Die Synagoge Heinsheim wird zum Kulturzentrum

Bad Rappenau  Der Umbau der ehemaligen Synagoge Heinsheim zu einem Kulturzentrum geht 2019 auf die Zielgerade. Veranstaltungen finden daher in Räumen der Stadt Bad Rappenau oder der Kirchengemeinden statt. Erstmals findet dort ein Trialog der drei Schriftreligionen statt.

Von Ulrike Plapp-Schirmer
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Bernd Göller zeigt nach oben: Die einstige Synagoge erhält ihre gewölbte Decke zurück. Die Toilette im Eck, die ein Handwerker einst eingebaut hat, kommt weg.

Der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Heinsheim lädt 2019 erstmals zum Trialog der drei großen Schriftreligionen ein. "Wie wir voneinander lernen können" ist der Titel der Reihe, die im ersten Halbjahr um zwei musikalische Abende ergänzt wird. Doch die Veranstaltungen finden nicht in dem einstigen Gotteshaus statt. Das wird saniert, ein Nutzgebäude wird nebenan gebaut. 2020 soll das künftige Kulturzentrum im Bad Rappenauer Ortsteil Heinsheim eingeweiht werden.

Bereicherung für alle Seiten

Der Weg bis dahin ist noch steinig: Mit Yvonne von Racknitz und dem Heinsheimer Fritz Abel, deren Lebensziel es war, die ehemalige Synagoge vor dem Verfall zu retten, habe der Freundeskreis innerhalb kurzer Zeit seine beiden Motoren verloren, sagt Schriftführer Bernd Göller. Nun liegt es an den Mitgliedern, das Werk zu vollenden.

Der Zahn der Zeit hat an dem unscheinbaren Gebäude aus dem Jahr 1796 genagt. An den Wänden zeugt Ruß von der Werkstatt, die dort untergebracht war. 2013 hat der Freundeskreis das Gebäude gekauft. Erst langsam kommen die Spuren der jüdischen Gemeinde zum Vorschein, die dort bis 8. November 1937 aktiv war. Irgendwer hat die Zahl "9" an die Wand gepinselt. Bernd Göller vermutet, dass dort Bänke standen und jedes Gemeindemitglied seinen festen Platz hatte.

Interreligiöser Dialog entsteht

Der Platz vor der Heinsheimer Synagoge ist zwischenzeitlich eingeschottert. 2019 wird das einstige jüdische Gotteshaus innen renoviert, 2020 wird es als Kulturhaus eingeweiht.

Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer

Der Blick geht in die Zukunft

Das Alte sichtbar machen, aber die ganze Geschichte des Hauses erzählen, das ist ein Ziel der Innenrenovierung. Rund 100.000 Euro an Fördermitteln aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum müssen bis 31. Dezember 2019 abgerufen werden, sonst verfallen sie.

"Der Druck tut gut", sagt Bernd Göller, auch wenn dem Verein derzeit noch Eigenmitteln fehlen: "Aber das war immer so." Man sei auf private Gönner angewiesen, und die habe es immer gegeben.

Neue Vorstandswahl steht an 

Zwei große Aufgaben liegen in den kommenden Monaten vor dem Synagogenverein. Bei der Mitgliederversammlung am 19. März muss eine neue Vorstandsspitze gewählt werden. Mehrere Namen sind im Gespräch.

Yvonne von Racknitz wäre bereit gewesen, erneut für den Vorsitz zu kandidieren. Ihr Tod ist ein schwerer Schlag: "Sie und Fritz fehlen an allen Ecken und Enden, da müssen wir uns nichts vormachen", sagt Bernd Göller. Doch nun fühlen sich die Aktiven auch den beiden verpflichtet. In ihrem Tun wollen sie nicht nachlassen.

Auf weitere Spender angewiesen

Unterstützt wird der Freundeskreis ehemalige Synagoge Heinsheim von der Stadt und den Bad Rappenauer Kirchengemeinden, in deren Räumen die Veranstaltungen der kommenden Monate stattfinden. Göller spricht von einer Bereicherung für beide Seiten.

Der Trialog, der am Donnerstag, 28. Februar, um 19 Uhr im katholischen Gemeindehaus in Heinsheim beginnt, wird außerdem vom Stuttgarter Lehrhaus unterstützt, einer Stiftung, die den interreligiösen Austausch fördert, bislang aber vor allem im Raum Stuttgart tätig war. "Wir sind praktisch das Pilotprojekt in der Region Heilbronn", sagt Bernd Göller stolz, wohlwissend, dass es andere, etabliertere Synagogenvereine gibt. Doch auch mit denen tausche man sich aus und suche nach Kooperationsmöglichkeiten.

Ein Treffen der Initiativen in Affaltrach, Heilbronn, Freudental, Sinsheim-Steinsfurt, Wenkheim und Heinsheim findet am 26. Januar in Bad Rappenau statt. Der Kreis derer, die sich um die Erinnerung, vor allem aber um den Dialog und um den Blick nach vorne kümmern, wächst.


Programm im Überblick

Mit einer Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 28. Februar, beginnt der Trialog des Freundeskreises ehemalige Synagoge Heinsheim. "Die Heiligen Schriften stellen sich vor" heißt es am 9. April, "Vom Segen des Auswanderns" ist das Thema des Trialogs am 25. Juni. Das Duo Adafina lädt am Donnerstag, 29. März, um 19.30 Uhr zu "Klezmer, Tango, afroamerikanischer Musik und barocker Klangwelt" ein. Martin Auer singt am Donnerstag, 16. Mai, "Lieder vom jüdischen Widerstand". Die Mitgliederversammlung ist am Dienstag, 19. März, ab 19.30 Uhr in Heinsheim.

Ausführliche Informationen im Netz unter www.synagoge-heinsheim.de.

 

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