Das sind die Highlights vom Blacksheep-Finale

Bad Rappenau  Das sechste Blacksheep Festival in Bonfeld ging am Samstagabend zu Ende. 3300 Besucher feierten bei Konzerten von Ten Years After, Sons Of The East und Mando Diao. Die Organisatoren ziehen ein positives Fazit, einen Festivaltermin für das kommende Jahr gibt es auch schon.

Von Ranjo Doering und Andreas Sommer
Mando Diao beim Blacksheep-Festival 2019
Mando Diao spielen sich beim Blacksheep-Festival in 90 Minuten durch 20 Jahre Bandgeschichte. Foto: Andreas Veigel

Für die fünf Schweden von Mando Diao ist es ein guter Tag. Am frühen Abend konnten sie in einer Sportsbar in Bad Wimpfen noch den WM-Sieg der schwedischen Frauen-Fußballnationalmannschaft über Deutschland bejubeln, am Abend steht das Quintett als Headliner auf der Schlossparkbühne des Blacksheep Festivals.

Die Indie-Rocker rund um Frontmann Björn Dixgård versprühen von Anfang an eine Menge Energie, wechseln zwischen Indierock-Hymnen mit Schrammelgitarren und Songs der Alben "Good Times" und "Ælita", die stark mit Pop und Sprenkeln elektronischer Musik aus den 80ern flirten. 90 Minuten spielen sich Mando Diao durch 20 Jahre Bandgeschichte, Dixgård heizt das Publikum mit lauten „Ey,ey,ey“-Rufen immer wieder zum Mitklatschen ein. Besonders gefeiert werden die größten Hits der Band: das ungestüme „Down In The Past“ und die beiden Zugaben „Black Saturday“ und „Dance with somebody“, bei dem das Bonfelder Publikum absolut textsicher ist.

Roadstring Army kommt mit Gute-Laune-Poprock an

Den Anfang am Festival-Samstag machten die vier Jungs von Roadstring Army. Die Band aus Ulm hatte den Blacksheep-Bandcontest gewonnen und damit einen Slot in Bonfeld ergattert. In der Mittagshitze kommt das Quartett mit seinem Gute-Laune-Poprock schon gut an. Im Studium haben sich die Musiker 2015 kennengelernt. „Was in der heutigen Zeit zu kurz kommt, ist die Liebe. Wir wollen euch mit unseren Songs auch ein wenig Liebe geben“, sagt Sänger Sebastian Seliger. Mit Akustikrock, der sich mit Funk, Country und Folkelementen verbindet, sorgt die Band dafür, dass sich der Platz vor der Bühne langsam füllt.

Hans Söllner tritt wie erhofft als bissiger Bayer auf

Liedermacher Hans Söllner ist bekannt für ausufernde Zwischentexte. Beim Blacksheep hat sich der bissige Bayer am frühen Nachmittag vor allem auf Gesundheitsminister Jens Spahn und dessen Impfpflicht-Idee eingeschossen. „Diese Pläne sind extrem gefährlich“, sagt Söllner und tauft den CDU-Politiker kurzerhand „Befruchtungsminister niederbayerischer Kühe“ und „Befriedigungsminister“. Mit einer vierköpfigen Band packt Söllner seine Songs in Dub- und Reggae-Sound mit gewohnt bayerisch-kritischen Texten, teilt gewohnt in viele Richtungen aus, legt die Finger in die Wunde von aktuellen Missständen: Es geht gegen Politiker, Fanatiker, Rechtspopulisten und Konservative. „Ich bin froh, dass ich überhaupt noch öffentlich auftreten darf“, sagt der 63-Jährige mit einem Grinsen. Die Fans lieben Söllners direkte Art und die tanzbaren Songs wie „Nordwind“ und „Schamts eich ruhig für mi“.

An Westwood gefällt die Harmonie

Die Lokalmatadoren von Westwood mit Dave German, Wolfgang Köhler und German Vogt gefallen im noch hitzeflirrenden Innenhof mit ihrem handgemachten Gitarren-Country-Folk und dreistimmigem Harmoniegesang im Stil von Crosby, Stills, Nash & Young. Während German auch mit dem Banjo beeindruckt und Köhler an der E-Gitarre glänzt, legen Vogts Basslinien unaufgeregt das harmonische Fundament.

Trails sind schwer einzuordnen - und gefährlich

Schwer in eine musikalische Schublade zu packen sind die vier Musiker von Trails, die am frühen Abend auf der Kornspeicherbühne stehen. Die Band aus München verbindet Alternative-Rock mit Country- und Folkanleihen und steht damit immer irgendwo zwischen den Kings of Leon und Mumford & Sons. Besonders auffällig ist der von Kopf bis Fuß tätowierte Frontmann Luca Villegas, der erst seit kurzem Sänger der Band ist. Sein Vorgänger Patrick Roche konnte seine Arbeit als Synchronsprecher, er ist unter anderem die Stimme von Jon Snow in der HBO-Serie „Game of Thrones“, nicht mehr mit dem Terminplan der Band vereinen. „Er sieht krass gefährlich aus, ist aber noch gefährlicher“, sagt Gitarrist Luca Wollenberg über den neuen Mann am Mikrofon.

 

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Reckless Kelly legen einen eleganten Mix hin

Mit Reckless Kelly aus Texas gastieren endlich mal wieder die großen Braun-Brüder Willy und Cody in der Region, nachdem die jüngeren Micky und Gary Braun 2017 mit Micky & The Motorcars Bonfeld heftig aufgemischt haben. Reckless Kellys eleganter Mix aus Americana, Country und Bluegrass, der auch mal irisch klingt, kommt im Innenhof prima an. Neben der markanten Stimme von Gitarrist Willy Braun überzeugt Cody Braun als Meister von Fiddle, Mandoline und Mundharmonika. 

Sons Of The East sind hierzulande noch ein Geheimtipp

In ruhigen Fahrwassern sind die Musiker von Sons Of The East unterwegs. In ihrer Heimat Australien spielt die Band aus Sydney bereits in großen Hallen, in Deutschland ist das Trio bislang noch ein Geheimtipp. Unaufgeregt und authentisch präsentiert die Band ihren tanzbaren Indie-Folk mit mehrstimmigem harmonischen Gesang. Besonderes Merkmal: das Banjospiel von Dan Wallage, durch das die Songs eine besondere Komponente bekommen.

Beim Blacksheep wächst das Trio mit einem Drummer und Bassisten zu einem Quintett an. Fröhliche Lieder wie „California“ hat die Band genauso dabei wie sehnsuchtsgetragene Stücke („Come away“) und einen brandneuen Song („Nothing comes easy“). Gitarrist und Frontsänger Nic Johnston scheut sich nicht eine Pirouette auf der Bühne zu drehen und in den Spagat zu springen, Sekunden später steht er schon wieder am Mikrofon. Keyboarder Jack Rollins entdeckt im Blacksheep-Publikum stolz ein Sons of The East-Shirt: „Du siehst super darin aus“, sagt er und lacht. Viel Applaus gibt es für einen überzeugenden Auftritt.

Ten Years After beim Blacksheep-Festival 2019.
Ten Years After begeistern mit ihrer Woodstock-Setlist. Foto: Andreas Veigel

Ten Years After verwandeln die Kornspeicherbühne zur Freiluftdisco

Eigentlich müsste die Band Fifty Years After heißen, denn Ten Years After kokettieren gern mit ihrer Woodstock-Teilnahme 1969. Nach dem Kracher „I Say Yeah“ schrubben die britischen Bluesrocker ihre Woodstock-Setlist runter, dass es eine wahre Freude ist. Die Zeitreise mit den Originalmitgliedern Chick Churchill (Keyboards) und Ric Lee (Schlagzeug), mit Bassist Colin Hodkinson und dem tollen Frontmann Marcus Bonfanti macht Spaß. „Good Morning Little Schoolgirl“, „I Can´t Keep From Crying Sometimes“ und „I‘m Going Home“ entfalten ihre Sogwirkung mit Orgelgewaber und ausufernden Soli in Joint-Länge. Die Kornspeicherbühne ist am Ende eine riesige Freiluftdisco.


Das Fazit zum Blacksheep-Festival 2019

Die Blacksheep-Organisatoren ziehen nach Ende des Festivals ein erstes positives Fazit. „Ich bin zufrieden. Wir hatten super Wetter und einen gesunden musikalischen Mix“, sagt Blacksheep-Programmchefin Janina Zeller. Insgesamt kamen an den drei Festivaltagen 8400 Besucher nach Bonfeld. Ein Rekordwert, auch weil die Besucher-Kapazitäten am Festival-Donnerstag erhöht wurden. Auch finanziell hat sich das Festival für die Veranstalter rentiert: „Wir schreiben schwarze Zahlen“, sagt Zeller. Einem Blacksheep Festival 2020, das vom 18. bis zum 20. Juni stattfinden wird, steht also nichts im Weg.

 

 


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