Bierdeckel sind mehr als nur Tischschoner

Sinsheim  Bierdeckel-Sammler aus ganz Deutschland fachsimpeln im Sinsheimer Brauhaus Jupiter bei der vierten Auflage der Steinsfurter Tauschbörse.

Von Rudolf Landauer

Bierdeckel sind mehr als nur Tischschoner
Bierdeckel und Brauereiwerbung gingen im Brauhaus Jupiter über die Tische. Mathias Russmann (v.l.) und Thomas Ertl begutachten einige Stücke. Foto: Rudolf Landauer

Von teilweise weither sind sie am Wochenende angereist: Das Brauhaus Jupiter und die vierte Steinsfurter Tauschbörse waren das Ziel von Sammlern von Brauerei-Werbemitteln. Damit stehen sie in einer langen Tradition der Sammlerleidenschaft. Kaum, dass vor über 100 Jahren die Bierdeckel oder auch Bierfilze in Gebrauch kamen, gab es auch schon Sammler der kleinen Pappdeckel. Weil Brauereien darauf ihre Werbung druckten, steckte man sich vorwiegend auf Reisen ein paar Deckel ein.

Die Organisatoren sind weitgereiste Werbemittel-Sammler

Eine der großen Sammlervereinigungen in Deutschland ist die Förderergemeinschaft von Brauerei-Werbemittel-Sammlern (FvB). Die Gemeinschaft veranstaltet regionale Tauschbörsen. Wieland Dreyhaupt aus Sinsheim oder Günther Hellenschmidt aus Bad Rappenau organisieren solche Treffs. Hellenschmidt frönt seit 56 Jahren der Sammlerleidenschaft, und er hat bereits die nächste Börse im Auge: die 40. Nikolaus-Jubiläums-Tauschbörse in Heinsheim am 16. November. Hellenschmidt hat auf seinen Reisen Brauereien in den USA, in Südamerika, Russland, China und in vielen anderen Ländern Europas besucht und sich mit unzähligen Gegenständen eingedeckt.

In das Steinsfurter Brauhaus Jupiter kam auch nahezu der komplette Vorstand des FvB, darunter Mathias Russmann (Vorsitzender Tauschbörsen) und Thomas Ertl, (Leiter der Mitgliederverwaltung). Aus Wiesbaden reiste Sammlerin Liesel Anke an, und aus Berlin kam Redis Vollbrecht, auf der Suche nach einem weiteren Bonbon für seine Sammlung. Aus Stuttgart machte sich Winfried Friedel mit derselben Absicht auf. "Die Spezialisten und Schnäppchenjäger kommen ganz früh", weiß Thomas Ertl, der erklärte, wie es wirklich läuft: "So manches Geschäft wurde bereits vor dem Brauhaus quasi aus dem Kofferraum des Pkw heraus abgewickelt".

Nicht nur Bierdeckel wechseln den Besitzer - und manch einer hat Kurioses im Angebot

Zwar bilden die Bierdeckel den größten Anteil der Sammelgebiete, dennoch gibt es viele weitere Spezialisten. Deckel, Dosen, Email-Schilder, Etiketten, Flaschenöffner, Gläser, Kellnerzettel, Kittelaufnäher, Kronkorken, Krüge, Pilsdeckchen, Pins, Porzellanköpfchen, Spielkarten und Zapfhahnschilder zählen dazu und werden akribisch gesammelt

In Italien gibt es etwa viele Sammler, die auf Fünf-Liter-Partybierfässer aus sind, weiß Thomas Ertl. Und er hat noch ein kurioses Teil auf Lager. Auf dem Bierdeckel des Brauhauses Zwickau war die Wahlkampf-Idee des CDU-Politikers Friedrich Merz von 2004 gedruckt, auf dem er seinerzeit erklärt hatte: "Die Steuererklärung muss auf einen Bierdeckel passen". Tatsächlich sind viele relevante Fragen zur Einkommenssteuer darauf zu lesen.

"Wir sind sehr zufrieden mit der Tauschbörse hier ", betonte Mathias Russmann. Im nächsten Jahr richtet sein Verein zusammen mit weiteren Vereinen in Wien eine Europatauschbörse aus.

So fing alles an

Aus der Zeit vor 1900 stammen die ältesten Bierdeckel oder Bierfilze. Wann genau der erste Bieruntersetzer hergestellt wurde, lässt sich offenbar nur schwer klären. Sicher datieren lässt sich die Eintragung des Reichspatents mit der Nummer 68499. Am 25. Oktober 1892 erteilte das Patentamt das Patent: "Für ,Platten", die zu runden oder kantigen Deckeln ausgestanzt oder ausgeschnitten werden, die sich wegen ihrer Saugfähigkeit als Bierseideluntersetzer eignen". Diese früh entdeckte Werbewirksamkeit von Bierdeckeln samt Zubehör wird bis heute von Sammlern eifrig genutzt.

 

 


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