Bürgermeisterforum: Leidenschaft trifft auf Pragmatismus

Bad Rappenau  Zwei Männer wollen am 5. November Oberbürgermeister in Bad Rappenau werden. Beim Stimme-Wahlforum in der Mühltalhalle präsentierten sich Gordan Pendelic und Sebastian Frei den rund 900 Besuchern. Dabei wurde klar: Es gibt deutliche Unterschiede.

Von Tanja Ochs

Bürgermeisterforum: Leidenschaft trifft auf Pragmatismus

Den Kandidaten Gordan Pendelic (Zweiter von links) und Sebastian Frei (Zweiter von rechts) haben die Stimme-Redakteure Ulrike Plapp-Schirmer und Peter Boxheimer auf den Zahn gefühlt. Foto: Matthias Heibel

 


Das vermeintlich überschaubare Bewerberfeld überzeugte beim Wahlform der Kraichgau Stimme am vergangenen Freitag in der Mühltalhalle mit Gegensätzen. Die Bürger haben am kommenden Sonntag eine echte Wahl: Während der 46-Jährige Gordan Pendelic sich demonstrativ bürgernah präsentiert und immer wieder Erfahrung und Kontakte in der Wirtschaft herausstellt, bleibt der zehn Jahre jüngere Sebastian Frei betont sachlich, verweist als Jurist in vielen Fällen auf die Gesetzeslage und übt Zurückhaltung.

Wachstum ist beiden wichtig. Während Pendelic gerne "zwei, drei" große Firmen ansiedeln will, setzt Frei auf eine "ausgewogene Mischung" und warnt vor der Abhängigkeit von ein oder zwei großen Steuerzahlern. Außerdem müsse die Infrastruktur mithalten. Auch beim Wohnungsbau denkt Pendelic größer: Er will Projekte mit Krediten finanzieren, Frei hofft dagegen auf Partner. "Ich bezweifele, dass es über eigene Mittel geht", sagt der 36-Jährige. Die Stadt könne nicht unbegrenzt Kredite aufnehmen.

Unterschiedliche Ansätze zur Oberstufe in der Verbundschule

Auch bei der Frage einer gymnasialen Oberstufe in der Verbundschule trifft Leidenschaft auf Pragmatismus. "Ich sehe den OB in der Pflicht, dafür eine starke Lobby zu machen", fordert Pendelic "Kreativität", um ans Ziel zu kommen. Frei warnt: "Wir brauchen die Genehmigung vom Schulamt." Dafür werde er zwar alles tun, aber versprechen könne er nichts. Dasselbe gilt für den Bürgerbus, der nicht parallel mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren darf. Pendelic versteht das Projekt deshalb als "Zubringerrunde" auch in den Stadtteilen. Frei will das Konzept "weiter diskutieren".

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Beide Kandidaten scheuen die Konfrontation nicht und lassen sich immer wieder auf ein Streitgespräch mit dem Gegner ein. Verwaltungserfahrung hat keiner von ihnen. Frei verweist allerdings auf sein Studium, das öffentliches Recht beinhaltete. Es sei vorbereitet: "Das Gericht ist auch eine Behörde." Und Pendelic ist sicher: "Als Bürger habe ich kommunalpolitische Erfahrung." Während Frei seinen Wahlslogan "Mit Maß zum Ziel" in allen Bereichen anwendet, ist sein Gegner deutlich forscher. Es sei seine Art, "nicht so steif zu sein", erklärt der 46-Jährige.

"Sponsorenfinanzierte Hochkaräter" will Pendelilc in Bad Rappenau auftreten lassen, er fordert eine 24-stündige Polizeipräsenz und einen Bürgerentscheid für die Unterführung Hinter dem Schloss. Alles nicht so einfach, kontert der Jurist. Die Landespolizei sei personell nicht in der Lage, ein Revier in Bad Rappenau einzurichten, und eine freie Abstimmung über das umstrittene Verkehrsprojekt sei gar nicht möglich. "Das ist eine vereinfachte Darstellung."

Frei spricht sich klar für die Unterführung aus, das sei kein "Luxusding". Er würde das Projekt aber "niemals ohne Bürgerbeteiligung" umsetzen. Pendelic hingegen sträubt sich angesichts der "sensiblen Ökologie". Außerdem könne man die Kosten nicht abbilden.

Freies WLAN in der Innenstadt wollen beide

Einigkeit herrscht in Sachen Innenstadtbelebung und Kinderbetreuung. Beide Männer befürworten Hotspots, "da wo Begegnung stattfinden soll", so IT-Spezialist Pendelic. Eine "Selbstverständlichkeit" ist das freie WLAN auch für seinen Kontrahenten. Während Frei ein Wasserspiel für Kinder und Kulturveranstaltungen auf den Kirchplatz bringen will, wünscht sich Pendelic einen Biergarten. "Warum nicht einfach eine Konzession vergeben?" Es sei aber auch Aufgabe der BTB, "Pfeffer in die Innenstadt zu kriegen".

In die Kinderbetreuung gibt es ebenfalls vor allem in der Kernstadt Handlungsbedarf. "Wir haben zu wenig Plätze", wissen beide Bewerber und bekennen sich zur Investition. Während Pendelic jedoch mit "Koste es, was es wolle" argumentiert, schränkt Frei ein: "Koste es, was wir können."