Knappe Entscheidung beim Vorlesewettbewerb

Bad Rappenau  Die 15 besten Sechstklässler auf Kreisebene im Vorlesen haben sich mitreißend durch Klassiker, Lieblingsbücher und unbekannte Literatur gelesen. Aus einer hauchdünnen Entscheidung heraus gewinnt der Bad Wimpfener Schüler Bjarne-Philipp Karcher.

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Knappe Entscheidung

15 Sechstklässler nahmen am Kreisentscheid Nord in Bad Rappenau teil. Bjarne-Philipp Karcher (Mitte) aus Bad Wimpfen ist eine Runde weiter.

Foto: Elfi Hofmann

Sieger sind die 15 Teilnehmer des Vorlesewettbewerbs auf Kreisebene schon, bevor der erste Satz überhaupt vorgetragen wird. Denn die zwölf Mädchen und drei Jungs haben in ihren Schulen die besten Leistungen gezeigt. Jetzt heißt es nochmal tief durchatmen, denn für den Bezirksentscheid kann sich nur ein Sechsklässler qualifizieren.

Drei Minuten Zeit hat jeder in der ersten Runde, um eine Passage aus seinem Lieblingsbuch vorzulesen. Eigentlich viel zu kurz, denn die Geschichten werden stellenweise so mitreißend vorgelesen, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Die Ohren genau gespitzt hat die fünfköpfige Jury, die nicht nur die Lesetechnik bewertet, sondern auch Punkte für Interpretation und Textauswahl vergibt. "Das ist im Gegensatz zu vielen Casting-Shows eine sehr nette Jury", sagt Oberbürgermeister Sebastian Frei, selbst ein geübter Vorleser.

Klassiker wie "Die wilden Hühner" und "Tintenherz" von Cornelia Funke wechseln sich mit "Miles & Miles" ab. Für dieses Buch hat sich Bjarne-Philipp Karcher entschieden. Und kann bereits in der ersten Runde voll überzeugen. "Ich bin eigentlich ziemlich zufrieden mit mir", sagt der Schüler des Hohenstaufen-Gymnasiums. In der Schule habe er noch viel zu schnell gelesen und deshalb eigentlich kaum geübt. "Dann komm ich irgendwann ins Leiern. Und das hört sich auch nicht gut an", erzählt er in der Pause, auf die der zweite Teil des Wettbewerbs folgt.

Viele knifflige Formulierungen meistern

Jetzt müssen die Teilnehmer aus einem ihnen unbekannten Buch lesen. Und das hat es in sich, denn in "Gregor und die graue Prophezeiung" von Suzanne Collins sind viele knifflige Formulierungen versteckt. "Toll, wenn Kinderbücher auch Erwachsenen gefallen", sagt Moderatorin und Bücherei-Mitarbeiterin Ira Betz und spricht aus eigener Erfahrung, schließlich hat sie den Roman selbst schon gelesen.

Wettbewerb

Rund 7000 Schüler der sechsten Klassen beteiligen sich an den regionalen Entscheiden des 61. Vorlesewettbewerbs. Jedes Jahr nehmen circa 600.000 Kinder teil. Veranstalter ist die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Förderer ist das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Regionalwettbewerbe werden von Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen oder anderen kulturellen Einrichtungen organisiert. 

Zwei Minuten wird jetzt vorgelesen, mit Bleistift markieren die Jungs und Mädchen, wie weit sie gekommen sind. Und an dieser Stelle liest der nächste dann weiter. Auch diesen Teil bewältigt Bjarne-Philipp Karcher überzeugend und steht nach einer kurzen Besprechung der Jury als Sieger des Kreisentscheids fest.

"Es war eine hauchdünne Entscheidung", sagt Ira Betz. "Die Jury hatte mehrere Favoriten. Verdient hättet ihr es alle." Enttäuschte Gesichter sucht man nach der Preisverleihung dann auch vergeblich. "Sie hat unsere Erwartungen voll erfüllt", sagt Sofia über ihre Freundin Mascha, die sich für den Klassiker "Tintenherz" und damit ihr Lieblingsbuch entschieden hat. "Ich habe die Stelle ganz oft gelesen. Aber ich lese allgemein ziemlich viel", sagt sie.

Der Gewinner mag Bücher - und Fußball

Und der Gewinner? "Eigentlich wünscht er sich immer Bücher zum Geburtstag und zu Weihnachten", sagt die Mutter von Bjarne-Philipp. Was der abstreitet: "Ab und zu möchte ich auch mal ein Fußballtrikot", erklärt er überzeugt. Denn neben Lesen spielt er verschiedene Instrumente und natürlich Fußball.

Als Sieger des Kreisentscheids tritt er Ende April zum Bezirksentscheid in Stuttgart an. Und wenn es dann ähnlich gut läuft wie jetzt im Bad Rappenauer Wasserschloss, kann er vielleicht Ende Juni am Finale teilnehmen, das wie immer in Berlin stattfindet.

Bis dahin heißt es aber weiter üben, üben, üben. Ob sich Bjarne-Philipps Schwester als Testobjekt zur Verfügung stellt, bezweifelt der Bad Wimpfener allerdings: "Die ist in der dritten Klasse und liest lieber selbst."


Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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