Mühlbacher Pflegedienst richtet mit VfL-Fußballern einen Einkaufsservice ein

Eppingen  Gemeinsam mit den Fußballern des VfL Mühlbach sollen ältere und immunschwache Menschen im Eppinger Stadtteil mit Lebensmitteln versorgt werden. Der Service ist kostenlos. Nur der Einkauf muss bezahlt werden.

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Mühlbacher Pflegedienst richtet gemeinsam mit VfL-Fußballern einen Einkaufsservice ein

Markus Böning führt gemeinsam mit seiner Familie den Pflegedienst in Mühlbach und möchte jetzt mit einem Einkaufsservice helfen. Foto: Elfi Hofmann

Es gibt Situation, in denen die Menschen enger zusammenrücken. Auch, wenn das im Moment räumlich nicht empfehlenswert ist. geht es doch auf anderen Wegen. Einen davon beschreitet jetzt der Pflegedienst im Eppinger Stadtteil Mühlbach. Der Familienbetrieb hat einen Einkaufsdienst für ältere und immunschwache Menschen, die zur Corona-Risikogruppe gehören, eingerichtet.

Profit soll nicht aus der Situation geschlagen werden

"Wir möchten das ganze System unterstützen", sagt Markus Böning. Der Plan ist denkbar einfach: Die Menschen rufen beim Pflegedienst an, geben ihre Bestellung durch und sollen noch am gleichen Tag ihren Einkauf bis an die Tür geliefert bekommen. Bezahlen müssen sie lediglich, was auf dem Kassenzettel steht. Der Dienst kostet sie nichts. "Aus solch einer Situation darf man keinen Profit schlagen."

Die Pflegedienstmitarbeiter stemmen den Service allerdings nicht alleine, sondern haben sich mit dem Torhüter des VfL Mühlbach, Simon Horn, und dessen Erster und Zweiter Mannschaft, zusammengetan. Sie waren aus eigener Initiative auf Markus Böning zugekommen. Insgesamt stehen so rund 50 Personen parat. Mitmachen könne man aber trotzdem weiterhin. "Die Lage ist im Moment zwar stabil, aber wir denken prophylaktisch", erklärt Böning.

Kontakt

Wer in Eppingen einen Einkaufsservice nutzen möchte, kann unter drei Möglichkeiten wählen. In Mühlbach kann unter 07262 6094944 der Pflegedienst kontaktiert werden. Ebenfalls im Stadtteil Mühlbach kann bei Simon Horn unter 07261 699-1522 oder per Mail an simon_horn@hotmail.de und simon.horn@vbkraichgau.de angefragt werden. Einkäufe und Auslieferungen erfolgen abends. Die Facebookgruppe Stadt Eppingen bietet ebenfalls den Service an. Mehr unter 0163 7897267.

Pflegedienst hat volle Lager

Wenn sich an der Situation etwas ändert, könne jeder Einzelne gebraucht werden, um die Menschen zu unterstützen. 60 bis 80 Prozent der Pflegedienst-Gäste seien alleine zu Hause. Falls im Supermarkt bestimmte Waren wie Milch nicht vorrätig sind, kann Markus Böning auf Bestände des Pflegedienstes zurückgreifen. Weil die Tagespflege geschlossen ist, sind die Lager voll. Vier Wochen würden die Lebensmittel ausreichen. Auch hier gilt: Profit machen die Initiatoren nicht, alles werde zum Einkaufspreis weitergegeben. "Das ist unser Puffer, wenn es doch zu Engpässen kommen sollte. Davon gehe ich aber nicht aus."

Hygieneutensilien werden knapp

Im Gegensatz zu einer gut gefüllten Vorratskammer werden Handschuhe und andere, für den Pflegedienst unabdingbare Utensilien, knapp. "Wir bekommen langsam Probleme, was den Ersatz betrifft", erzählt Böning. Dass Menschen für den privaten Gebrauch Mundschutz und Handschuhe kaufen, kann er nicht nachvollziehen, schließlich müssten vor allem ältere Personen geschützt werden. "Wir brauchen die Sachen dringend", appelliert er an die Vernunft jedes Einzelnen.

Großen Zusammenhalt spürt er aber nicht nur in Mühlbach. Auch die Arbeit mit den Krankenkassen laufe sehr gut. "Es ist eigentlich normal, dass es ab und zu Konflikte gibt", sagt Böning. Jetzt zeige sich aber, dass zwischen den einzelnen Berufszweigengroße Solidarität herrsche.

Mitarbeitern die Angst nehmen

Seinen 20 Mitarbeitern versucht Markus Böning die Angst vor den kommenden Wochen und eventueller Kurzarbeit zu nehmen. Auch wenn der Pflegedienst ein breites Betätigungsfeld habe: Wenn die Gäste nicht mehr kommen dürfen, muss auch der Betrieb heruntergefahren werden. "Ich vertraue aber Land und Ministerien, wenn es um Entschädigungszahlungen geht", sagt Böning. Denn auch nach Corona müsse es im Pflegebereich weitergehen. Dieses Thema komme leider oft erst auf den Tisch, wenn man selbst betroffen sei, so Böning.


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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