Bikini-Art-Museum in Bad Rappenau eröffnet demnächst

Bad Rappenau  Das Team des Bikini-Art-Museums zeigt mit einer Vortragsreihe schon vor der Eröffnung vor Ort Flagge. Die Ausstellungsmacher arbeiten mit Hochdruck an den Inhalten.

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Der Zweiteiler auf dem Laufsteg

Das Bikini-Art-Museum an der Autobahnanschlussstelle Bad Rappenau gleicht einem Art-Deco-Gebäude. Es ist in Kürze fertig. Eröffnung ist Anfang 2020.

Fotos: Ulrike Plapp-Schirmer

Während das Art-Deco-Gebäude an der Autobahnanschlussstelle Bad Rappenau langsam fertig und in Köln gerade die zehn Meter hohe "Janara", die metallene Symbolfigur des neuen Bikini-Art-Museums, zusammengeschweißt wird, widmen sich die Ausstellungsmacher unter Hochdruck den Inhalten. Das Thema hat sich in der Bademodenwelt herumgesprochen. Laufend käme was Neues dazu, sagt Museumsdirektor Reinhold Weinmann.

Und schon Wochen vor der Eröffnung des weltweit ersten Museums, das sich nur dem Bikini widmet, macht die Einrichtung Schlagzeilen: "In Brasilien kommt derzeit jede Woche was in den Medien", sagt Initiator Alexander Ruscheinsky. Das Museum sei zwischenzeitlich im Besitz der größten Bademodensammlung der Welt.

Vorbereitungen für erstes Bikinimuseum
Ein goldener Bikini aus aus der Zeit um 1950 von Louis Réard wird einer Puppe angelegt. Die Vorbereitungen für das erste Bikinimuseum laufen auf Hochtouren. Ein Regensburger Unternehmer eröffnet das Museum im Frühjahr 2020 in Bad Rappenau. Foto: Armin Weigel/dpa

Überregionales Publikum wird angesprochen

Exponate von 1880 bis heute werden ab Jahresbeginn in Bad Rappenau zu sehen sein. Der ursprünglich angepeilte Eröffnungstermin in der Silvesternacht ist nicht zu halten. Weinmann nimmt aber schon Termine für Führungen entgegen. Die Nachfrage, bestätigt er, sei enorm. Zum Vortragsabend am Donnerstagabend waren rund 40 Besucher gekommen. Einige von ihnen nahmen lange Anfahrtswege in Kauf: Man spreche auch ein überregionales Publikum an, betont Weinmann. Das Bikini-Art-Museum gehört zu den neun Einrichtungen entlang der Autobahn, die sich jüngst zu der regionalen Tourismus-Initiative "A6-Boulevard" zusammengeschlossen haben.

Noch sitzt das Team um Museumsdirektor Reinhold Weinmann in Regensburg. Allerdings nutzt es die Zeit bis zur Eröffnung, mit einer Vortragsreihe und Workshops auch vor Ort Flagge zu zeigen. Die Bad Rappenauer Stadtarchivarin Regina Thies wird im Frühjahr über Benger-Ribana, den ehemaligen Bademodenhersteller am Ort, sprechen, auch Zeitzeugen kommen zu Wort. "Mit dieser Reihe versuchen wir Fans für das Museum zu gewinnen", sagt Reinhold Weinmann.

Vorbereitungen für erstes Bikinimuseum
Reinhold Weinmann, Museumsdirektor des Bikini Art Museums, zeigt einen historischen Badeanzug aus der Zeit um 1890. Foto: Armin Weigel/dpa

Neben Ausstellungsstücken sollen in Bonfeld aber auch Informationen zusammengeführt werden. Das Museum soll eine zentrale Einrichtung sein, in dem das gesamte historische und zeitgenössische Wissen zum Thema Bademode versammelt ist. Als Archiv soll es nicht nur Besuchern, sondern auch Studenten, Journalisten und Wissenschaftlern zur Verfügung stehen.

Verwaltet wird dieser "Wissenspool" von einer Foundation, der nach der amerikanischen Buchautorin Ghislaine Rayer und dem Münchener Kunstexperten Helmut Schuster nun auch der Fotograf, Schauspieler und zweifache Bundesfilmpreisträger Roger Fritz angehört. Der stellt im Museum Fotos von Stars wie Udo Lindenberg im Pool oder Udo Jürgens in der Badewanne aus, bringt zugleich aber auch seine Erfahrung mit Prominenten ein. Die Geschichte des Bikinis ist Teil der Mode- und Kulturgeschichte.

Um eine wissenschaftliche Annäherung an ein Kleidungsstück, das der Papst in den 50er Jahren noch scharf verurteilte, das heute an Stränden und in Schwimmbädern aber weltweit ganz selbstverständlich getragen wird, geht es auch Marie Helbing. Sie sprach am Donnerstag in Bonfeld über den Siegeszug des Zweiteilers auf dem Laufsteg.

Vorbereitungen für erstes Bikinimuseum
Alexander Ruscheinsky steht neben einer Avatar-Puppe mit einem Bikini. Foto: Armin Weigel/dpa

Zweiteiler als Spiegel der Gesellschaft

Helbing arbeitet derzeit an der Ausstellung "Fashion", die im Oktober 2020 im Landesmuseum in Stuttgart eröffnet wird. Sie betonte, dass "die Geschichte des Bikinis auch die Geschichte insbesondere des weiblichen Körpers ist".

Der Zweiteiler auf dem Laufsteg als Spiegel der Gesellschaft: Um die Befreiung der Frau soll es im Bikini-Art-Museum auch gehen.


Historisches

Am 5. Juli 1946, nur wenige Tage nach den verheerenden Atombomben-Tests der USA im Bikini-Atoll, organisierte der Bademodendesigner Louis Réard eine Misswahl im Pariser Schwimmbad Molitor. Dort stellte er den bis dato kleinsten Badeanzug der Welt vor, den Bikini. Symbolisch sollte der Bikini mit der Sprengkraft der Atomversuche assoziiert werden. Die Vorstellung des knappen Zweiteilers war ein Skandal: Der Bikini, der von der Pariser Nackttänzerin Micheline Bernardini erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde, wies lediglich an den intimsten Stellen ausreichend Stoff auf. 


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer arbeitet seit 1993 bei der Heilbronner Stimme, über ein Jahrzehnt lang war sie Teil der Kraichgau Stimme in unserer Außenredaktion in Eppingen. Neben der lokalen Berichterstattung hat sie in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Literaturkritiken geschrieben. Sie gehört den Thementeams „Kultur“ und „Migration und Kirche“ an.

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