Die Dienstältesten gehen von Bord

Bad Rappenau  Bad Rappenau hat zwei neue Ehrenringträger. Klaus Hocher hat den Gemeinderat nach 30 Jahren, Erwin Wagenbach nach knapp 40Jahren verlassen. Gemeinsam blicken sie noch einmal zurück.

Von Ulrike Plapp-Schirmer

Die Dienstältesten gehen von Bord

2004 hatte der damalige OB Hans Heribert Blättgen (Mitte) in Klaus Hocher, Erwin Wagenbach, Volker Dörzbach und Bernd Hofmann (von links) vier Stellvertreter.

Der eine ist aus Wollenberg. Der andere aus der Kernstadt. Erwin Wagenbach hat ein sprühendes Temperament. Klaus Hocher ist eher zurückhaltend. Doch bei allen persönlichen Unterschieden haben beide politisch stets Flagge gezeigt. Jahrzehntelang gehörten sie zur Speerspitze der CDU-Fraktion im Bad Rappenauer Gemeinderat.

Der gebürtige Siegelsbacher Erwin Wagenbach hat sich fast 40 Jahre lang für die Belange seiner Wahlheimat Wollenberg stark gemacht, sich aber auch für die Gesamtgemeinde eingesetzt. Klaus Hocher hat die Stadtentwicklung 30 Jahre entscheidend mitgeprägt. Die beiden waren die dienstältesten Gemeinderäte. Jetzt hören sie auf. Die CDU-Fraktion wissen sie bei Anne Köhler in guten Händen.

Ovationen zum Abschied

Dass sie bei ihrer Verabschiedung den Ehrenring der Stadt erhalten würden, damit haben die beiden Kommunalpolitiker nicht gerechnet. "Wir wurden gefragt, für was wir einen Gutschein haben wollen und welche Blumen für unsere Frauen", erzählt Klaus Hocher, der zum Abschied alles wollte, bloß keine gekünstelten Ruhmesreden.

Sowohl bei ihm als auch bei Erwin Wagenbach orientierten sich Familienleben und Urlaube jahrzehntelang am Ehrenamt: "Jetzt geht das Private vor." Über den Ehrenring freuen sich beide. Es sei für ihn, der den mit 450 Einwohnern kleinsten Ortsteil vertrete, schon eine Ehre gewesen, dass er zehn Jahre lang OB-Stellvertreter war, sagt Erwin Wagenbach: "Wenn auch nur an dritte Stelle."

Keiner muss sich hinter dem Engagement des anderen verstecken

Die Dienstältesten gehen von Bord

Mehr Zeit für den Garten, mehr Zeit für Privates: Die beiden dienstältesten Gemeinderäte Bad Rappenaus, Erwin Wagenbach (links) und Klaus Hocher (rechts), haben ihr Ehrenamt abgegeben.

Fotos: Plapp-Schirmer

Als junger Realschullehrer brachte sich Klaus Hocher bereits bei der evangelischen Kirchengemeinde ein. 1990 kandidierte er erstmals für den Gemeinderat - und wurde auf Anhieb gewählt. Hocher hat erlebt, wie mit dem Rathausbau auch eine Stadtmitte entstand und wie die Landesgartenschau die Kurstadt veränderte. In schwierigen Zeiten hielt er das Rathaus auf Kurs. Stets war er ausgleichend. Nie unterwürfig. In späteren Jahren oft weise lächelnd.

Sprach er bei seinen Statements schneller, war es ihm ernst: Etwa, als die Grundstücke im Gewerbegebiet Buchäcker jahrelang wie Sauerbier angeboten wurden. Als er einen hauptamtlichen Wirtschaftsförderer durchsetzen wollte. Oder wenn ihm ein Bedenkenträger aus den Reihen des Gemeinderats gegen den Strich ging. Seit längerer Zeit höre er nicht mehr so gut, sagt er. Das mache ihm in Sitzungen Probleme.

Frauenmannschaft der Feuerwehr

Vielleicht war er es aber auch Leid, auf lokaler Ebene immer für bundespolitische CDU-Themen verantwortlich gemacht zu werden. "30 Jahre sind genug", sagt er. Nach so langer Zeit habe man auch nicht mehr so viel Geduld und Sitzfleisch.

Auch Erwin Wagenbach ist auf Akzeptanz gestoßen, als er sich entschied, aufzuhören. 40 Jahre Kommunalpolitik: Ohne die Unterstützung seiner Frau Heidrun wäre das nicht gegangen, sagt er. Im Gegensatz zu dem 67 Jahre alten Klaus Hocher, der als Realschullehrer nachmittags zu Hause war, war der 74 Jahre alte Wagenbach beruflich viel unterwegs.

Die 1200-Jahr-Feier Wollenbergs mit der Sanierung des Kelterplatzes nennt er sein kommunalpolitisches Highlight. Dass es dem langjährigen Feuerwehrkommandanten der Abteilung Wollenberg Mitte der 90er Jahre in nur zwei Stunden gelungen war, eine Frauenmannschaft aufzustellen; und dass das Dorf nach dem verheerenden Hochwasser 1994 in einem gemeinschaftlichen Kraftakt an nur einem Tag geputzt war - das ist typisch für Erwin Wagenbach. Den Mann der Tat.

Den Vorsitz des CDU-Stadtverbands teilen er und Klaus Hocher sich: "Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen", sagt der Ältere. "Aber zwei Jahren machen wir das noch." "Das sieht man dann", fügt Klaus Hocher an: "Wenn einer von den Jüngeren das machen will, ist das vollkommen in Ordnung."

 

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