OB-Wahl in Bad Rappenau: Auch der Neue muss aufs Geld schauen

Bad Rappenau  Bad Rappenau hat die Wahl: Am heutigen Sonntag entscheidet sich, ob Gordan Pendelic oder Sebastian Frei als OB ins Rathaus der Großen Kreisstadt einziehen. Wer es auch wird: Aus dem Vollen schöpfen kann er nicht. Eine Analyse.

Von unserer Redaktion

Auch der neue OB muss aufs Geld schauen

Bad Rappenau steht vor einem neuen Kapitel Stadtgeschichte. Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen (SPD) stellt sich kein drittes Mal mehr zur Wahl. Er selbst hatte im November 2001 den damaligen Bürgermeister Gerd Zimmermann (CDU) nach 24 Jahren überraschend gestürzt. Kurz danach, 2003, wurde Bad Rappenau Große Kreisstadt mit heute 20 554 Einwohnern. 2008 war dort die Landesgartenschau zu Gast.

Unter Blättgens Führung haben sich die Kur-Kliniken erholt. Die Stadt hat sich zu einer attraktiven Wohngemeinde entwickelt, die mit ihren Einkaufsmöglichkeiten Kunden aus umliegenden Gemeinden anzieht. Die Gewerbeflächen sind alle weg. Und so bleibt das größte Problem ungelöst: Es fehlt an dem einen großen Betrieb. Die Stadt ist mit kalkulierten Gewerbesteuereinnahmen von sechs Millionen Euro für 2018 steuerschwach.

Zwei Kandidaten stehen zur Wahl

Auch der neue OB muss aufs Geld schauen

17.080 Wahlberechtigte sind an diesem Sonntag aufgerufen, in Bad Rappenau einen neuen OB zu wählen. Mit Gordan Pendelic (46) und Sebastian Frei (36) kämpfen zwei kommunalpolitisch bislang eher unerfahrene Kandidaten um die Wählergunst. Beide sind nicht vom Fach: Pendelic ist leitender Angestellter des französischen IT-Dienstleisters Atos, Frei ist Richter.

Weiterlesen: So sah der Wahlkampf der beiden Kandidaten aus

Zwar kann der neue Oberbürgermeister auf eine funktionierende Verwaltung zurückgreifen, die in den zurückliegenden zwei Jahren zudem personell aufgestockt wurde. Doch auf den Neuen im Rathaus wartet eine Menge Arbeit. Die Finanzsituation wird sich in den kommenden Jahren verschärfen.

Stadt hängt am Tropf der Fördertöpfe

Auch der neue OB muss aufs Geld schauen

Bad Rappenau finanziert viele Infrastruktureinrichtungen. Es setzt sich aus der Kernstadt mit Zimmerhof und acht weiteren Ortsteilen zusammen, von denen Fürfeld und Bonfeld ehemals württembergisch waren, die anderen gehörten vor der Gemeindereform zum Alt-Kreis Sinsheim und intonieren bis heute das Badener Lied.

Diese Ortsteile nicht aus dem Blick zu verlieren, ihre Identität zu wahren, Kindergärten, Grundschulen, Sportstätten, Friedhöfe, Straßen dort zu er- und zu unterhalten und zugleich die Digitalisierung nicht nur im Kern, sondern auch in der Fläche voranzutreiben: Das wird zur Daueraufgabe des neuen Oberbürgermeisters. Und keine leichte dazu: Fördertöpfe egal welcher Art muss er immer im Auge behalten. Denn keine andere Große Kreisstadt im Land hängt so sehr am Tropf wie Bad Rappenau.

Kur-Kliniken haben sich positiv entwickelt

Auch der neue OB muss aufs Geld schauen

Die kommunalen Kur-Kliniken stehen dagegen besser da als vor 16 Jahren, wo deren Verschuldung den Wechsel an der Rathausspitze sicher mit befördert hat. Zwischenzeitlich erwirtschaften die Kur- und Klinikverwaltung unter Leitung von Olaf Werner jedes Jahr Gewinn. Die medizinische Qualität der fünf Häuser erzielt bei Rankings regelmäßig sehr gute Noten. Das Stimmheilzentrum unter Leitung der Mainzer Professorin Annerose Keilmann gilt als beste Einrichtung ihrer Art in Deutschland. Alles neu: Erst vor Kurzem ist die Geriatrie in einen Neubau gezogen. Am Salinenpark entsteht derzeit ein ganz neues Wohngebiet.

Mit dem Hotel-Neubau in der Salinenstraße geht zudem ein lang gehegter Wunsch der Rappenauer Tourismusexperten in Erfüllung. Bei der Einweihung 2019 darf dann der neue Oberbürgermeister das rote Band zerschneiden.

Info

Auf stimme.de berichten wir den ganzen Tag über ausführlich von der OB-Wahl in Bad Rappenau. Das Ergebnis wird am Abend gegen 19 Uhr erwartet.

 

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