Das war der zweite Tag des Blacksheep Festivals

Bad Rappenau  3100 Besucher feiern in Bonfeld unter anderem die Auftritte von Albert Hammond, Max Mutzke und Metal-Queen Doro - und das bei perfektem Open-Air-Wetter. Wir lassen den Freitag Revue passieren und blicken auf den Samstag.

Von Andreas Sommer und Ranjo Doering

Nachdem das Blacksheep Festival im vergangenen Jahr noch mit Regen und leichten Unwettern zu kämpfen hatte, können sich die Organisatoren 2019 über perfektes Open-Air-Wetter freuen. Sonne satt aber keine Tropenhitze gibt es an Tag Zwei des Blacksheep Festivals im Bad Rappenauer Teilort Bonfeld. Für die Besucher gibt es auf den drei Bühnen am Freitag einen Mix aus Folk, Soul, Pop, Rock und Metal.

 

Baskery glänzen solistisch und dreistimmig

Ein sensationelles Konzert liefern die drei Schwestern Greta, Stella und Sunniva Bondesson aus Stockholm, besser bekannt als Baskery, auf der Innenhofbühne ab. Sie haben Punk geatmet, sind aber auch in Country, Folk und Blues daheim bis hin zum Swamp-Rock – ähnlich wie die Schwestern der US-Band Larkin Poe. Greta spielt ein sechssaitiges Slide-Banjo, singt und bedient die Trommel mit dem Fuß. Sunniva treibt die Songs mit akustischer und E-Gitarre voran, während Stella am Bass den vielschichtigen Sound zusammenhält. Der Gesang des Trios glänzt solo und in dreistimmigen Harmonielagen. Neil Youngs eigenwillig interpretiertes „Old Man“ ist einer der Höhepunkte. Und die Adelung eines schwedischen Trinkliedes zu einem stimmstarken Bier-Choral. 

Hammond beim Blacksheep Festival
Albert Hammond braucht ein bisschen, bis er auf dem Blacksheep Festival die Hits auspackt. Foto: Andreas Veigel

Albert Hammond muss erst warm werden

Wer nach Baskery zu Albert Hammond an die Schlossparkbühne pilgert, wähnt sich zunächst in einem Senioren-Tanztee. Angekündigt von der mit 75 Jahren gleich alten „Beat-Club“-Königin Uschi Nerke, zieht der zierliche Barde im roten Lederjäckchen, der unzählige Welthits für andere geschrieben hat, eine gemächliche Show mit Schlagern wie „Down By The River“ ab. Dann wirft er die Hitmaschine an. Der Abend kommt mit dem hingebungsvollen „One Moment In Time“ in Fahrt, um mit Krachern wie „Nothing`s Gonna Stop Us Now“, „I´m A Train“, „It Never Rains in Southern California“, “The Free Electric Band” und “The Air That I Breathe” zu enden. Warum nicht gleich so?

Mehr zum Thema: Wie das Festival gestartet ist, berichten wir in diesem Text mit Live-Blog

 

Wendrsonn sind Virtuosen auf unzähligen Instrumenten 

Widerborstige Ansagen von Frontmann Markus Stricker und ein tanzbarer Folkrock-Crossover sind das Markenzeichen des Sextetts Wendrsonn aus dem Schwäbischen Wald. Sängerin Biggi Binder und Teufelsgeiger Klaus Marquardt sind die auffälligsten Persönlichkeiten dieses virtuosen Kollektivs, das unzählige Instrumente bedient. Mit dem Schwabenlied, mit „Reigschmeckter“, „Alter Sack“ oder „Es schneielet“ bringen sie das Publikum im Innenhof in Stimmung, die das sphärische „Nebelgoischder“ kurzzeitig drückt. Bei der Hymne „Geile Zeit“ sind alle wieder versöhnt.

Folkshilfe machen die "Quetschn" wieder sexy

Auf einer Mission ist das Trio Folkshilfe, das den Festivaltag auf der Kornspeicherbühne eröffnet. „Wir wollen die Quetschn wieder sexy machen und vom Bierzelt auf die Festivals holen“, sagt Florian Ritt. Eine Quetschn, das ist eine steirische Harmonika, die dem Musik des Trios einen ganz besonderen Anstrich gibt. Gut gelaunt, spielfreudig und irgendwo zwischen Jazz, Rock, Pop, Punk, Reggae und Gypsy-Klängen sind die ehemaligen Straßenmusiker eines der Highlights am Festivalsamstag. Ist der Platz vor der Bühne anfangs noch überschaubar besucht, locken die drei sympathischen Österreicher schnell Publikum an. Zeit für ein Statement pro gleichgeschlechtlicher Liebe bleibt im einstündigen Set auch, oder wie es die österreichische Folkshilfe ausdrückt: Jeder soll mit jedem schmusen dürfen.

Mit Max Mutzke und Monopunk wird's soulig

Max Mutzke hat sich freigeschwommen, losgemacht von seiner Casting-Vergangenheit mit Pro7 und Entertainer Stefan Raab. Mit seiner Band Monopunk steht der in Waldshut-Tiengen geborene Sänger auf der Kornspeicherbühne. Mit seinen fünf Musikern hat der 38-Jährige 2018 das Album „Colours“ aufgenommen. „Wir haben uns darauf Hip-Hop-Songs von den 80ern bis heute vorgenommen und in Soulsongs verwandelt“, erzählt Mutzke dem Publikum. Ob „Men in Black“ von Will Smith, „No One Will Do“ von Mary J. Blige oder „Augenbling“ der Berliner Seeed – Mutzke und der Band gelingt es, den Songs einen anderen Dreh zu verpassen - das ist mal schwelgend verträumt, mal melancholisch, mal swingend tanzbar und immer getragen von Mutzkes herausragender Soul-Stimme. Sein bislang größter Hit, „Can‘t Wait Until Tonight“ aus der Castingzeit, schafft es an diesem Abend dann aber nicht auf die Setlist.

Doro macht den Fans ordentlich Feuer

Doro beim Blacksheep Festival
Doro rockt bis weit nach Mitternacht den Freitag beim Blacksheep Festival. Foto: Andreas Veigel

Um kurz nach 23 Uhr tritt dann die Queen of Metal auf die Schlossparkbühne. Doro Pesch, 35 Jahre im Rock-Geschäft, bietet mit ihrer Band die volle Bandbreite für Fans von härteren Klängen: fiese Gitarrenriffs, martialische Gesten, ein mehrminütiges Drumsolo, feuersprühende Fontänen. Immer wieder ballt die 55-jährige Blondine die Faust, animiert das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen, schießt mit einer einem Maschinengewehr nachempfundenden Nebelkanone in die Luft. Doro wechselt zwischen Songs ihrer ehemaligen Heavy-Metal-Band Warlock, spielt „Burning The Witches“, „I Rule The Ruins“ oder „Für Immer“, hat aber auch Songs ihrer Solokarriere („Bastardos“) oder die Wacken-Hymne „We Are The Metalheads“ im Gepäck.

Bis weit nach Mitternacht rockt die Düsseldorferin mit dem Bonfelder Publikum, hat gegen Ende mit „Breaking The Law“ noch ein Judas Priest-Cover und mit „All We Are“ einen der größten Hits aus Warlock-Zeiten in petto. Erfreut zeigt sich Doro vor allem über den Frauenanteil bei Metal-Konzerten: „In den 80ern waren es 99 Prozent Männer und ein Prozent Frauen, inzwischen ist es fast ausgeglichen.“


Wie das Blacksheep weitergeht

Für den heutigen Festivalsamstag beim Blacksheep gibt es noch Karten an der Tageskasse. Am Samstag stehen die Bands Roadstring Army, Westwood, Liedermacher Hans Söllner, Trails, Sons Of The East, Reckless Kelly, Ten Years After und die Schweden von Mando Diao auf der Bühne. Einlass ist ab 14.30 Uhr, Beginn um 15.30 Uhr. Mehr Info unter www.blacksheep-kultur.de.

 

 


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