Hundekot in Plastik verpacken? Von der Suche nach einer Alternative

Region  Bisher hatten die Eppinger Hundekottüten eine rote Aufschrift. Damit sind sie besser in der Natur erkennbar, sollten sie wild entsorgt werden. Nun sind sie wieder schwarz, dafür aber recyclebar - zumindest in der Theorie.

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Niemand hat gerne Hundekot im Garten oder auf dem Gehweg liegen. Doch das Verpacken von Kot in Plastiktüten ist auf Dauer auch keine sinnvolle Lösung.

Foto: dpa

Eppingen gibt jedes Jahr 100.000 Hundekottüten heraus. Das würde reichen, um die Strecke von Eppingen bis Weinsberg mit den Beuteln auszulegen. Auch in anderen Städten im Landkreis sieht dies nicht anders aus. So kommt einiges an Plastikmüll zusammen. Deshalb hat sich Eppingen, nach einer Anfrage durch die Jugendkonferenz, dazu entschieden, auf Tüten aus Recyclingmaterial umzusteigen.

Eppingen: Der Versuch einer Alternative

An 93 Stationen können die Besitzer der 1200 gemeldeten Hunde in Eppingen Hundekottüten bekommen. Die neuen Tüten, für die sich die Stadt entschieden hat, sind nun mit 9,80 Euro pro 1000 Stück 80 Cent teurer als die alten, dafür jedoch aus in der EU produzierter recycelter Altfolie, die zumindest in der Theorie auch noch weiter recyclebar wäre. Das Problem: Gefüllte Hundetüten gehören weder in den Bio- noch in den Recyclingmüll, sondern ausschließlich in den Restmüll.

Die Stadt hatte zunächst auch andere Alternativen überdacht, doch Hundekotbeutel aus abbaubarem biologischem Material würden nicht nur fast 17 Euro pro 1000 Stück kosten, auch funktioniere der Abbau der Bio-Beutel nicht wirklich und es bestehe zudem die Gefahr, dass Hundehalter dazu verleitet werden, die Bio-Tüten wild zu entsorgen.

Besser sichtbar oder lieber recyclebar?

Die bisher genutzten Tüten in Eppingen waren mit einer roten Aufschrift verziert. Dies sollte Wildmüllablagerungen verhindern, denn sie waren besser sichtbar in der Natur. Die neuen recyclebaren Beutel sind nun wieder komplett schwarz. "Damit wird die Wildentsorgung natürlich nicht besser", räumt Günter Brenner von der Stadt Eppingen ein. Für die Beseitigung der wild entsorgten Beutel ist in Eppingen, genau wie für die Befüllung der Dogstations, der städtische Bauhof verantwortlich.

Heilbronn: Die Technik ist noch nicht weit genug

Selbst umweltbewusste Hundehalter, die auf Plastik verzichten und mit Karton oder Papieralternativen arbeiten, müssen den Kot in den Restmüll geben, denn der Kot darf weder in der Biotonne noch auf dem heimischen Kompost entsorgt werden. Auch in Heilbronn, wo derzeit 3600 Hunde gemeldet sind, wurden im Jahr 2018 weit über eine Million Hundebeutel aus Plastik ausgegeben. Die Stadt kostete das fast 7000 Euro.

Genau wie Eppingen hat auch Heilbronn bereits in Erwägung gezogen, auf biologisch abbaubare Tüten umzusteigen, doch auch dort vertritt man die Meinung, dass die Tüten nicht komplett abbaubar seien. "Sollte die technische Entwicklung fortschreiten, wird der Bezug dieser Tüten - auch unter Kostenaspekten - erneut thematisiert", so Claudia Küpper von der Pressestelle Heilbronn.

Von der Sinnhaftigkeit Kot in Plastik zu verpacken und der Suche nach einer Alternative
Wie Öhringen setzt auch Bad Rappenau auf Dogstations. Foto: Archiv/Peter Hohl

Bad Rappenau: Erster Versuch bereits vor 30 Jahren

Ähnliches gilt auch für Bad Rappenau, wo mit der Ausgabe von 200.000 Beuteln pro Jahr immerhin Kosten von 1500 Euro entstehen. An insgesamt 62 Dogstations können Hundebesitzer die Tüten entnehmen und die befüllten Beutel wieder entsorgen. Die Stadt hatte bereits vor 30 Jahren versuchsweise einen Automaten mit Tüten und Schäufelchen aus Karton im Schlosspark aufgestellt. Für den Preis von 20 Pfennig pro Set. "Aufgrund des Materials war es wenig praktikabel und somit fehlte auch die Akzeptanz", so Verena Gold von der Stadtverwaltung Bad Rappenau.

Sollten sich Hundehalter jedoch gegen die Nutzung der Kottüten entscheiden, kann das teuer werden: In Eppingen und Bad Rappenau kostet das Wildkoten den Besitzer 50 Euro, in Heilbronn seit Mai diesen Jahres sogar 70 Euro Bußgeld. Noch gibt es also für die Städte im Kreis keine praktikable, bezahlbare und umweltfreundliche Alternative zu den Plastiktüten.

Umweltfreundlichere Alternativen

Denken wir an Verpackungen aus "Biomaterial" gibt es zwei Alternativen: Eine davon sind biobasierte Kunststoffe. Eine exakte Definition was biobasiert ist gibt es noch nicht. So sind manche Erzeugnisse auch nur teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Die Erzeugnisse müssen dabei nicht unbedingt auch biologisch abbaubar sein. Zu den nicht abbaubaren zählen etwa Kunststoffe die mit Naturfasern verstärkt wurden. Das Bundesumweltamt beurteilt die Ökobilanz der biobasierten Stoffe nicht wesentlich besser als die der auf Erdöl basierenden Kunststoffe.

Eine andere Alternative sind biologisch abbaubare Kunststoffe. Diese sind meist aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt. Neben Zellulose und Zucker ist vor allem Stärke ein Bestandteil, also Mais, Weizen oder Kartoffeln. Abbaubare Kunststoffe sind meist wesentlich teurer und somit oftmals unwirtschaftlich. Zudem ist das Umweltbundesamt der Meinung, dass die komplette Abbaubarkeit der Kunststoffe nicht wissenschaftlich bewiesen sei. Auch sind sie nicht für die private Kompostierung geeignet, denn der komplette Abbau der Kunststoffe erfolgt meist erst bei Temperaturen von über 60 Grad.

 


Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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