächst für die Dauer von zwei Wochen angeordnet. Die Stadtverwaltung folge damit einer Empfehlung des Gesundheitsamtes sowie des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. Man stehe mit den Fachämtern im engen Austausch, ebenso mit der betroffenen Einrichtung selbst.

Weitere Fälle aus dem Landkreis Heilbronn wurden bekannt

Es gibt noch weitere Fälle aus dem Landkreis Heilbronn, die das Ministerium an diesem Montag vermeldet. Ein Mann ohne Symptome habe sich am 28. Februar testen lassen, das Ergebnis fiel positiv aus. Außerdem sei eine Kontaktperson des Kolbenschmidt-Mitarbeiters, der in Benningen im Kreis Ludwigsburg lebt, positiv getestet worden. Diese Person habe sich seit dem 28. Februar in häuslicher Isolation befunden, inzwischen sei die stationäre Aufnahme veranlasst worden.

32-jähriger hielt sich in Mailand auf

Nach Informationen unserer Redaktion ist der betroffene Wohnbereich im Bad Rappenauer Pflegeheim „Alpenland“ derzeit für Besucher sowie Angehörige gesperrt. Die Einrichtungsleitern gab keine Auskunft zum aktuellen Geschehen, eine Rückmeldung der Pflegeheim-Zentrale in Sonthofen steht noch aus.

SLK Lungenklinik Löwenstein
Coronavirus Erkrankte werden an der Lungenklinik Löwenstein behandelt. Foto: HSt

Der 32-jährige Pfleger war vor Beginn seiner Erkrankung von einer Reise aus Mailand zurückgekommen und hat sich anschließend aufgrund von grippeähnlichen Symptomen untersuchen lassen.

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Baden-Württemberg ist damit auf 25 angestiegen, allein im Landkreis Heilbronn sind es aktuell sieben; hier nicht mitgerechnet der Kolbenschmidt-Mitarbeiter aus Benningen im Landkreis Ludwigsburg.

Die sieben Menschen im Landkreis Heilbronn, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, befinden sich zurzeit in der Löwensteiner SLK-Klinik. Wie viele Patienten dort auf einer Isolierstation untergebracht werden können, sagt SLK-Sprecher Mathias Burkhardt nicht. Es handle sich um eine dynamische Situation. SLK habe ein standortübergreifendes Konzept erarbeitet. Auch die Kliniken Plattenwald und Gesundbrunnen in Bad Friedrichshall und Heilbronn hätten Betten für den Fall der Fälle vorbereitet.

Zum Gesundheitszustand der Erkrankten sagt SLK-Sprecher Mathias Burkhardt: "Es geht allen soweit gut." Nach aktuellen Richtlinien des Robert-Koch-Instituts können Patienten in Quarantäne frühestens nach zehn Tagen entlassen werden.

Zwei bestätigte Corona-Fälle meldet inzwischen auch die Stadt Heilbronn. Einer der Heilbronner arbeitet bei der Firma Klafs in Schwäbisch Hall. Nach Angaben einer Rathaussprecherin ist er ebenfalls in die Klinik Löwenstein eingewiesen worden. Eine zweite Person befinde sich in häuslicher Quarantäne. Der Hohenlohekreis hat bis Montagnachmittag noch keine Corona-Fälle zu verbuchen. 

Labor bearbeitet Hunderte Tests

Nehmen Hausärzte in ihrer Praxis eine Probe, werden diese an die medizinischen Labore in der Region weitergeleitet. Wem es erlaubt ist, die Tests auf das Coronavirus auszuwerten, macht es vor Ort. Andere geben die eingegangenen Proben weiter an bereits zugelassene Labore etwa in Kliniken. Das Labor Staber in Heilbronn wertet derartige Tests aus. "Es sind Hunderte und täglich werden es mehr", sagt eine Staber-Sprecherin mit Blick auf die insgesamt neun Standorte des Labors in ganz Deutschland.

Auch das SLK-Klinikum nimmt zwar Abstriche von potenziellen Patienten, leitet dieses aber nach Angaben von SLK-Sprecher Burkhardt an ein Labor in Heidelberg. Die Ergebnisse gebe es jeweils etwa 24 Stunden später. 

 

 

 

Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

Heike Kinkopf

Heike Kinkopf

Reporterin

Heike Kinkopf ist Redakteurin im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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