Gemminger Büttel: Hinter dem Tresen ist bald Vergangenheit

Marianne Bayer und Erwin Armbruster werden am Sonntag zum letzten Mal die Gaststätte Zum Büttel öffnen.

Von Nicole Theuer

Hinter dem Tresen ist bald Vergangenheit

Marianne Bayer und Erwin Armbruster üben schon mal vor dem Rentnerstammtisch für den bevorstehenden Ruhestand.

Foto: Nicole Theuer

Wenn Marianne Bayer und Erwin Armbruster am Sonntag zum letzten Mal die Eingangstür ihrer Gaststätte Zum Büttel zuschließen, geht eine Ära zu Ende. Nach 36 Jahren sagt das Paar "Goodbye", bald beginnt für Marianne Bayer und Erwin Armbruster der Ruhestand. Seit 36 Jahren steht Armbruster hinter dem Tresen, seit 32 Jahren ist Marianne Bayer an seiner Seite.

"Natürlich ist jetzt ein bisschen Wehmut dabei"

"Allerdings haben wir erst in den vergangenen fünf Jahren zusammengearbeitet", erzählt die quirlige Wirtin. "Davor hatten wir 27 Jahre zwei Gaststätten." Bayer betrieb unter anderem zehn Jahre das Sportheim des SV Gemmingen und sieben Jahre das Züchterheim. Vor fünf Jahren entschied sich die 61-Jährige, die Selbstständigkeit aufzugeben und ihrem Lebensgefährten auch beruflich zur Seite zu stehen. Wie Marianne Bayer ist auch Erwin Armbruster Gastgeber aus Leidenschaft. "Natürlich ist jetzt ein bisschen Wehmut dabei", gibt der 62-Jährige zu, "alles aufzugeben, ist nicht so einfach." Ein Zurück gibt es nicht: Das Gebäude ist verkauft, der neue Eigentümer wird den Gastraum und das Nebenzimmer im Obergeschoss umbauen.

Ausmisten, verpacken, renovieren und neu einrichten

"Wir bleiben aber in Gemmingen wohnen", sagt Armbruster. Jetzt muss ausgeräumt und alles in Kisten verpackt, die Wohnung renoviert und eingerichtet werden. Um nicht mit zu viel Ballast in die Rente starten zu müssen, werden sämtliche Utensilien, angefangen von den Dekoartikeln für die verschiedenen Jahreszeiten bis hin zu den Deckenlampen, bei einem Hausflohmarkt verkauft. "Wir hatten beispielsweise für jeden Anlass die passende Deko", erzählt Armbruster. "Vor Jahren hatten wir eine Art Schneebar, und dafür haben wir Glühweintassen gekauft." Die warten, sicher verpackt, nun ebenso auf einen neuen Besitzer wie die Weihnachts- und Herbstdeko. "Wir hatten in den 36 Jahren viele Aktionswochen und dazu passende Accessoires", erinnert sich der Wirt. Es gab bayrische und Pfälzer Wochen, ein Weindorf und ein Giggerlesfest sowie italienische Wochen", zählt Armbruster nur einige der vielen Aktionen auf. "Manche waren ein so großer Erfolg, dass wir sie wieder gemacht haben, bei anderen war die Resonanz eher verhalten." Im Großen und Ganzen hätten die Gäste die speziellen Angebote angenommen und die Chance genutzt, mal zehn Tage lang etwas Neues auszuprobieren.

Froh und dankbar über all die treuen Stammgäste

Wenn das Paar auf die lange Zeit in der Gastronomie zurückblickt, zeigt es sich froh und dankbar, "dass wir quasi vom ersten Tag an Stammgäste hatten, die uns über all die Jahre die Treue gehalten haben". Denn für sie war es selbstverständlich, auf die Wünsche der Gäste einzugehen. "Ich kann mir Namen und Gesichter nur schwer merken", gibt Armbruster zu, "aber die Eigenheiten und Vorlieben meiner Gäste konnte ich mir von der ersten Bestellung an behalten." Das war für ihn eine Selbstverständlichkeit, denn die Gäste sollten sich bei ihnen wohlfühlen.

Für den anstehenden Ruhestand haben sie sich nun ein Wohlfühlprogramm für sich selbst vorgenommen. Schwimmen, Wandern und Sportstudio gehören dazu − und mehr Zeit für die Familie zu haben.


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