Neue Ausstellung im Schnapsmuseum: Es geht ans Eingemachte

Bönnigheim  Das Schnapsmuseum zeigt in einer neuen Ausstellung jahrhundertealte Techniken, um Lebensmittel haltbar zu machen. Warum das berühmte Weck-Glas einer Abneigung gegen Alkohol entsprungen ist.

Von Alexander Hettich
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Neue Ausstellung: Es geht ans Eingemachte

Kurt Sartorius mit einer Zentrifuge im Bönnigheimer Museum. Das Gerät trennte den Rahm von der Molke, eine große Hilfe bei der Butterzubereitung.

Foto: Hettich

Lang ist der Winter, groß der Bedarf an Vitaminen und Nährstoffen: Darauf gab es lange vor Tiefkühltruhe und Südfrüchten Antworten. Das Bönnigheimer Schnapsmuseum zeigt in seiner neuen Ausstellung eine Vielzahl von Methoden. Nur die wenigsten haben mit Hochprozentigem zu tun.

In Vergessenheit geratene Techniken

"Vieles hier kenne ich noch aus eigener Anschauung", sagt Museumsleiter Kurt Sartorius, "meinen Kindern ist das völlig unbekannt." Er nimmt einen metallenen Kübel, ähnlich einer Milchkanne, vom Regal in der neuen Sonderausstellung "Sommer im Glas".

Das Gefäß diente dazu, Metzelsuppe auszutragen, früher eine beliebte Tätigkeit bei Kindern. Hatte die Familie Würste gekocht und durch Räuchern haltbar gemacht, blieb der Sud, den man mit einigen Fleischstücken an Verwandte, Nachbarn oder Honoratioren verteilte. Wenn die anderen wursteten, lief es umgekehrt. Ein ehemals gut funktionierendes Solidarsystem auf dem Lande.

Die Weltkarriere der Einmachgläser

Räuchern ist nur eine von Dutzenden Techniken, um Lebensmittel über den Winter zu retten. "Einwecken ist zum Begriff im Duden geworden", weiß Sartorius. Johann Carl Weck gründete die Firma, die mit Einmachgläsern weltberühmt wurde. Einkochen macht Gemüse oder Obst in den Gläsern steril, der Unterdruck im per Gummiband gesicherten Glas sorgt für festen Verschluss. "Das hält ewig", sagt Sartorius. Eingemachtes präsentiert die Schau in Gläsern von 1903 bis 2018. Ein Exemplar von 1940 sieht aus wie frisch eingeweckt. "Das ist bestimmt noch genießbar." Versuchen möchte man es lieber doch nicht. Später lief Wecks Patent aus, das Prinzip blieb und fand viele Nachahmer. Frauenlob oder Frauenstolz stand dann auf den Gläsern. Der Ur-Weck, erklärt Sartorius, war ein Gegner des Alkohols, was ihn in seinem Erfinderdrang antrieb.

Denn natürlich macht auch das Einlegen in hochprozentige Flüssigkeit Lebensmittel haltbar - und es macht bei übermäßigem Genuss Probleme. Die Milchsäuregärung für Sauerkraut, Buttern, Eindosen - all das zeigt die Schau anhand vieler Original-Exponate und Schrifttafeln. In einer Vitrine liegen aktuelle Lifestyle-Magazine, die das Einwecken, Einlegen oder Essiganrühren feiern.

Erfolgsgeschichte des Museums fortschreiben

"Das ist mittlerweile wieder modern", bemerkt Sartorius, der mit seinen Mitstreitern ein Jahr in die Vorbereitung der Ausstellung gesteckt hat. So schreiben die ehrenamtlich Engagierten die Erfolgsgeschichte des Schwäbischen Schnapsmuseums fort, das kürzlich sein 25-Jahr-Jubiläum feierte. Seit dem Start kamen 125.000 Besucher, 450.000 Euro wurden in das Museum gesteckt.

Die nächste Sonderausstellung ist bereits in Arbeit. Kommendes Jahr dreht sich alles um den rätselhaften Mord an Bönnigheims Bürgermeister im Jahr 1835. Doch zunächst geht es ans Eingemachte. Das Museum erwartet zur gerade angelaufenen Sonderausstellung bis Oktober wieder viele Hundert Besucher.
 

Öffnungszeiten

Das Schnapsmuseum und die Sonderausstellung "Sommer im Glas" sind bis Oktober jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 07143 22563 zu sehen.

 

 


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