Krebsbachtalbahn: Der Rote Flitzer ist zurück

Kraichgau  Mit Wetter-Handicap ist die Krebsbachtalbahn am Ostermontag in die Saison gestartet. Während sich der Ausflugsverkehr etabliert hat, ist die langfristige Perspektive der Nebenbahn weiter ungewiss.

Von unserem Redakteur Alexander Hettich
Email
Krebsbachtalbahn: Roter Flitzer ist zurück

Raus aus dem Zug, ran an die Ostereier und schnell ins Zelt oder zurück in die Bahn: Das ist die Devise für mehr als 130 Fahrgäste, Familien mit Kindern, die sich an diesem Mittag von Neckarbischofsheim aus auf den Weg nach Hüffenhardt gemacht haben. Bei heftigem Regen ist niemand nach langer Suche. Saphira und Noah verlieren keine Zeit.

"Gefunden", rufen die Kinder. Dutzende bunter Ostereier haben die Helfer des Fördervereins Krebsbachtalbahn mehr verteilt als versteckt. Mutter Isabel Christine Goehlke trägt das Wetter mit Fassung. "Wir sind das erste Mal mit der Bahn unterwegs", sagt die Mosbacherin. Für die Kinder sei der Schienenbus eine Attraktion.

Der Schienenveteran aus den 50er-Jahren wird an diesem Ostermontag aus Kornwestheim bei Stuttgart in den Kraichgau überführt, wo er vom 30. April an den regulären Ausflugsverkehr auf der 17 Kilometer langen Strecke bestreiten wird. Fast 70 Mitglieder des Fördervereins helfen beim Betrieb des Bahnverkehrs. "Da steckt viel Herzblut drin", sagt Lars Hanschke, der wie Klubkollege Dieter Roller früher mit dem Zug in die Schule fuhr. "Entenmörder", erinnert sich Roller - so hieß das Bähnle im Volksmund.

Wie geht es mit dem Zug weiter?

Das Geflügel ließ bei der Begegnung mit dem Schienenbus regelmäßig Federn. Wie es mit dem Zug im Krebsbachtal weitergeht? "Das ist in der Schwebe", weiß der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Vogt. "Im September wissen wir mehr."

Krebsbachtalbahn: Roter Flitzer ist zurück

Dann soll das Ergebnis eines Gutachtens vorliegen, das die Landkreise in Auftrag gegeben haben. Hat die Strecke zwischen Neckarbischofsheim Nord und Hüffenhardt das Zeug für einen regelmäßigen Personenverkehr? Ist eine Elektrifizierung eine Option? Die Expertise wird über die Zukunft der Strecke entscheiden.

Ursprünglich sollten sich Anliegergemeinden und Landkreise bis Ende 2016 erklären, ob sie aus dem bis 2018 geschlossenen Kooperationsvertrag aussteigen. Diese Frist wurde um ein Jahr verlängert. "Dann", so Vogt", kommt es zum Schwur."

Kritiker in den Anliegergemeinden

Klar ist: Wenn der Verkehr weitergeht, stehen hohe Investitionen in die Bahnübergänge bevor. Die Eigentümerin der Strecke, die Erms-Neckar-Bahn AG, hat die Planungen vorangetrieben. In den Anliegergemeinden gibt es aber auch Kritiker. Ein Antrag zum sofortigen Ausstieg aus der Bahnfinanzierung ist in Siegelsbach Ende des Jahres nur knapp gescheitert.

"Wir sind zuversichtlich", sagt Jürgen Heß vom Förderverein. Bahnerkappe auf dem Kopf, die Sicherheitsweste übergeworfen - so begleitet er den Zug auf dem Weg nach Hüffenhardt, wo erstmals das Fex-Figurentheater für die Kinder spielt. Der Auftakt in die Bahnsaison macht jedenfalls Mut. Heß hat 132 Fahrgäste gezählt, deutlich mehr, als es Sitzplätze gibt. Da bleibt für die nächste Fahrt am 30. April nur ein Wunsch: besseres Wetter.

 

Kommentar hinzufügen