Kurioser Prozess: Streit um die Berwanger Mauer

Heilbronn/Kirchardt  Wenn ein Nachbarschaftsstreit eskaliert: Ein Hausbesitzer in Berwangen errichtete auf seinem Grundstück eine Mauer - und schnitt auf diese Weise seiner Nachbarin die Zufahrt zu ihrem Haus ab. Warum der Mann die Mauer baute und was der Richter zu dem Streit sagt.

Von Christine Faget
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Dass die beiden Nachbarn nicht beste Freunde werden, sei klar. Aber das Verhältnis immerhin nicht in offener Feindschaft fortzusetzen, das fände der Richter schön. Zwei Sicherheitsmänner hat er einbestellt, als der Streit um die Berwanger Mauer am Donnerstag vor dem Landgericht in Heilbronn behandelt wurde.

Warum Herr K. die Mauer baute

Angefangen hat alles mit den Hunden. Herr K. hat 2017 ein Haus am Ende der Sackgasse in der Badersgasse gekauft. Das Problem: Direkt dahinter, ohne Straßenanbindung, wohnt Frau S. Jahrzehntelang sei ihre Familie über das Grundstück des Nachbarn gelaufen, sagt der Anwalt von Frau S. Über das Grundbuch ist die Durchfahrt jedoch nicht geregelt.

Auch ihre Hunde tollten durch den Hof. Die hätten Schmutz hinterlassen, sagt Herr K. Und: "Die Nachbarn haben die teilweise richtig auf mich losgehetzt." Außerdem habe er rassistische Beleidigungen über sich und seine Familie ergehen lassen müssen. "Das hat einfach nicht aufhören wollen."

Zwei Nachbarn, zwei Meinungen

Kurioser Prozess: Streit um die Berwanger Mauer

Ein Anwohner errichtete auf seinem Grundstück in der Badersgasse eine Mauer (links). Über den Wiesenweg kommt die Nachbarin nun nur noch über eine schmale Zufahrt in ihren Hof.

Fotos: Christine Faget

Also habe er sich beim Baurechtsamt erkundigt, die Nachbarin gewarnt und als gelernter Baumeister eines Tages eine Mauer gebaut. Dem widerspricht der Anwalt von Frau S. Ohne Vorwarnung sei die rote Backsteinmauer plötzlich vor dem Haus gestanden.

Nur nach hinten, in Richtung Wiesenweg, gibt es nun noch eine schmale Zufahrt zum Hof von Frau S. Zwei Fliederbüsche hätte sie umsägen müssen, dann habe ihr Mann das Auto Millimeter um Millimeter herausrangiert. Ein Traktor stehe indes eingemauert in der Scheune. Er passe nicht durch die Zufahrt.

Kommen Feuerwehr und Notarzt noch zum Haus von Frau S.?

Der Wiesenweg spielt beim Streit vor Gericht eine wichtige Rolle. Denn im Prozess geht es darum, festzustellen, ob das Notwegerecht gewährleistet ist: Kommen Feuerwehr und Notarzt noch zum Haus von Frau S.? Der Wiesenweg sei anfangs eine Schlammpiste gewesen, sagt der Anwalt von Frau S.

Mittlerweile ist er geschottert, ein Schild verkündet: "Anlieger frei." Die Durchfahrt funktioniere, sei aber ein Provisorium, so der Anwalt. Seines Erachtens ist eine mögliche Lösung des Konflikts, den Wiesenweg freizugeben. Dies müsse jedoch von der Gemeinde veranlasst werden.

Weder Postbote noch Müllabfuhr kommen zum Haus

Er kritisiert jedoch auch: Weder Postbote noch Müllabfuhr kämen zum Haus von Frau S. Der Wiesenweg sei nicht beleuchtet und werde bei Schneefall auch nicht geräumt. Frau S. könne ihrem gewohnten Alltag nicht mehr nachgehen.

Im Prozess stellt der Richter fest, dass die Mauer rund 20 Zentimeter zu hoch und sehr nah an die Grenze zwischen den zwei Grundstücken gebaut ist. "Machen Sie es so, dass Sie die Mauer runtersetzen, und vielleicht ist dann Ruhe", sagt er zu Herrn K. Das Urteil verkündet er voraussichtlich am 22. Februar.

Streit endete im Krankenhaus

Bei diesem Prozess zwischen den verstrittenen Nachbarn bleibt es wohl nicht - deshalb die zwei Sicherheitsmänner. Als K. auf Anweisung des Amtsgerichts die Mauer ein Stück zurücksetzen wollte, sei es wieder zum Streit gekommen, erzählt K.

Frau S. habe gegen die noch nicht getrockneten Backsteine getreten, diese seien eingestürzt und hätten ihn begraben. Den Krankenwagen habe er selbst gerufen, auf dem Weg ins Krankenhaus dann einen Atemstillstand erlitten.

"Ich stufe das jetzt mal als maßlose Übertreibung ein", sagt der Anwalt von S. Wer Recht hat, wird wohl ein weiterer Richter klären müssen.


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