Im Kloster Maulbronn kommt man dem Paradies ganz nah

Kraichgau  Die Sommerserie der Kraichgau Stimme heißt "Ausflugsziele" und führt dieses Mal ins Kloster Maulbronn. Dort kann man viel Zeit verbringen und direkt ins Mittelalter eintauchen.

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Hier kommt man dem Paradies ganz nah

"Kommen. Staunen. Genießen", ist der Slogan der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, zu denen auch das Kloster Maulbronn gehört. Ein Genuss ist allein schon die Fahrt dorthin.

Hinter Eppingen biegen Autofahrer von der B 293 ab Richtung Sternenfels. Man kommt vorbei an baum- und weinreichen Hügeln und durchquert grüne Täler. "Wenn ich in meinen Laden fahre, fahre ich jedes Mal in den Urlaub", sagt Gabriele Bickel, die auf dem Klostergelände in Maulbronn einen Kräuter- und Teeladen betreibt.

"Wenn man hier reinkommt, fällt der Stress von einem ab", ergänzt ihre Mitarbeiterin Ines Dürr.

Und genau so ist es: Die am besten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen lädt zum Abtauchen ein. Und zwar im wahrsten Wortsinn. Wer seine Badesachen mitnimmt, kann im nahe gelegenen Tiefensee baden gehen. Das Naturfreibad diente den Mönchen einst als Stausee.

Eine Oase für Städter

Hier kommt man dem Paradies ganz nah

Maulbronn ist ein Ort zum Bleiben. Das Zisterzienserkloster wurde ab 1147 im Übergang von der Spätromanik zur frühen Gotik gebaut. 1993 wurde die Anlage in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.

Unter Herzog Christoph von Württemberg wurde das Kloster Maulbronn im 16. Jahrhundert protestantisch. Seit 1556 gibt es dort eine Klosterschule, die sich als evangelisch-theologisches Seminar bis heute als Haus des Wissens versteht. Das Rathaus und der Polizeiposten von Maulbronn befinden sich innerhalb der Mauern. Mittwochs ist Wochenmarkt.

Der Ort lockt mit Museen, Läden, Tagungsräumen und Restaurants sowie einer stattlichen Zahl an Veranstaltungen. "2018 hatten wir hier 240 000 Touristen aus aller Welt", erzählt Christian Katschmanowski, der kommissarische Leiter der Klosterverwaltung. Audioguides gibt es in allen möglichen Sprachen.

Enge Beziehung zu Frankreich

Hier kommt man dem Paradies ganz nah

Die Zisterzienser kamen aus dem Elsass, bis heute pflegt Maulbronn eine besondere Beziehung zu unseren Nachbarn. Die Staatlichen Schlösser und Gärten haben die Deutsch-Französische Freundschaft zum Motto des Themenjahrs 2019 gemacht. "Wir bieten Sonderführungen zu den französischen Einflüssen hier an", sagt Christian Katschmanowski.

Der Klosterlerlebnistag am Sonntag, 13. Oktober, widmet sich natürlich auch den "Ziemlich besten Freunden". Er beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. Im Klosterhof soll eine Boule-Bahn aufgebaut werden. Eine Band aus der Bretagne ist gebucht.

"Wir haben hier viele Veranstaltungen laufen", erzählt Katschmanowski. Manche, wie der Weihnachtsmarkt, würden aber von der Stadt organisiert. Die Kräuterhexe Bickel kümmert sich um den Kräuter- und Erntemarkt, der am 7. und 8. September stattfindet.

Tatsächlich fühle er sich bei den Führungen am wohlsten, sagt der Kunsthistoriker Katschmanowski, "wo man den Besuchern das Kloster ganz direkt vermitteln kann." Täglich um 11.15 und um 15 Uhr werden zwei angeboten. Erwachsene bezahlen 11 Euro. Der Eintritt in die Kirche kostet ohne Führung acht Euro. Wer die drei Euro spart, muss halt mehr lesen.

Lehrreiches und Unterhaltendes

Hier kommt man dem Paradies ganz nah

Melanie Keicher ist eine der Fremdenführerinnen in Maulbronn: Mit ihr kommen die Besucher in der Kirche dem Paradies ganz nah. Paradies heißt die Vorhalle, die einst mit Bildnissen vom Sündenfall ausgemalt war. Wenige Zeichnungen sind noch erhalten.

Doch Melanie Keicher erzählt so lebendig, dass man die Mönche vor sich sieht: wie sie frühmorgens aus dem Dormitorium in den Chor schlurften, wo sie sich bei Gebeten krampfhaft versuchten wach zu halten. Oder wie sie im Raum über der Heizstube Höllenqualen erlitten, weil der Boden mit der Zeit heiß geworden war und den Mönchen die Fußsohlen glühten. Das Leben in einem Zisterzienserkloster war nichts für sensible Gemüter. Doch heute ist Maulbronn ein Rückzugsort. Eine Oase für gestresste Städter. Und auf jeden Fall ein tolles Ausflugsziel.

 
 

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