Denar und Sesterz waren Euro der Römer

Bad Rappenau  Der jüngst verstorbene Heimatforscher Hans-Heinz Hartmann zog im 30. Heimatboten Parallelen zum heutigen Zahlungsverkehr. Denare und Sesterzen, wie sie auch bei Grabungen in der Region Heilbronn gefunden wurden, hattenber Ländergrenzen hinweg ihre Gültigkeit.

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Typisch für Hans-Heinz Hartmann war, dass er jedes Fundstück immer detailliert beschrieben hat. Auf zwei Seiten stellte er im Heimatboten Münzen vor.

Foto: Hartmann

Was Denare und Sesterzen sind, wissen wir aus spätestens der Lektüre der Asterix-Hefte: das Zahlungsmittel der Römer.

Der im Februar verstorbene Heimatforscher Hans-Heinz Hartmann hatte bei Grabungen auf Bad Rappenauer Gemarkung immer wieder Denare und Sesterzen gefunden. Gut erhaltene Silbermünzen, auf denen der römische Hochadel abgebildet war,

Moderne Denkweisen der Römer

Die Fundstücke sind auf zwei Seiten im jüngsten Heimatboten abgebildet. Hans-Heinz Hartmann beschrieb die Herkunft der Münzen und verwies auf Parallelen in der Geschichte. Wie der Euro waren Denare und Sesterzen ein Zahlungsmittel über Ländergrenzen hinweg - "damals sogar in einem weit größeren Umfang als unser heutiges Euro-Gebiet", so Hans-Heinz Hartmann.

In dessen Schriften begegnen uns die Römer immer wieder als ein Volk, das modern gedacht hat. "Augustus, römischer Kaiser von 27 vor Christus bis 14 nach Christus, sorgte im Laufe seiner Reformpolitik neben der Übernahme der Oberaufsicht über die Getreideversorgung und das Straßenwesen für eine umfassende Neuordnung der römischen Gesellschaft", schrieb Hartmann in seinem Aufsatz.

Dazu gehörte "eine systematische Neustrukturierung der Steuer- und Zollverwaltung und ein kaiserliches Münzsystem mit Silber-Denar und Bronze-Sesterz". Über Jahrhunderte war der Denar die Leitwährung des römischen Imperiums. Das habe einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung mit Rechtssicherheit und Frieden erlebt, schrieb Hartmann. Und auch hier sind die Parallelen zum heutigen Europa unübersehbar.

Denar und Sesterz waren Euro der Römer

Für Heimatforscher sind Fundstücke wie die silbernen Münzen, die im Babstadter Gewann Waldäcker, im Treschklinger Gewann Eckelbronn, im Bonfelder Breitloch oder im Siegelsbacher Gewann Österwiesen gefunden wurden, Zeugen einer vergangenen Zeit. Hartmann beschrieb die Vorderseiten mit den Köpfen von Kaisern oder von Frauen und Müttern der Kaiser sowie die Rückseiten mit religiösen Figuren ganz genau.

Jupiter und Mars sind dort zu sehen, die zur Göttin erhobene Paulina fährt auf einem Pfau ins Jenseits, zu Füßen der Annona findet sich ein Gefäß mit Getreideähren. Hartmann war ein kenntnisreicher Beobachter. Die Münzen wurden zunächst in Rom geprägt und mit Hilfe des Militärs verteilt.

Später entstanden Prägeanstalten in den Provinzen. Die deutsche Anstalt war in Köln. In Syrien wurde ein Denar geprägt, der bei der archäologischen Grabung 1996 in Babstadt entdeckt worden war.

Heimatbote ist selbst Fundgrube

Nachzulesen ist das alles im 30. Bad Rappenauer Heimatboten. Der liegt auch nach der Corona-Krise noch im Rathaus und in den Bürgerbüros kostenlos aus.

 

Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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