In Eppingen fährt nun auch ein Bürgerbus

Bad Rappenau/Eppingen  Bürgerbus in zwei Großen Kreisstädten: In Eppingen startet Probebetrieb am Weihnachtsmarktssamstag. Die Ehrenamtlichen in Bad Rappenau zählen schon 3000 Fahrgäste, ihnen sind aber zurzeit die Hände gebunden.

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Ehrenamtliche steuern mit einem Kleinbus durch die Stadt: Das ist das ursprüngliche Konzept hinter Bürgerbussen, die in der Region weit verbreitet sind. In Eppingen hat der Bürgerbus am Samstag erstmals seine Runden gedreht, Monate früher als gedacht. Es ist die erste Große Kreisstadt, in der Freiwillige mit Unterstützung der Stadt unterwegs sind. Ähnliches strebt ein Verein viel länger für Bad Rappenau an - doch dort fehlt die Hilfe durch den Gemeinderat. Nur dank des städtischen Kurbetriebs ist der Bus unterwegs - ausschließlich samstags.

Der erste Fahrer freut sich, dass es so schnell klappt

In Eppingen hat niemand damit gerechnet, dass es noch dieses Jahr mit dem Bürgerbus losgeht. Weil die Ehrenamtlichen einen gebrauchten Bus fanden, ihn die Stadt für gut 10 000 Euro kaufte, beginnt die Testphase am Weihnachtsmarktsamstag. Wolfgang Rau ist der erste Ehrenamtliche, der die Haltepunkte in der Kernstadt ansteuert. "Ich find es klasse, dass es schneller geklappt hat." Alle seien davon ausgegangen, dass es im Oktober 2020 beginnt - wenn nach monatelanger Wartezeit der neue Kleinbus geliefert wird.

Bei der Premiere steigt aber niemand zu

Bei der Premierenrunde steigt in den Wohngebieten niemand zu, dafür sitzt Carla Reicherter mit im Bus - sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Bürgerbusvereins. "Hier war ich ewig nicht mehr", sagt sie, als der Bus durch ein Wohngebiet fährt, das abseits des Zentrums liegt. Sie lässt sich von der Resonanz auf die erste Fahrt nicht entmutigen. Sicher ist sie, dass der Bürgerbus ein Erfolg wird. Kürzlich warb sie für ihn in einer Turngruppe. "Das stieß auf große Resonanz." Ein paar Minuten später biegt das Fahrzeug in eine Straße ein, in der Carla Reicherter einige Bewohner kennt. Auch hier dürfte das Angebot gut angenommen werden, viele ältere Eppinger hier hätten keinen Führerschein mehr.

Der Oberbürgermeister blickt schon zu den Stadtteilen

Erst einmal ist der Bürgerbus nur an den Adventssamstagen unterwegs, wenn alle Genehmigungen vorliegen, geht es wohl im März mit dem regulären Fahrbetrieb los. Oberbürgermeister Klaus Holaschke freut sich, dass es schon 28 Fahrer gibt. Sollten sich Ehrenamtliche auch in den Stadtteilen finden, könnte der Bürgerbus dorthin ausgedehnt werden. "Jetzt bedienen wir erst mal Eppingen und schauen, wie wir klarkommen."

So läuft es in Bad Rappenau

Anders ist die Situation in Bad Rappenau. "Seit Beginn der ersten Fahrdienste in 2017 hat der Bürgerbus inzwischen über 3000 Fahrgäste befördert", berichtet Klaus Ries-Müller, der für die ÖDP im Gemeinderat sitzt und Vorsitzender des Bürgerbusvereins ist. Seit dem Stadtfest 2018 fährt der Bürgerbus regelmäßig samstags 15 Haltestellen in der Kernstadt und im Teilort Zimmerhof an. Pro Fahrtag seien es 30 bis 40 Fahrgäste.

Überwiegend Kurgäste, die samstags keine Anwendungen haben, stiegen zu. Könnte der Bus auch unter der Woche fahren, sähe das anders aus, ist der Verantwortliche überzeugt. Klaus Ries-Müller betont: "Die Einheimischen wollen vor allem unter der Woche zum Arzt und zum Einkaufen." Dem Verein seien aber die Hände gebunden: Der Bus der Kurbetriebe stehe nur samstags zur Verfügung, vom Gemeinderat fehlt die Unterstützung, und aus eigener Kraft könne die Gruppe den Bus nicht finanzieren.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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