Eine Richener Autorin auf dem Weg zu ihren Wurzeln

Eppingen  Es soll eine Reise in die Vergangenheit werden, um die Menschen in der Gegenwart zu verstehen. Die Richenerin Katharina Martin-Virolainen will sich mit einem Reiseprojekt bei der Robert-Bosch-Stiftung bewerben.

Von Tanja Ochs
Eine Autorin auf dem Weg zu den eigenen Wurzeln

Autorin Katharina Martin-Virolainen hat mit einer Geschichte für die Kinder der Eppinger Richard-Wagner-Straße den dritten Preis eines Schreibwett- bewerbs gewonnen.

Foto: Tanja Ochs

Mit der Aktion "Grenzgänger" unterstützt die Robert-Bosch-Stiftung seit 15 Jahren internationale Recherche-Aufenthalte von Autoren.

Die Idee zu einem Buch treibt die zweifache Mutter seit mehr als einem Jahr um. Im Juni ist die erste Reise geplant. Katharina Martin-Virolainen will ihre Wurzeln finden und "mit Lebensgeschichten ein Zeichen setzen". Eines für Menschlichkeit: "Es ist egal, wo du herkommst", sagt die 31-Jährige. Nicht die Nationalität bestimme über den Charakter: "Wichtig ist der Mensch."

Verzweigte Wurzeln

Ihre eigenen Wurzeln sind weit verzweigt: Der Vater aus Kasachstan, die Mutter Finnin, Vorfahren aus Leningrad, Schlesien und Preußen, eine Großmutter ist in der Ukraine aufgewachsen, Katharina Martin-Virolainen selbst in Karelien. Von der russischen Republik kam sie vor 20 Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Seit 1998 lebt sie in Eppingen, zunächst in einem Haus in der Richard-Wagner-Straße.

Den Kindern dort hat die Autorin ihre Geschichte "Und wenn die ersten Schneeflocken auf unser Land fallen" gewidmet, mit der sie bei einem Schreibwettbewerb des Bonner Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen den dritten Preis gewonnen hat. "Es war eine so schöne Zeit dort", erinnert sich Katharina Martin-Virolainen. Obwohl den Russlanddeutschen in jener Zeit viel Hass entgegenschlug, habe sie sich in der Gemeinschaft geborgen gefühlt. Ähnlich ergeht es einem Mädchen in der fiktiven Siedlung Birkenhain, das am Ende eine "Brücke in die neue Heimat schlägt".

Liebe zur Literatur

Die Liebe zur Literatur hat Katharina Martin-Virolainen von ihren Eltern geerbt, regelmäßig publiziert sie in Zeitschriften oder beim bundesweit aktiven Literaturkreis "Deutsche aus Russland". In Eppingen hat sie außerdem vor acht Jahren die Deutsch-Russisch-Ukrainische-Gesellschaft (DRUG) mitgegründet. Sie gibt Kindern und Jugendlichen Tanzunterricht, engagiert sich für verschiedene Projekte und arbeitet leidenschaftlich gerne im Eppinger Jugendzentrum.

Jetzt will die Richenerin nach allen "Fäden" suchen, die zu ihrer Persons führen. Als sie vor kurzem zum ersten Mal die Ukraine besuchte, habe sie gleich eine tiefe Verbundenheit gespürt, sagt sie. Es sei schön, zu so vielen Ländern zu gehören: "Ich bin froh, dass ich so facettenreich sein darf." Um diese Facetten besser zu verstehen, will sie innerhalb eines Jahres Menschen verschiedener Nationalitäten treffen. Die Autorin will erfahren, wie diese leben, wie präsent die Vergangenenheit für sie ist, und wo die Zukunft sie hinführt.

Ein Puzzle zusammenfügen

"Seit zehn Jahren arbeite ich meine Familiengeschichte auf", erzählt Katharina Martin-Virolainen. Doch ihre Reisen, die sie bis nach Sibirien führen werden, sollen weit mehr als den eigenen Stammbaum nachzeichnen. Sie will "ein Puzzle zusammenfügen" und damit auch anderen die Augen öffnen. "Es geht zuerst um die Menschen", ist sich die Eppingerin sicher, "nicht um die Trennung nach Nationalitäten."

Im März will sie ihre Unterlagen bei der Stiftung einreichen. Sollte es im ersten Anlauf nicht klappen, wird sie es im Oktober erneut versuchen. In die Heimat ihrer Vorfahren aber will Katharina Martin-Virolainen auf jeden Fall fahren, "auch aus eigenen Mitteln".

 


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