Mittagstisch: Damit keiner allein essen muss

Eppingen  Beim Mittagstisch in Eppingen sollen Menschen mit wenig Geld ein warmes Essen erhalten. Doch für die Mittagstisch-Besucher geht es um mehr. Vor allem ältere Menschen genießen es, beim Essen nicht alleine zu sein.

Von Marie-Luise Schächtele

Mittagstisch von Diakonischem Werk und Evangelischer Kirche feiert seinen fünften Geburtstag

Beim Eppinger Mittagstisch erhalten die Besucher ein günstiges Essen. Rund 15 Ehrenamtliche haben für die Gäste des Treffs im evangelischen Gemeindehaus ein offenes Ohr.

Foto: Marie-Luise Schächtele

Helferin Renate Hildebrandt reicht Dorothea Hofmann einen Teller mit Spätzle, Geschnetzeltem und Gemüse. Vor der Seniorin steht bereits eine kleine Schüssel mit Salat. Rund fünfzig Personen sitzen anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Eppinger Mittagstisch im Großen Saal des evangelischen Gemeindehauses in der Kaiserstraße an langen Tischen.

Die Idee: Menschen mit wenig Geld eine Mahlzeit ermöglichen. Es gibt keinen festen Preis. Mindestens zwei Euro sollen aber, wenn möglich bezahlt werden. Doch für die Mittagstisch-Besucher geht es um mehr. "Ich mag die Gemeinschaft", sagt Dorothea Hofmann. Sitze man beim Essen zusammen, schmecke es gleich viel besser.

Sie sei von Anfang an dabei. "Ich habe durchs Hörensagen vom Mittagstisch erfahren", erzählt Edeltraud Paulig. Auch sie ist Rentnerin. 86 Jahre ist sie alt. Seit ein paar Jahren kommt sie jeden Montag. Wegen der Gespräche, sagt sie. "Hier können wir uns unterhalten, und wir brauchen daheim nicht zu kochen." Wenn sie daheim koche, dann immer gleich für zwei Tage. Hier kann sie sich überraschen lassen.

Vor allem Rentner besuchen den Essenstreff

Sie seien eben allein, sagt Renate Stumpf. "Zu 98 Prozent" nimmt sie am Mittagstisch teil. Nur wenn ein Arzttermin anfalle, komme sie nicht. "Ich habe im Stadtanzeiger gelesen, dass es hier Essen gibt", sagt sie. Mit drei anderen Frauen sei sie gekommen. "Jetzt kommen wir noch zu zweit", sagt sie und zeigt auf ihre Nachbarin. Zwanzig Minuten braucht sie mit ihrem Rollator bis zum Gemeindehaus, aber der mühsame Weg ist es ihr wert. "Wenn ich Geburtstag habe, spende ich auch Kaffee oder Kekse", sagt sie.

Seit zweieinhalb Jahren liefert der Catering-Service "NF" das Essen. "Wir haben versucht, den organisatorischen Aufwand so niedrig wie möglich zu halten", sagt Andrea Bongers vom Diakonischen Werk im Rhein-Neckar-Kreis. Gemeinsam mit Gemeindediakon Steffen Becker ist sie für die Organisation des Mittagstischs zuständig. Der Essenstreff sei ein Selbstläufer, sagt Pfarrer Friedhelm Bokelmann. Obwohl man sich nie aktiv auf die Suche nach Spendern begeben habe, erhielten sie immer wieder Geld. Auch ehrenamtliche Helfer gebe es meistens genügend.

Die ehrenamtlichen Helfer sind ein eingeschworenes Team

In der Küche bereiten die Ehrenamtlichen Kaffee zu. Er ist ein wichtiger Bestandteil des besonderen Essenstreffs. Lutz-Michael Hildebrandt ist einer der Engagierten. "Wir sind aus Stuttgart hergezogen", sagt er. Auch dort hätten seine Frau und er bei einem Mittagstisch geholfen. "Ich habe vor fünf Jahren im Stadtanzeiger gelesen, dass Ehrenamtliche gesucht werden", sagt Brunhilde Klingenfuß. Jetzt sind die Ehrenamtlichen ein eingeschworenes Team.

Zwar werden sie in vier Schichten eingeteilt. Doch kann einer nicht, wird mit einem anderen getauscht. "Die Ehrenamtlichen sind mit Herz und Seele dabei", sagt Gemeindediakon Steffen Becker. Die rund 15 Helfer decken auch die Tische, servieren das Essen und räumen anschließend auf.

Für die evangelische Dekanin des Kirchenbezirks Kraichgau, Christiane Glöckner-Lang, zeige sich beim Mittagstisch ein Stück Kirche, wie Kirche sein solle, als "diakonische Gemeinschaft, in der einer für den anderen da ist". In solchen Projekten werde deutlich, dass gerade die diakonische Kirche wichtig sei.

Stadt spendet 500 Euro

Zum fünften Geburtstag spendet die Stadt dem Treff 500 Euro, wie Oberbürgermeister Klaus Holaschke mitteilt. "Die älteren Menschen haben ein Anrecht darauf, dass man sich für sie Zeit nimmt", sagt er. Einsamkeit im Alter sei ein großes Problem. In Eppingen habe der Mittagstisch deshalb viele Unterstützer.

 


Kommentar hinzufügen