Das Finanzklima in Eppingen ist heiter bis wolkig

Eppingen  Da ist der nächste Rekord: Die Stadt Eppingen und ihre drei Eigenbetriebe bringen es 2020 auf ein Haushaltsvolumen von annähernd 110 Millionen Euro. Bei den Investitionen steht die Gartenschau 2021 im Fokus. Hier die wichtigsten Punkte zum Etat.

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Eppinger Haushalt: Finanzklima heiter bis wolkig

Der Himmel über dem Eppinger Marktplatz trübt sich ein: Die Stadt ist wie alle Kommunen von der wirtschaftlichen Großwetterlage abhängig.

Foto: Archiv/Berger

Die Verwaltung hat den Entwurf für den Etat am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt. Der Haushalt soll am 10. Dezember verabschiedet werden. Wir beantworten einige der zentralen Fragen zum Zahlenwerk.

 

Wie steht Eppingen finanziell da?

"Solide" ist das am meisten genannte Wort. Die Einnahmen sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, die Ausgaben erreichen aber ebenfalls Rekordniveau. Im laufenden Betrieb erwirtschaftet die Stadt, die nach wie vor als steuerschwache Kommune gilt, einen Überschuss von 1,46 Millionen Euro, der für Investitionen bereit steht. Das sogenannte Gesamtergebnis ist mit 879.000 Euro negativ und wird es auch in kommenden Jahren meist bleiben. Hier fließt nach der kaufmännischen Doppik, die im Haushaltsrecht die Kameralistik abgelöst hat, der Wertverlust des städtischen Vermögens ein. Das soll einen Indikator liefern, ob die Stadt auf Kosten kommender Generationen lebt.
 

Wie schätzt Oberbürgermeister Klaus Holaschke die Lage ein?

"Die Finanzen unserer Stadt sind geordnet", betont der OB. Die Kommune sei aber abhängig von der allgemeinen Konjunktur, hier "ziehen dunkle Wolken" auf. Während die sprudelnden Steuereinnahmen schnell schrumpfen können, sind viele Ausgaben wie Personalkosten nicht rasch kürzbar. Das könnte die Stadt in die Bredouille bringen, wenn die Konjunktur lahmt.

 

In welche Projekte fließt Geld?

Die Gartenschau 2021 steht im Mittelpunkt. In den Topf für das Großereignis fließen aus dem Stadthaushalt weitere 4,22 Millionen Euro. Die Sanierung des ehemaligen Gasthauses Schwanen, zentrales Gartenschaugebäude und später Bürgerhaus, ist mit einer Rate von 1,92 Millionen Euro größtes Einzelprojekt bei den Investitionen.
 

Welche größeren Brocken gibt es sonst?

Die Grundschule im Rot wird für mehr als eine halbe Million Euro saniert, in den Umbau des Postwegs fließen 876.000 Euro. Jeweils 400.000 Euro investiert die Stadt in den Berliner Ring und in Parkplätze an der Heilbronner Straße.


Wie sieht es mit neuen Wohngebieten aus?

Eppingen ist als Wohnort beliebt, jüngst hat die Stadt die 22.000-Einwohner-Marke geknackt. Neue Wohngebiete entstehen unter anderem in den Arealen westlicher Pfaffenhof und Zylinderhof. Für die Erschließung sind für beide mehr als 1,3 Millionen Euro vorgesehen.


Was passiert in den Stadtteilen?

Investitionsprojekte gibt es in jedem der sechs äußeren Stadtteile. In Elsenz stechen die 1,33 Millionen Euro für den Bau eines Leerrohrs heraus. So soll der Ort an schnelles Internet kommen.


Wie hoch sind die Schulden?

Um den Haushalt auszugleichen nimmt die Stadt neue Kredite von 3,82 Millionen Euro auf. Rechnerisch ist jeder Eppinger über den Stadthaushalt mit 219 Euro verschuldet. Nimmt man aber die Schuldenlast der Eigenbetriebe Abwasser und Energie dazu, sind es pro Kopf 1108 Euro.
 

Steigen die Steuern?

Grund- und Gewerbesteuer bleiben ebenso stabil wie die anderen Sätze, auf die eine Stadt Einfluss hat, etwa die Hundesteuer.


Wo nimmt die Stadt überhaupt ihr Geld her?

Im Wesentlichen aus Steuern und Zuwendungen wie jenen aus dem kommunalen Finanzausgleich. Wichtigster Posten bei den Steuern sind der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer mit fast 12,7 Millionen Euro und die Gewerbesteuer mit elf Millionen Euro.


Und die Ausgaben?

Gewichtiger Punkt bei den laufenden Ausgaben sind die Personalkosten, die 2020 auf über 16 Millionen Euro klettern werden.


Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Kommunalpolitik, Verkehr und den Kraichgau.

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