Doc Morris: Gemeinde hatte mit Aus gerechnet

Hüffenhardt  Hüffenhardt steht nach dem Aus der umstrittenen Doc-Morris-Filiale wieder ohne Medikamentenausgabe da. Der Bürgermeister erwartet eine bessere Lösung als die derzeitige Rezeptsammelstelle.

Von Simon Gajer
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Die Doc-Morris-Filiale in Hüffenhardt ist am Mittwoch geöffnet - und am Freitag schon wieder geschlossen. Foto: Gajer

Kaum geöffnet ist die Videoberatung des niederländischen Versandhändlers Doc Morris in Hüffenhardt wieder geschlossen. Das für Apotheken zuständige Regierungspräsidium in Karlsruhe hat den Betrieb untersagt. Zurück bleibt ein Dorf, in dem Patienten wieder keine Medikamente vor Ort erhalten. So war es bereits in den vergangenen zwei Jahren, nachdem der letzte Apotheker in den Ruhestand gegangen war. Kein Pharmazeut war seither bereit, die gemeindeeigenen Räume zu übernehmen. Erst Doc Morris sagte zu.

„Die Enttäuschung ist schon da“, sagt Bürgermeister Walter Neff in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Sicher: In den vergangenen Monaten hatte sich abgezeichnet, dass Doc Morris mit seinem Angebot ein sehr umstrittenes Neuland betreten will. Die Videoberatung würde auf seiner sehr wackligen Rechtsgrundlage stehen.

Zurück zur Rezeptsammelstelle

Das habe man auch im Gemeinderat gewusst. „Wir hatten schon befürchtet, dass es wieder geschlossen wird“, sagt Neff. Und doch hatte sich Doc Morris dazu entschlossen, einen sechsstelligen Betrag zu setzen. Das machte Hüffenhardt Mut: Wer so eine Investition tätig, wisse schon, worauf er sich einlässt.

Arzneimittel
An Medikamente kommen die Hüffenhardter wie nur per Sammelstelle. Eine Apotheke gibt es im Ort nicht. Foto: dpa

Um wohnortnah an Medikamente zu kommen, können Hüffenhardter nun wieder nur ihre Rezepte in einen Briefkasten werfen. Der wird von Apothekern geleert, die die Medikamente nach Hause liefern. Gerade mit dem Internet, sagt Walter Neff, müsse mehr möglich sein als eine Rezeptsammelstelle. „Es wird noch etwas Zeit brauchen.“ Der Bürgermeister selbst hatte keine Möglichkeit gehabt, in den zwei Tagen die Videoberatung zu nutzen. „Ich habe aber mitbekommen, was machbar ist.“

Mehr Glück hatte Bürgermeister-Stellvertreter Heiko Hagner. Er holte sich bei Doc Morris ein Medikament. „Es hat sehr gut funktioniert“, berichtet er. Auch er ist enttäuscht, dass Doc Morris zu ist. „Es ist eine Versorgungslücke.“

Automatenabgabe verwischt Grenze

Das Regierungspräsidium Karlsruhe stützt seine Entscheidung darauf, dass der Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimitteln strengen Anforderungen des Gesetzgebers unterworfen ist. „Die Abgabe in Hüffenhardt erfolgt nicht in einer Apotheke und ist auch nicht von der Versandhandelserlaubnis des in den Niederlanden ansässigen Unternehmens umfasst“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Automatenabgabe verwische in unzulässiger Weise die Grenze zwischen dem Versandhandel und der Abgabe von Arzneimitteln in einer Präsenzapotheke.

„Mit dieser Entscheidung wird die von den Hüffenhardtern seit langem gewünschte Arzneimittelversorgung vor Ort untersagt“, sagt Doc-Morris-Vorstandsmitglied Olaf Heinrich. „Wir werden nun die Begründung abwarten und uns weitere Schritte vorbehalten.“ Seiner Ansicht nach wäre es absurd, dass alternative und digitale Versorgungskonzepte zum Vorteil der Patienten, wie die Landesregierung sie selbst im Koalitionsvertrag für den ländlichen Raum fordert, verhindert werden. „Wir glauben weiterhin, dass man in Deutschland digitale Projekte zum Wohle aller umsetzen kann.“

Das Doc Morris rechtliche Schritte prüft, hört Bürgermeister Walter Neff gern. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

 

 


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