Heiße Eisen bei den Hospizwochen

Bad Rappenau  Sterbende begleiten, Helfende ermutigen, Angehörige trösten: Das ist das Motto des Kirchlich-Ambulanten Hospizdienstes Kraichgau bei den Hospizwochen in Bad Rappenau.

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Heiße Eisen bei den Hospizwochen

Hospizarbeit ist immer verbunden mit Zeit, die man dem Sterbenden schenkt. Welche Rolle Körperkontakt dabei spielt, das beschreibt Nadine Mihm im März.

Foto: dpa

Gefragt nach dem spannendsten Vortrag, sagt Initiatorin Gisela Jungels: "Ich finde ja immer alles spannend." Zum ersten Mal gebe es aber eine Lesung. Einzelne Referentinnen sind neu. Mit dem Thema "Streit am Sterbebett" fasst Martina Görke-Sauer dieses Mal ein ganz heißes Eisen an.

Martina Görke-Sauer hat ihre Fans. Die Theologin und Autorin ist seit Jahren bei den Hospizwochen dabei. In diesem Jahr hat sie sich ein Thema vorgenommen, das in den besten Familien vorkommt.

Es sei schon ein eigenartiges Phänomen, sinniert sie, das ganze Familien in Streit "um das Erbe, die anstehenden Aufgaben, das Räumen und Aufräumen der Wohnung und in der Biographie" gerieten. Am Montag, 30. März, bietet sie eine Auseinandersetzung mit dem Thema an.

Würde bis zuletzt

Auch Martin Klump ist ein gern gesehener Redner in Bad Rappenau. "Wer bestimmt uns im Leben und im Sterben?" ist eine Frage, die er am Montag, 9. März, stellt. Der Prälat in Rente ist Mitbegründer der Organisation "Hospiz Stuttgart" und Leiter verschiedener Trauergruppen.

Neu im Kreis der Referenten ist Dorothea Mihm, Krankenschwester, Heilpraktikerin und Autorin. "Würde bis zuletzt" heißt ihr Thema am Montag, 23. März. Mihm beschäftigt sich mit Sterbenden in Phasen des Wachkomas: "Dieses Wachkoma kann unter Umständen mehrere Tage oder gar Wochen dauern." Sterbebegleiter kämen an ihre Grenzen. Dabei sei gerade der Körperkontakt, etwa über das Halten der Hände, wichtig, damit sich Wachkoma-Patienten wieder in ihrem abgespaltenen Körper spüren könnten.

Die Lesung mit der Pfarrerin und Kurseelsorgerin Karin Lackus am Montag, 2. März, trägt den Titel "Mir geht es gut. Ich sterbe gerade". Lackus erzählt an diesem Abend fiktive Geschichten, in die ihre Erfahrungen mit Schwerstkranken und Sterbenden eingeflossen sind.

Gottesdienst und Vortragsorte

Lesung und Vorträge finden immer ab 19.30 Uhr im Martin-Luther-Gemeindehaus in Bad Rappenau statt. Der Eröffnungsgottesdienst am Mittwoch, 19. Februar, ist ab 19.30 Uhr in der katholischen Herz-Jesu-Kirche.

Geschichten voller Leben

"Es sind Geschichten voller Tragik und Tiefe, aber auch voller Freude und leichtigkeit - eben voller Leben", wird ihr Buch beschrieben. Dennoch werde in jeder Geschichte deutlich, dass die Zeit des Sterbens eine kostbare Zeit sei.

"Trauer und Traumata sind gute Bekannte" ist eine These, der sich die Psychologin Nadine Haas am Montag, 16. März, annimmt. Bei ihr geht es um Bewusstsein und Verständnis für natürliche Reaktionen in Zusammenhang mit Trauer und Trauma. Informationen zu allen Veranstaltungen der diesjährigen Hospizwochen gibt es unter hospizdienst@dw-rn.de oder 07262 5041.


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer arbeitet seit 1993 bei der Heilbronner Stimme, über ein Jahrzehnt lang war sie Teil der Kraichgau Stimme in unserer Außenredaktion in Eppingen. Neben der lokalen Berichterstattung hat sie in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Literaturkritiken geschrieben. Sie gehört den Thementeams „Kultur“ und „Migration und Kirche“ an.

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