Raiffeisenbank und Volksbank Kraichgau fusionieren

Kraichgau  Für die Bankkunden hat die Verschmelzung kleine Auswirkungen. Für das Rathaus in Kirchardt hingegen große: Mit der Fusion wird voraussichtlich der Weg frei für den Umzug in die Ortsmitte.

Von Christine Faget
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Der Neubau (links) der Raiffeisenbank in Kirchardt wird frei. Kann hier nun das Rathaus einziehen? Im Altbau (rechts) werden weiterhin die Kunden betreut.

Foto: Christine Faget

Kunden der Raiffeisenbank Kraichgau gehören künftig zur Volksbank. Am Montag haben die Vertreter der Volksbank Kraichgau einstimmig einer Fusion der beiden Banken zugestimmt.

Die Vertreter der Raiffeisenbank hatten bereits am vergangenen Donnerstag mit rund 95 Prozent dafür votiert. Für die Kunden bringt die Verschmelzung nur kleine Veränderungen mit sich. Für das Rathaus in Kirchardt hat sie indes voraussichtlich große Auswirkungen.

Welche Auswirkungen die Fusion für die Kunden hat

Konkret bedeute dies für die Kunden der Raiffeisenbank, dass sie eine neue Iban-Nummer bekommen, erklärt der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Schön. Das hängt damit zusammen, dass in der Iban die Bankleitzahl vermerkt ist. Diese wird nun der Volksbank Kraichgau zugeordnet. Im Kraichgau betreibe die Raiffeisenbank aktuell neun Filialen. Acht davon werden in Volksbank Kraichgau umbenannt, erklärt Schön. Die Mitarbeiter bleiben. Die Mitarbeiter der Filiale in Gemmingen ziehen in die bestehende Gemminger Volksbank-Filiale mit ein. Die dadurch leerstehenden Räumlichkeiten werden wohl verkauft.

Wenn die technische Fusion der beiden Banken vollzogen ist - geplant ist diese Schön zufolge am 20. Juli - haben die Kunden Zugriff auf ihr Online-Banking-Konto über die Internetseite der Volksbank Kraichgau. Die Bankkarten funktionieren weiterhin.

Geld abheben ist an allen Automaten möglich

Dennoch bekommen die Raiffeisenbank-Kunden eine neue Karte zugeschickt. "Die Kunden können an allen Zweigstellen Geld abheben", betont Schön - also an allen jetzigen Raiffeisenbank- und Volksbank-Automaten. Hintergrund der Fusion sei auch, dass die Banken im ländlichen Raum in Zeiten der Digitalisierung langsam ausbluteten, wie Schön erklärt. Dem wolle man zuvor kommen und die Banken im ländlichen Raum erhalten.

Durch die Verschmelzung mit der Volksbank Kraichgau spare man nun Zeit und Geld, da weniger Bürokratie anfalle. Beispielsweise müsse man nur noch eine Bilanz erstellen oder einen Datenschutzbeauftragten haben. "Wir nutzen Synergieeffekte", sagt Schön. Er betont auch, dass es in den nächsten vier Jahren keine betriebs- oder fusionsbedingten Kündigungen gebe.

Rund 25 Mitarbeiter, die momentan im Backoffice der Raiffeisenbank in Kirchardt arbeiten, werden an andere Standorte der Volksbank Kraichgau verlagert, beispielsweise in die Hauptstelle nach Wiesloch oder nach Sinsheim. Dadurch wird in Kirchardt der Neubau des jetzigen Raiffeisenbank-Gebäudes frei. Die restlichen Mitarbeiter bedienen die Kunden weiterhin, im Altbau des Gebäudes.

Neue Perspektiven für das Kirchardter Rathaus

Für das Kirchardter Rathaus bieten sich damit neue Perspektiven: Das Verwaltungsgebäude in der Goethestraße ist marode und muss abgerissen werden. Ursprünglich war geplant, mit dem Rathaus in den Erweiterungsbau der Birkenbachschule umzuziehen, die saniert wird. Durch die Fusion der beiden Banken kann das Rathaus nun direkt in den frei werdenden Gebäudeteil in die Ortsmitte ziehen, sofern die mit der Raiffeisenbank fusionierte Volksbank zustimmt.

Der Umzug in das Gebäude der Raiffeisenbank ist Bürgermeister Gerd Kreiter zufolge ausdrücklicher Wille des Gemeinderats. Egal, ob das Rathaus in den Erweiterungsbau der Birkenbachschule oder in die Raiffeisenbank zieht - bei beiden Optionen könne der Umzug voraussichtlich nicht vor Ende 2021 stattfinden. Die Gemeinde müsste das Gebäude erst kaufen, dann müsste die Raiffeisenbank umbauen, erst im Anschluss könnte das künftige Rathaus modernisiert werden. In der Diskussion steht, dass in diesem Fall im Erweiterungsbau der Schule nach dem Umbau ein Bürgerzentrum und eine Kindertagesstätte Platz finden könnten.

Die Weichen für einen Umzug in einen Teil des Gebäudes der Raiffeisenbank hat der Kirchardter Gemeinderat bereits in seiner letzten Sitzung gelegt. Einstimmig haben die Räte für eine Erweiterung des Sanierungsgebiets Ortsmitte II gestimmt, das nun auch das Gelände der Raiffeisenbank umfasst. Für die Sanierung bekommt die Gemeinde 3,5 Millionen Euro vom Land. Auch der Erwerb des Bankgebäudes komme für die Förderung infrage.


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