Kein Mauerfall in Berwangen

Kirchardt  Das Amtsgericht Heilbronn hat heute den Antrag auf Durchfahrtsrecht einer Klägerin abgelehnt. Hintergrund ist ein Nachbarschaftsstreit in dem Kirchardter Ortsteil.

Von Stefanie Pfäffle

Kein Mauerfall in Berwangen

Nicht überall ist es so friedlich wie in der Berwanger Ortsmitte.

Foto: Pfäffle

 

Die Urteilsverkündung heute Morgen war kurz und schmerzlos: "Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung wird abgelehnt", erklärte die zuständige Richterin. Anwesend in Saal 35 des Amtsgerichte Heilbronn waren nur zwei Berwangerinnen, die nach der Berichterstattung über den kuriosen Fall neugierig sind. "Wir kennen ja das Grundstück."

Eine Mauer steht im Weg

Es geht um eine Mauer, die der Besitzer des vorderen Grundstücks gebaut hat, um die Nachbarn dahinter an der Durchfahrt zu deren Haus zu hindern.Diese hatten nun behauptet, damit kämen sie überhaupt nicht mehr zu ihrem Grundstück. Doch das ist schlicht falsch, so die Richterin.

Seit den 1980er Jahren hatte es so funktioniert: Das Haus am Ende einer Sackgasse wurde über das Grundstück des anderen angefahren. Doch vor einem halben Jahr zog vorne eine neue Familie ein - und man war sich wohl von Anfang an nicht grün. Bis es dem neuen Nachbarn eben zu bunt wurde und er eine Mauer baute. Ein Gewohnheitsrecht gebe es hier nicht, betont die Richterin, denn mit den neuen Nachbarn gebe es eben noch keine Gewohnheit. Auch das Argument des Notwegs lässt sie nicht gelten. "Es ist ja kein eingeschlossenes Grundstück."

Wiesenweg führt zum hinteren Haus

Denn der Wiesenweg führt direkt zum Haus der Antragstellerin. Der ist zwar nicht asphaltiert, wird aber genutzt, wie die Spurrillen belegen. "Sie hatte auch verschwiegen, dass der Weg zwar für die Durchfahrt gesperrt ist, für Anlieger aber frei", erklärt die Richterin auf Nachfrage.

Der Wiesenweg wiederum führe zu öffentlichen Straßen. Feuerwehr oder Notarzt dürften den sowieso benutzen. Die Kosten für das Eilverfahren muss nun die Antragstellerin tragen. Ob der Streit damit ein Ende hat, wagt die Richterin aber zu bezweifeln. "Ich fürchte, das geht noch vor das Landgericht."