Nach Wolfssichtung bei Sinsheim herrscht Gelassenheit

Region  Per Wildkamera wurde in Sinsheim-Rohrbach Ende Dezemeber ein Foto eines der scheuen Tiere aufgenommen. Stimme.de hat bei Bauernverband, Umweltschützern und Verwaltung im Raum Heilbronn nachgefragt, welche Bedeutung die Aufnahme hat.

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Die Sichtung eines Wolfs in der Nähe von Sinsheim ruft im Nachbarkreis Heilbronn eher gelassene Reaktionen hervor. Ein Jäger hatte am 25. Dezember bei Sinsheim-Rohrbach per Wildkamera eines der scheuen Tiere aufgenommen und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg zugespielt. Die hat die Aufnahmen als echt bestätigt.

Die Anwesenheit einzelner Exemplare des Raubtieres im Großraum sei nicht neu, stellt der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg, Helmut Eberle, fest. Man müsse sich darauf einstellen, dass sich der Wolf im ganzen Bundesland ausbreitet. Der Bauernvertreter fordert "kleinteilige, individuelle Lösungen in Zusammenarbeit mit den Betroffenen", um einen fairen Interessenausgleich zwischen Naturschutz und Nutztierhaltung herzustellen. Nach Eberts Überzeugung sind Halter von Weidetieren wichtige Pfleger der Kulturlandschaft, die die volle Unterstützung von Politik und Gesellschaft verdienen.

Der Wolf ist wahrscheinlich auf Wanderschaft

Der BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer geht davon aus, dass es sich bei dem gesichteten Wolf um ein Tier auf Wanderschaft handelt, das möglicherweise schon wieder ganz woanders ist. "Mit durchziehenden Wölfen werden wir im Kreis Heilbronn immer wieder mal rechnen müssen." Ansiedlungen seien mittelfristig eher in dünner besiedelten Gegenden mit größeren unzerschnittenen Räumen zu erwarten - in der Region Heilbronn-Franken am ehesten im Schwäbisch-Fränkischen Wald.

Falls es dazu komme und wenn es soweit sei, müssten Weidetierhalter sorgfältig auf Herdenschutz achten, so der BUND-Mann. May-Stürmer erinnert daran, dass der Herdenschutz vom Land gefördert wird. Für von Wölfen verursachte Schafrisse gibt es einen Entschädigungsfonds, der von den Naturschutzverbänden mit gespeist und verwaltet wird.

 Wölfe durchstreifen regelmäßig die Region 

Der für den Kreis Heilbronn zuständige Artenschutzbeauftragte Michael Meny teilt die Auffassung, dass es sich bei dem Sinsheimer Wolf wahrscheinlich um ein durchstreifendes Einzelexemplar handelt. Es sei bekannt, dass Wölfe die Großregion durchstreifen. Dies zeige etwa der in Nordschwarzwald inzwischen ansässige Wolfsrüde mit der Registriernummer "Gw852", der aus einem Rudel in Niedersachsen stammt.

Meny hält daher den seit Dezember 2013 veröffentlichen "Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe" weiterhin für das geeignete Mittel. Darin ist etwa geregelt, dass in Gegenden, in denen sich noch keine Wölfe angesiedelt haben - dazu zählt bislang noch der Großraum Heilbronn - Risse entschädigt werden. Und zwar auch dann, wenn die betroffenen Nutztierhalter keine der einschlägigen Präventionsmaßnahmen ergriffen haben.

 


Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2019 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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