Bürgerbus-Angebot in der Warteschleife

Hüffenhardt/Haßmersheim  Der Bürgerbus, der Hüffenhardt und Kälbertshausen mit Haßmersheim und seinen Ortsteilen verbindet, fährt derzeit nicht. Trotzdem werfen die Bürgermeister Walter Neff und Michael Salomo gerne einen Blick zurück auf die Anfänge: Das Projekts ist gut angelaufen.

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Wann der Bürgerbus wieder fährt, hängt von der allgemeinen Entwicklung ab.

Natürlich sitzt im Augenblick niemand an den Haltestellen und wartet auf den Bürgerbus. Auch Elisabeth Sigmann nicht. Sie hat den Bürgerbus, den die Gemeinden Haßmersheim und Hüffenhardt im zurückliegenden Oktober als interkommunales Projekt an den Start gebracht haben, rege genutzt und findet das Angebot toll.

Der Haßmersheimer Bürgermeister Michael Salomo und sein Hüffenhardter Amtskollege Walter Neff haben die 87-Jährige Anfang März als 1000. Fahrgast mit Blumen überrascht.

Steuern beim Bau des Stegs gespart

Dass der Betrieb aufgrund der Corona-Krise eingestellt ist, stellt für Elisabeth Sigmann ein Problem dar. Als Witwe sei sie auf das Angebot angewiesen. "Ich muss den nehmen", sagt sie. Menschen wie ihr mehr Mobilität zu ermöglichen, ist einer der Gründe, warum sich die Verwaltungsgemeinschaft für einen Bürgerbus entschieden hat.

Ein anderer ist finanzieller Natur: Der Bürgerbus hat den Bau des Haßmersheimer Fußgängerstegs über den Neckar vergünstigt.

Die Maßnahme kostete 9,4 Millionen Euro, wie Bürgermeister Salomo erzählt. Aufgrund von steuerrechtlichen Vorgaben trug der Bürgerbus zur teilweisen Befreiung von der Mehrwertsteuer bei. Haßmersheim erhielt eine Steuerrückzahlung in Höhe von 920.000 Euro und konnte für 110.000 Euro einen barrierefreien Bus kaufen. Zehn Jahre lang - so die Auflage - muss der nun mindestens fahren.

Der Zuschuss der Gemeinde Hüffenhardt belief sich auf 22.000 Euro. Gut angelegtes Geld, wie Bürgermeister Walter Neff meint: "Das Angebot wird angenommen", sagt er.

Spazierfahrt oder Einkaufsbummel

Die einen würden Spazieren fahren, die anderen gingen zum Arzt oder zum Einkaufen. Der Bürgerbus hält in Haßmersheim direkt vor einem Discounter, nächstes Jahr wird in der Neckargemeinde ein großer Supermarkt eingeweiht. Zehn Ehrenamtliche fahren den Bus, weitere Ehrenamtliche werden ständig gesucht, sagt Neff.

Alle Fahrer werden am Ende einen Personenbeförderungsschein haben. Der sei gesetzlich nicht vorgeschrieben, sagt Michael Salomo: "Zum Schutz von Fahrern und Fahrgästen wird er dennoch gemacht."

Angebot in der Warteschleife

Es ist ruhig an der Haltestelle in der Hüffenhardter Ortsmitte. Dort hält im Moment nur der Regionalbus. Der Bürgerbus wird von einem Verein getragen und musste seinen Dienst erstmal einstellen.

Fotos: Plapp-Schirmer

Ein Unfall mit Blechschaden vor wenigen Wochen habe für Schrecken beim Fahrer selbst geführt, der Moral der Truppe aber nicht geschadet, fügt Salomo an. Der Bus ist derzeit in der Werkstatt. Bis zur Einstellung des Betriebs wurde ein Leihfahrzeug genutzt. Der Bürgerbus verbindet Haßmersheim mit den Ortsteilen Hochhausen und Neckarmühlbach sowie mit Hüffenhardt und Kälbertshausen.

 

„"Es hätten ruhig noch ein paar Fahrgäste mehr sein können"“

von Elisabeth Sigmann 

 

"Man zahlt einen Euro", sagt Elisabeth Sigmann: "Das ist günstig. Wenn man den Regionalbus nimmt, zahlt man einen Euro mehr." Und noch etwas ist aus Sicht der rüstigen Hüffenhardterin anders: "Das sind alles freiwillige Fahrer. Man kommt ins Gespräch. Die sind alle nett." Aus ihrer Sicht könnten ruhig mehr Leute das Angebot annehmen.

Am 28. Oktober nahm der Bürgerbus seinen Dienst auf, Anfang März wurde sie als 1000. Fahrgast begrüßt. Salomo spricht von mehr Personen als erwartet, Neff von zahlreichen Rückmeldungen derer, die den Bürgerbus gerne nutzen. Doch Elisabeth Sigmann gibt sich mit der Zahl 1000 nicht zufrieden: "Es hätten ruhig noch ein paar mehr sein können", sagt sie. Und sie hofft, dass der Bus bald wieder fährt.

Info

Regulär verbindet der Bürgerbus Hüffenhardt und Kälbertshausen mit Neckarmühlbach, Hochhausen und Haßmersheim. Gefahren wird zwischen 8.30 und 19.15 Uhr (Abfahrt Haßmersheim, Steg) im Stundentakt. Menschen ohne Auto profitieren von diesem Angebot, vor allem Ältere, die etwa zum Arzt oder zum Einkaufen müssen, oder Jüngere, die ins Freibad nach Hochhausen oder ins Lehrschwimmbecken nach Haßmersheim wollen. Pendler, die die Stadtbahn nutzen, sind mit dem Auto allerdings schneller.

 

Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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