Brandstifter treibt in Kirchardt sein Unwesen

Kirchardt  Vier Brände haben am Dienstag die Feuerwehr auf Trab gehalten. In der Nacht rückt die Wehr zu drei Einsätzen in der Kirchardter Vorstadtstraße aus. Am Vormittag brennt es dort erneut. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Von Heike Kinkopf

 

Was steckt hinter den Bränden? Die Bewohner der Kirchardter Vorstadtstraße sind fassungslos. Eine Antwort hat keiner parat. Einem der Geschädigten stehen Tränen in den Augen. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sagt Rudolf Schenk. Der 66-Jährige betreibt eine kleine KfZ-Werkstatt in der Vorstadtstraße. Diese geht in der Nacht in Flammen auf. „Da bist du fix und fertig“, sagt Schenk und schüttelt den Kopf.

Nachts brennen Auto, Schuppen und Werkstatt

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei brennt in der Straße gegen 2.17 Uhr ein Fahrzeug. Kurz darauf geht nur wenige Meter entfernt ein Schuppen in Flammen auf. Der Schuppen steht zwischen einer Garage und einem Wohnhaus. Die Mitglieder der Kirchardter Wehr löschen die Feuer, Unterstützung kommt von der Feuerwehr Bad Rappenau. Als die Kameraden fertig und auf dem Weg zurück ins Gerätehaus sind, stellen sie im Vorbeifahren fest: Es riecht nach Qualm, der auch schon zu sehen gewesen sein soll. Es ist die Werkstatt von Rudolf Schenk, die gegen 3.50 Uhr lichterloh brennt.

Am Dienstagvormittag dann ein vierter Einsatz. Wieder in der Vorstadtstraße, wieder brennt ein Auto. Feuerwehren aus Kirchardt, Ittlingen und Bad Rappenau verhindern ein Übergreifen der Flammen auf das Gebäude. Doch die Fassaden und ein weiteres Fahrzeug werden in Mitleidenschaft gezogen. Die Polizei schätzt die Schäden auf nunmehr insgesamt 300.000 Euro. Die Kriminalpolizei ist bereits vor Ort, befragt Anwohner und Geschädigte.

 

 

Das Vorgehen des Täters oder der Täter erscheint dreist. Die Polizei ist bereits vor Ort, als er oder sie am hellen Tag Feuer legen. Wer der oder die Täter sind, ist unklar. „Es gibt viele Hinweise“, sagt Polizeisprecher Frank Belz vor Ort. Denen gehen die Ermittler nach. Möglich, dass sich der Brandstifter in der Nähe aufhält und mit der Polizei Katz und Maus spielt. „Vielleicht schaut uns jemand zu“, sagt Belz. Die Polizei spricht von einem Tatzusammenhang und geht von Brandstiftung aus.

Ob Brandbeschleuniger verwendet worden ist, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Angesichts des anhaltenden Regens ist die Wahrscheinlichkeit nach Einschätzung der Polizei hoch. Die Hinweise und Beschreibungen von Anwohnern und Zeugen bezeichnet Belz zunächst als „vage“, sie müssten nun verifiziert werden. „Wir fahnden mit einem Großaufgebot.“ Die Polizei hofft, dass es zu keinen weiteren Taten kommt.

Auto ist nur noch Schrott

Süleyman Doruk steht in der Vorstadtstraße vor der Tür. Sein BMW steht völlig ausgebrannt neben dem Haus. „Ich kam von der Spätschicht nach Hause“, erzählt der 24-Jährige. Er habe geduscht, etwas gegessen und sich schlafen gelegt. Dann wird er geweckt. Süleyman Doruks Bruder Engin erzählt, wie die Eltern auf den brennenden Wagen aufmerksam geworden sind. „Sie hörten zunächst einen lauten Knall, dann sind sie auf die Straße. Draußen war es hell.“ Doruks Auto steht in Flammen. Das ist jetzt nur noch Schrott. „Günstig war es nicht“, sagt Besitzer Süleyman Doruk und zuckt hilflos die Schultern.

Bürgermeister lobt die Einsatzkräfte

Das erneute Feuer am Vormittag zieht zahlreiche Kirchardter in die Vorstadtstraße. „So etwas habe ich hier noch nie gesehen“, sagt ein 29-Jähriger. Der Schuppen seines Bruders habe in der Nacht gebrannt. Im Haus nebenan schliefen auch Frau und zwei kleine Kinder. Die Verunsicherung ist groß. Angst und Entsetzen macht sich unter den Betroffenen breit. Eine Erklärung haben sie nicht. Dass sich die Feuer persönlich gegen einen von ihnen richten, das kann sich keiner vorstellen.

Kirchardts Bürgermeister Gerd Kreiter ist sowohl in der Nacht als auch am Vormittag vor Ort. Eine Idee, wer hinter den Bränden stecken könnte, hat er nicht. „Alles ist möglich. Ich schließe nichts aus.“ Die Feuerwehrleute seien nicht zum Schlafen gekommen. „Ich muss ihnen eine Riesenlob und Dank aussprechen“, sagt Kreiter. In allen Fällen habe die Wehr verhindert, dass die Flammen auf angrenzende Häuser übergriffen. „Sie haben gerettet, was zu retten war.“


Polizei bittet um Hinweise

Zeugen sollen sich an die Kriminalpolizei in Heilbronn wenden unter Telefon 07131 104 4444 oder auch die 110 wählen.


Kommentar hinzufügen