Nachtumzug Eppingen: Besucherin verbrüht sich in Hexenkessel

Eppingen  2000 Hexen zogen am Samstagabend durch die Eppinger Innenstadt, vorbei an Tausenden Besuchern. Doch anders als in den Vorjahren blieb es dieses Mal nicht ganz friedlich. Eine Zuschauerin wurde schwer verletzt.

Von Nicole Theuer
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Abgesehen von kleineren Schlägereien, nach Auskunft der diensthabenden Polizeibeamten sogar innerhalb einzelner Umzugsgruppen, gab es einen schwerwiegenden Vorfall, bei dem sich eine Besucherin schwere Verbrühungen an den Beinen zuzog.

Mitglieder einer Hexenzunft, die unter einem Hexenkessel eine Feuerstelle eingerichtet hatte, hielten die Besucherin über den dampfenden Kessel. Die Beine der Besucherin seien verbrüht worden, so die Beamten gegenüber unserer Zeitung. Oberbürgermeister Klaus Holaschke hatte am Sonntag davon gehört. „So etwas darf nicht passieren“, sagte er. Der Vorfall wird diesen Montag im Rathaus aufgearbeitet.

Umzug mit 77 Gruppen

Angeführt von den Mitgliedern der Hexenzunft und den Kraichgau-Hexen zogen 77 Gruppen, darunter auch Stammgäste aus dem Elsass, am närrischen Volk vorbei. „Super, wie immer sehr farbenprächtig“, lobte Heike Wagner. „Ich komme seit vielen Jahren und bin immer wieder begeistert.“ Ursprünglich stammt sie aus Rottweil, und deshalb kennt sie die alemannische Fasnacht. „Die Fasnet gefällt mir besser als der hier bekannte Fasching mit den verkleideten Besuchern“, meinte sie. „Ich finde, Häs machen einfach mehr her.“ 

Eines fiel ihr auf: Weniger Guggenmusik sei dabei gewesen. „Irgendwie war der Umzug in diesem Jahr ruhiger als in den Vorjahren.“

An Weihnachten fühlte sich Leon erinnert, als er die Verriggde Feijaveggel aus Wiesenbach sah. Ob die lustigen Gestalten die Lichterketten vom Weihnachtsbaum an ihren Kostümen angebracht hätten, fragte der Neunjährige seine Mutter. „Die leuchten wirklich wie ein Christbaum“, erklärte er. „Das steckt sicherlich sehr viel Arbeit dahinter“, überlegte Leons Mutter Andrea Bauer. „Das ist schon bewundernswert, wie viel Zeit die Aktiven teilweise in ihre Kostüme investieren.“

Hexen sehen zum Fürchten aus

Für die Familie ist es eine Premiere. „Wir sind zum ersten Mal hier, weil Leon sich gar nichts unter Hexen vorstellen konnte, denn er kennt natürlich nur den Fasching, so wie er hier gefeiert wird.“ Deshalb sei die Familie kurzfristig aus Tiefenbronn hergekommen. Dick eingepackt wartete Leon dann gespannt auf die Hästräger. „Manche sehen schon zum Fürchten aus“, fand er. „Aber irgendwie ist das cool, da sieht man gar nicht, wer hinter der Maske steckt.“ Nur eines gefiel ihm nicht: „Es gibt ja gar keine Bonbons.“

Wegen der Guggenmusik war Michaela Baitinger aus Hasselbach angereist. „Ich finde diese Gruppen super“, bekundete sie. Angetan hatten es ihr die Morschbachdeifel aus Bad Wimpfen. „Die spielen wirklich gut, denn mir gefällt es, wenn die Musiker zwar ein bisschen schräg, aber im Großen und Ganzen doch richtig spielen.“

 


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