Grundschullehrer produziert Youtube-Videos für seine Schüler

Kirchardt  Johannes Lazarus hält über Youtube-Videos den Kontakt zu seinen Schülern. Der Lehrer der Kirchardter Birkenbachschule produziert für seine Drittklässler professionelle Motivationsclips.

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Im Rockstar-Outfit singt Johannes Lazarus zur Gitarre.

Foto: privat

"Jetzt weiß jeder, dass wir uns morgens mit "Ahoi miteinander" begrüßen", hört man Johannes Lazarus durch die Telefonleitung förmlich grinsen. Wer den Kapitän, äh, Lehrer der Kirchardter "Piratenklasse" live sehen möchte, braucht nur eins seiner Youtube-Videos anzuklicken: Während der letzten drei Wochen hat er täglich einen Film für seine 23 Drittklässler, pardon, Matrosinnen und Matrosen, produziert. Wie kam er darauf?

 

"Jetzt werden ja viele Lehrer sehr kreativ. Und ich konnte durch die sogenannten Corona-Ferien meine Hobbys, Musik und Videodreh, und meinen Beruf miteinander verbinden", freut sich Lazarus. Schon als Teenager spielte der 30-Jährige in Bands und lernte in der Video-AG seiner Schule, Filme zu produzieren.

Die Corona-Zeit setzt Kreativität frei

Diese Erfahrung kommt ihm heute zugute. Seine etwas drei- bis sechsminütigen Clips sind professionell. Vor der Tafel mit Datumslabel schmettert Lazarus sein "Ahoi" in die virtuelle Runde und bleibt am Ende mit dem aufmunterndem Abschiedsgruß "Immer schön an Bord bleiben" im Piratenbootbild. Dazwischen erklärt er Deutsch- und Mathe-Aufgaben, singt zur Gitarre, schickt die Kinder auch mal an die frische Luft.

Der Aufbau ist immer gleich, die Filme wirken aufwendig produziert. Dabei reiche als technische Voraussetzung heute wohl auch ein Handy, mutmaßt Lazarus, der für die Aufnahmen allerdings eine Kamera nutzt: "Man braucht ein Videoschnittprogramm und optional noch ein Mikrofon", ergänzt er und gesteht: "Ich bin aber auch sehr perfektionistisch."

Mit Stoffplänen die Tage strukturieren

Mit den Filmen möchte Lazarus mit seinen Schülern in Kontakt bleiben und ihnen helfen, die schulfreien Tage und die Bewältigung des Stoffes zu strukturieren. "Die Kinder haben Lernpläne über drei Wochen bekommen. Die Videos sollen die Stoffpläne unterstützen und die Kinder motivieren", sagt der Lehrer.

Dafür braucht man "ein mobiles Endgerät oder einen PC zu Hause und Internetzugang", sagt Lazarus. "Ich gehe davon aus, dass das in der heutigen Zeit alle besitzen oder zumindest die Möglichkeit haben, sich das woanders anzuschauen."

Man müsse auch kein Google-Konto haben oder Youtube-Mitglied sein: "Die Eltern haben von mir einen Link zu dem Kanal bekommen, mit dem Hinweis, dass dort täglich um 8 Uhr ein neues Video hochgeladen wird", erklärt der Lehrer seine Überlegungen. "Ich habe das öffentlich gemacht, damit jeder die Chance hat, darauf zuzugreifen."

Das Netz birgt Gefahren - Eltern sollten die Kinder begleiten

Gleichzeitig sieht er die Gefahren des Netzes. Grundschüler auf Youtube zu verweisen, findet er an sich "schwierig, weil man will die Kinder ja auch schützen". Anderseits ist das Thema Medienerziehung angesagt. "Ich habe die Eltern gebeten, die Kinder nicht alleine Youtube öffnen zu lassen", sagt er, damit die Acht- bis Neunjährigen nicht mal neugierig ein anderes Video anklicken, welches nicht für sie geeignet ist.

 


Susanne Schwarzbürger

Susanne Schwarzbürger

Autorin

Susanne Schwarzbürger ist seit 2000 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Im Team Kinder & Jugend sowie Familie kümmert sie sich um die entsprechenden Themen und Projekte. Gelegentlich hilft sie im Kulturressort aus. 

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