Express im Stundentakt nach Karlsruhe

Region  Der Kraichgau-Sprinter hat ab Dezember 2022 ausgedient. Dann werden Eisenbahnzüge im Stundentakt die beiden Hauptbahnhöfe Heilbronn und Karlsruhe verbinden.

Von Peter Boxheimer
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Direkter Draht zum Fahrer: Ascan Egerer mit dem Fahrgastnotruf in den neuen Stadtbahnwagen. Foto: AVG

Muss die Stadtbahn weichen, wenn das neue Zeitalter im Schienenverkehr kommt? Ascan Egerer, Technischer Geschäftsführer der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, beruhigt: „Vom Linienkonzept her bleibt die Anbindung erhalten.“ Es gehe nur um die Zahl der Züge pro Stunde, die durch die Innenstädte geführt würden. Mindestens zwei sollen es Richtung Karlsruhe sein, drei Richtung Heilbronn.

Stündliche Eisenbahnzüge auf der Kraichgaulinie: Egerer spricht aus Fahrgastsicht von „einer erfolgreichen Entwicklung, dass auf die Strecke wieder höherwertige Verkehre draufkommen sollen“. Er erinnert daran, dass die Ost-West-Verbindung vor dem Beginn des Stadtbahn-Zeitalters von der Stilllegung bedroht war.

Grenzen der Stadtbahn

Ziel des Landes ist, schnelleren Verkehr zwischen Heilbronn und Karlsruhe auf die Schiene zu bringen. Hier sind der Stadtbahn Grenzen gesetzt: Ihre Züge können nur mit maximal 100 Stundenkilometern fahren, das Haltestellennetz ist dichter als bei der Eisenbahn.

Wer die neue Expressverbindung bekommen wird, ist offen. Voraussichtlich im Oktober soll das Paket für die Ausschreibung fertig sein. „Wir nehmen daran nicht teil“, stellt Egerer klar. Die AVG will sich im angestammten Verkehrsgebiet auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und das Karlsruher Modell absichern – und damit auch den Stadtbahnverkehr nach Heilbronn. Dessen Direktvergabe durch die kommunalen Gebietskörperschaften an die AVG ist weiterhin möglich, weil es derzeit auf dem Markt keinen anderen Anbieter gibt, der den Zwei-System-Betrieb managen kann: Regionalzug auf dem Land, Straßenbahn in der City.

Einzelheiten der Expressverbindung müssen noch geklärt werden. Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg spricht davon, dass die neue Linie alle Gemeinden entlang der Strecke bedienen wird. Die Haltepunkte lehnen sich an die bisherigen Eilzugstationen an. Die Fahrzeit von Bretten zum Karlsruher Hauptbahnhof soll sich zum Beispiel um 15 Minuten verringern. 

Express im Stundentakt ab 2022

Expressverbindung im neuen Landesdesign: Solche Züge sollen ab Dezember 2022 zwischen Heilbronn und Karlsruhe fahren. Foto: Landratsamt Karlsruhe

Deutlich angenehmere Züge

Höhere Kapazitäten, besserer Fahrkomfort, Toiletten, mehr Platz für Kinderwagen, Rollstühle, Gepäck oder Fahrräder: Die neuen Züge sollen Eisenbahnfahrten ab dem Fahrplanwechsel Ende 2022 deutlich angenehmer machen.

Fester Bestandteil des Gesamtpakets ist ein zweites Gleis zwischen Schwaigern und Schluchtern. „Das wurde als Bedingung formuliert, damit das Konzept gefahren werden kann“, schildert der Technische Geschäftsführer. Bis in fünf Jahren soll der Ausbau bewerkstelligt sein.

Unterdessen modernisiert die AVG ihre Fahrzeugflotte weiter. Bei Bombardier wurden zwölf Stadtbahnwagen des neuen Typs ET 2010 nachbestellt. Sie sollen zwischen November und April 2018 ausgeliefert und im gesamten Netz eingesetzt werden – auch auf der S 4. Dort sind noch viele der alten Hochflurfahrzeuge unterwegs. Egerer: „Das sind die ersten, die wir rausnehmen werden.“

In den neuen Stadtbahnwagen wurden schwer entflammbare Sitze, Brandmeldeanlage und Fahrgastnotruf installiert – Voraussetzung dafür, dass die Züge durch den Karlsruher Tunnel fahren können.

 


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