Eine Hochzeitstorte aus Tropfstein

Buchen  Wer im Kraichgau wohnt, kann in kurzer Zeit interessante Ausflügsziele erreichen, die außerhalb unserer Verbreitungsgebiets liegen. Dieses Mal geht es in die Tropfsteinhöhle nach Buchen-Eberstadt (Odenwald).

Eine Hochzeitstorte aus Tropfstein

Eine steile Treppe führt hinab in die Welt bizarrer Steinformationen.

Zufälle gibt es nicht. Dieses Sprichwort gilt wohl auch für die Eberstadter Tropfsteinhöhle. Im Dezember 1971 legten Sprengungen eines Muschelkalksteinbruchs ein weit verzweigtes Höhlensystem frei, das nur zwei Jahre später für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Seitdem können Besucher rund 600 Meter tief in den Berg vordringen und eine Ahnung davon bekommen, wie die Natur in mehreren Millionen Jahren ihren Lauf genommen hat. Auf seinen Kopf sollte man gut aufpassen, denn die Decken sind an einigen Stellen sehr niedrig.

Hier gelten goldene Höhlenregeln

"Nichts anfassen, nichts abbrechen und keinen Müll hinterlassen." Diese goldenen Höhlenregeln gelten auch in der Eberstadter Tropfsteinhöhle. Was selbstverständlich sein sollte, sei es eben in der Vergangenheit oft nicht gewesen, betont einer der Höhlenführer, Rudi Müller. Alleine darf man das Gängegeflecht nicht betreten. Zu jeder vollen Stunde wird eine Führung angeboten.

Weil in so eine Höhle kein natürliches Licht dringt, wird das Innere mit geschickt platzierten Lampen ausgeleuchtet. Die geben den Wänden, Stalagmiten und Stalaktiten nicht nur einen dramatischen Charakter, sondern regen auch die Fantasie an. "Große Familie", "Hochzeitstorte" oder "Nikolaus" - die über Millionen Jahre gewachsenen Tropfsteine haben dank ihrer außergewöhnlichen Formen eigene Namen. Einen Geist gibt es auch.

Die "Weiße Frau" steht in mehreren Metern Höhe und war der Sage nach eine reiche Eberstadterin, die beim Versuch, Diebe aus ihrem Obstgarten zu vertreiben, tot zusammengebrochen ist. Weil sie aber auch im Tod keine Ruhe fand und durch Eberstadt spukte, lauerten ihr einige mutige Männer auf und verjagten sie. "Als dann die Höhle freigelegt wurde, tauchte sie hier wieder auf", erklärt Rudi Müller und deutet mit seiner Taschenlampe auf einen Steinvorsprung. Hoch oben kann man ein weißes Gebilde erkennen, das an einen Menschen erinnert.

Kampf gegen den Moosbefall

Eine Hochzeitstorte aus Tropfstein

Stimmungsvoll: Mit geschickt platzierten Lampen werden die Tropfsteingebilde in der Eberstadter Höhle ausgeleuchtet.

Fotos: Elfi Hofmann

So erkennt man zwar die Formen. Doch die Lampen fördern auch das Wachstum von Moos und anderen Pflanzen, die nicht sonderlich anspruchsvoll sind. Durch die Umstellung auf LED hofft man, die Lampenflora eindämmen zu können. Einen Zentimeter wachsen die Steine jedes Jahrhundert.

Manche türmen sich meterhoch auf, andere sind noch sehr klein. Maccaroni werden sie in diesem Zustand genannt, "weil sie innen hohl sind", erklärt Rudi Müller. Höhepunkt der Führung ist die sogenannte "Hochzeitstorte", die mehrere Meter hoch ist und durch ihre Form an einen großen Kuchen erinnert.

Damit auch jeder Besucher begreift, worum es sich dabei handelt, läuft im Hintergrund vom Band der Hochzeitsmarsch von Felix Mendelssohn Bartholdy. Zwei weitere Höhlen sind zwar wissenschaftlich erschlossen, allerdings nicht für den Publikumsverkehr geöffnet. Einen Einblick, wie es dort aussieht, erhalten die Besucher am Ende der Tour.

Öffnungszeiten

Die Tropfsteinhöhle ist von März bis Ende Oktober täglich von 10 bis 16 Uhr, von November bis Februar an Samstagen, Sonntagen und an Feiertagen von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen fünf Euro, Kinder vier Euro. Näheres unter www.tropfsteinhoehle.eu.

 

Elfi Hofmann

Elfi Hofmann

Autorin

Als Redakteurin kümmert sich Elfi Hofmann seit April 2019 um Bad Rappenau, Siegelsbach, Massenbachhausen und Zaberfeld. 

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